Falsche Sparkassenmitarbeiter

Clan-Kriminalität in Nürnberg: Sparkassenkunden wurden erpresst

12.5.2021, 20:39 Uhr
Sie gaben sich als Mitarbeiter der örtlichen Sparkasse aus und ergaunerten von Bankkunden viel Geld. Jetzt gelang der Kripo Nürnberg ein Schlag gegen die Betrüger.

Sie gaben sich als Mitarbeiter der örtlichen Sparkasse aus und ergaunerten von Bankkunden viel Geld. Jetzt gelang der Kripo Nürnberg ein Schlag gegen die Betrüger. © Sabine van Erp/Pixabay/LizenzCC

Der Arm eines kriminellen Clans aus Essen reichte bis nach Bayern, Mittelfranken, Nürnberg. Seit Monaten haben Ermittler des Nürnberger Betrugskommissariats, die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und Sicherheitsbehörden der Stadt Essen die arabischstämmige Familie im Visier - und ganz besonders einen 22-jährigen Mann, der als Kopf einer Betrügerbande gilt, die von ahnungslosen Sparkassen-Kunden große Geldbeträge ergaunert hatte. In den vergangenen Wochen durchsuchten Spezialeinheiten der Essener Polizei mehrere Objekte in Nordrhein-Westfalen, zuletzt am vergangenen Donnerstag, den 6. Mai. Es kam auch zu zahlreichen Festnahmen.

Perfide Betrugsmasche

Den 22-jährigen Mann machten die Ermittler laut Polizeipressestelle in Nürnberg bereits im September 2020 ausfindig. In einem Hotel in Düsseldorf hatte er sich eingemietet, jetzt sitzt er in Haft. Welche Taten ihm vorgeworfen werden? Bereits im Sommer 2020 häuften sich bei der Polizei in Mittelfranken Anzeigen von Bürgern, die Opfer einer perfiden Betrugsmasche geworden waren: Angebliche Mitarbeiter der jeweiligen Sparkassen riefen die Bankkunden an. Um die Echtheit des Anrufs aus dem Geldinstitut glaubhaft zu machen, ließen die Betrüger über einen technischen Trick die Rufnummer der Bank auf dem Display des Opfers erscheinen - ähnlich wie bei Fällen mit falschen Polizisten, die bei den Angerufenen die 110 erscheinen lassen.

"Durch eine geschickte Gesprächsführung überzeugte der Anrufer die Geschädigten, dass sie ihm eine TAN-Nummer verrieten, die als Sicherheit für Banküberweisungen benötigt wird. Tatsächlich nutzten die Betrüger die TAN nach dem Telefonat umgehend für eine Überweisung zum Nachteil der Geschädigten", so Polizeisprecher Stefan Bauer. Ihn macht allerdings stutzig, "dass man im Alter von 22 Jahren schon so abgebrüht sein kann".

Mehr als zwei Millionen Bild- und Sprachdateien

Der Betrüger hat ein Netz an Mittätern und Geldabholern aufgebaut, damit die überwiesenen Beträge schnell vom jeweiligen Zielkonto abgehoben und weitergegeben werden konnten. Der mutmaßliche Kopf der Bande ließ sich auch ständig über alle Schritte der Geldabholungen informieren. Bei der Festnahme des jungen Mannes im Hotel stellten die Beamten ein Mobiltelefon und weiter Datenträger sicher, auf denen die Ermittler mehr als zwei Millionen Bild- und Sprachdateien fanden. Viele davon beziehen sich auf die Betrugsdelikte.

Doch die Polizisten entdeckten in den Speichern der Geräte auch Fotos, die den luxuriösen Lebensstil des Festgenommenen zeigen. Ein Prunk, den er durch die ergaunerten Geldbeträge finanzierte. Dazu zählen teure Uhren und Schmuck, er mietete Luxusfahrzeuge und leistete sich teure Urlaubsreisen. Edle Stoffe "gönnte" sich der Mann auch. Nach seiner Festnahme gingen der Ermittlungskommission zwölf weitere mutmaßliche Mittäter und Helfer des Beschuldigten aus dem Raum Essen, Gelsenkirchen und Recklinghausen ins Netz.

Polizei durchsucht mehrere Objekt im Raum Essen

Die Ermittlungsergebnisse der Sicherheitsbehörden veranlassten die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, eine Reihe von Durchsuchungen zu beantragen. Im Dezember 2020 wurden daraufhin acht Objekte in Essen und Gelsenkirchen auf den Kopf gestellt. Am vergangenen Donnerstag, 6. Mai, wurden weitere sechs Objekte im Raum Essen durchsucht. Den Zugriff hatten federführend die Kräfte der Besonderen Aufbauorganisation "Clan" in Nordrhein-Westfahlen organisiert. Die Beamten fanden umfangreiches Beweismaterial und stellten es sicher. Außerdem fanden die Beamten Betäubungsmittel und Waffen in den Objekten. Darüber hinaus wurden in einem An- und Verkaufsladen Wertgegenstände wie Uhren und Schmuck zur Vermögensabschöpfung beschlagnahmt.

Jetzt liegen die sichergestellten Geräte und Datenträger bei der Kripo Nürnberg. "Die Auswertung wird die Beamten und Beamtinnen der Ermittlungskommission noch einige Zeit beschäftigen", sagt Polizeisprecher Stefan Bauer. Die Kripo-Beamten erhoffen sich Hinweise auf weitere Taten der Clan-Mitglieder sowie Erkenntnisse zu Geldflüssen. Mehr als 130 Einzelfälle gehen nach derzeitigem Ermittlungsstand auf das Konto des 22-Jährigen. Die Polizei schätzt den durch ihn und seine Bande verursachten Vermögensschaden auf mehrere Hunderttausend Euro.