Niedrigschwelliges Angebot

Corona-Impfungen im Kino, am Flughafen oder im Einkaufszentrum: Lob für Strategie der Stadt Nürnberg

Sabine Ebinger

Lokales Nürnberg

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3.2.2023, 07:21 Uhr
Dort gegen Corona impfen, wo die Menschen sind - der Impfbus der Stadt machte am Hauptmarkt, aber auch in den Vierteln am Stadtrand Halt. 

© e-arc-tmp-20210727_152438-2.jpg, NN Dort gegen Corona impfen, wo die Menschen sind - der Impfbus der Stadt machte am Hauptmarkt, aber auch in den Vierteln am Stadtrand Halt. 

In Notzeiten heißt es mitunter, erfinderisch und flexibel zu sein: Das städtische Corona-Impfzentrum blickt nach rund zwei Jahren auf eine erfolgreiche Bilanz. Und dafür gab es in der Sitzung des Gesundheitsausschusses im Rathaus einhellig großes Lob.

Ende 2020 baute die Stadt das Impfzentrum im Messezentrum auf, die ersten Impfungen wurden am 27. Dezember 2020 verabreicht. Im Laufe der Zeit kamen weitere Standorte dazu, ein Impfbus klapperte zudem die einzelnen Stadtteile ab. Das städtische Impfzentrum der Stadt hat zwischen 27. Dezember 2020 und 31. Dezember 2022 insgesamt 465.074 Impfungen durchgeführt. Damit hat die Stadt knapp die Hälfte der rund 1,1 Millionen Impfungen übernommen, die in diesem Zeitraum in Nürnberg verabreicht worden sind. Den größten Anteil stellen die Arztpraxen mit über 611.000 Impfungen, an die Kliniken wurden 23.000 Impfdosen vergeben.

In den Anfangstagen der Pandemie gab es so manche organisatorische Panne im Gesundheitsamt: Falsche Inzidenzwerte oder Doppelzählungen sorgten für Kritik. Doch mit der Impfstrategie hatte die Stadt den richtigen Riecher. Denn die Messe in Langwasser blieb nicht der einzige Ort, an dem man sich die Corona-Spritze verabreichen konnte. Im Laufe der Zeit wurden weitere Standorte im Stadtgebiet geschaffen. Leicht zu erreichen, niedrigschwellig, wohnortnah: Das war die Devise.

Zum Start Ende 2020 gab es nur Impfstoff für vulnerable Gruppen wie hochbetagte oder kranke Menschen. Im Verlauf des Jahres 2021 wurde der Personenkreis, der geimpft werden durfte, sukzessive erweitert. Die Stadt baute daraufhin die Impfstellen aus. Nach der Messe wurde mit der einstigen Kfz-Zulassungsstelle in der Großreuther Straße ein weiterer Standort geschaffen: An beiden Standorten gab es insgesamt 226.910 Impfungen. Auch im ehemaligen Kundenzentrum der N-Ergie am Plärrer wurde geimpft - hier wurde in 26.438 Fällen die Spritze verabreicht. Mobile Teams waren in Seniorenheimen, sozialen Einrichtungen oder im Gefängnis unterwegs und impften hier 180.690-mal.

"Eine aufregende Zeit"

"Es war eine aufregende Zeit", berichtete Gesundheitsreferentin Britta Walthelm (Grüne) den Stadträtinnen und Stadträten in der Sitzung. "Die Kollegen waren sehr kreativ und haben immer wieder neue Ideen entwickelt. Alle waren mit dem Herzen bei der Sache, das war kein Dienst nach Vorschrift."

Dort Impfungen anbieten, wo die Menschen sind: Diese Strategie ist aufgegangen. So wurde im City-Point bis zur Schließung des Einkaufszentrums im Herbst 2021 geimpft. Im Süden gab es zudem einen Standort im Franken-Center, im Norden gab es Impfmöglichkeiten im Mercado-Einkaufszentrum. Temporäre, über mehrere Wochen geöffnete Einrichtungen im Zentrum öffneten in der Industrie- und Handelskammer und im Heilig-Geist-Spital. Im Heilig-Geist-Spital wurden zudem im Dezember 2021 die ersten Kinderimpfungen angeboten.

Der Impfbus war in diversen Stadtvierteln unterwegs. Darüber hinaus bot die Stadt gezielt Aktionen für Personengruppen an - wie etwa die russischsprachige Community mit Impfaktionen im Gemeinschaftshaus Langwasser oder die muslimische Gemeinde mit Impfungen in der Ditib-Moschee. Mit Impfungen in der Straßenambulanz oder bei der Vesperkirche hatte man auch sozial benachteiligte Menschen im Blick. Nürnberg hatte nach eigenen Angaben Vorbildcharakter mit einem bayernweit ersten Modellprojekt, den Nutzerinnen und Nutzer der Tafel eine Impfung anzubieten.

"Wir haben viel getan", so Britta Walthelm. Einhellig lobten die Stadträtinnen und Stadträte über die Parteigrenzen hinweg im Ausschuss die Arbeit. Besorgte Nachfragen gab es dennoch zu den Kosten.

Am 31. Dezember 2022 hat das städtische Impfzentrum den Betrieb eingestellt - seitdem impfen die Arztpraxen sowie einige Apotheken. Die Stadt ist derzeit mit der Kostenabrechnung beschäftigt und hat Ausgaben von 45,27 Millionen Euro übernommen. Laut Britta Walthelm gibt es "theoretisch" eine Vollerstattung vom Freistaat Bayern - allerdings gehe man erst in die Verhandlung, welche Summe nun tatsächlich übernommen wird.

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