Coole Kugeln sind angesagt

5.12.2011, 08:59 Uhr
Die Betreuer Roswita Rauh und Christoph Beier (2. u. 3. v. li.) spielen mit den Jugendlichen Billard.

© Stefan Hippel Die Betreuer Roswita Rauh und Christoph Beier (2. u. 3. v. li.) spielen mit den Jugendlichen Billard.

Heute wurde zusammen gekocht, Kässpätzle haben sich die Jugendlichen gewünscht, zum Nachtisch gibt es Mandarinen. Michael (12) steht hinter der Theke und trocknet nach dem Essen fleißig das Geschirr ab. „Der Tresendienst gefällt mir am besten, da müssen die anderen höflich zu mir sein, wenn sie etwas wollen“, erzählt er. Zwischen den Zeilen hört man raus: Von der Straße ist er anderes gewohnt, da werden Wünsche schon mal mit der Faust durchgesetzt.

Auch die anderen Jugendlichen, die regelmäßig in den offenen Jugendtreff kommen, kennen solche Situationen. Das Leben im Stadtteil ist für sie nicht immer einfach, kostenlose Freizeitangebote gibt es kaum, Jugendhäuser wie das Quibble in der Augustenstraße sind zu weit weg. Viele stammen aus sozial schwachen Familien oder haben einen Migrationshintergrund.

Gewaltfreie Zone

„Hier ist eine gewaltfreie Zone, es ist uns sehr wichtig, dass die Kinder das wissen und sich auch daran halten“, erklärt die Sozialpädagogin Roswitha Rauh, die den Treff in der Gugelstraße 143 leitet. Zweimal die Woche, montags und mittwochs von 17 bis 20 Uhr, stehen die großzügigen Kellerräume im Gebäude der evangelisch-methodistischen Kirche der Paulusgemeinde für alle ab zehn Jahren offen, die sich an diese Regel halten. „Wir bieten nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern sind auch ein wichtiger Schutzraum“, so Rauh.

Sport und Ausflüge

Sehr beliebt bei den Jugendlichen sind die Sportangebote. In einer kleinen Turnhalle kann entweder Fußball oder Tischtennis gespielt werden. Ein Kicker steht ebenso bereit wie ein Billardtisch. Zum Abbauen von Aggressionen dient ein großer Boxsack. „Den nehme ich immer, wenn ich wütend bin“, verrät Michael.

Die Kinder werden von Sozialpädagogen und ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut. Neben Sport gibt es regelmäßige Aktionen zum Thema „Gesundes Leben“, Ausflüge, Kinoabende und gelegentlich eine Fahrradwerkstatt. Zudem haben sie eine Band, wie der 15-jährige Hakan stolz erzählt. Seitdem der Trägerverein des Treffs ein Schlagzeug gestiftet hat, wird regelmäßig geprobt. Bei der Feier zum fünfjährigen Jubiläum am 5.Dezember wollen sie ihre Mischung aus „Punk-Rock-Metal“ zum ersten Mal vor Publikum präsentieren.

Wie groß der Bedarf an offener Jugendarbeit im Stadtteil ist, zeigte sich bereits vor mehr als fünf Jahren. Damals strömten immer mehr Jugendliche in die Paulusgemeinde, um Anschluss zu suchen. Doch die religiös geprägte Jugendarbeit der Kirche unterschied sich doch sehr von den Bedürfnissen der Kids von der Straße, wie Pastor Stefan Veihelmann aus Erzählungen seines Vorgängers weiß.

Daher entschied man sich, einen Verein für einen separaten, offenen Kinder- und Jugendtreff zu gründen. „Das war nicht immer einfach, es gab häufiger Schwierigkeiten mit Jugendlichen, die sich nicht an die wenigen Regeln gehalten haben.“ Mittlerweile hat sich der Treff etabliert und ist bei Jungen wie Mädchen recht beliebt. Zumindest beim Stammpublikum hat sich ein starkes positives Wir-Gefühl entwickelt. „Ich weiß, hier treffe ich immer jemanden, den ich kenne“, sagt Özcan. Der 16-Jährige bringt manchmal seine Xbox von zu Hause mit. „Ich könnte auch allein daheim spielen, aber hier zusammen ist doch viel cooler.“
 

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