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Corona-Krise: Den Stadttauben droht Hungertod

Tierschützer fordern betreute Futterstellen und bieten der Stadt Unterstützung an. - 28.03.2020 05:57 Uhr

Auf Futtersuche am Weißen Turm: Auch wenn sie ungesund und nicht artgerecht sind – Essensreste finden die Tauben jetzt kaum noch. © Foto: Edgar Pfrogner


"Die Situation ist sehr dramatisch. Wenn nichts passiert, werden die Tiere in kürzester Zeit verhungern", warnt Claudia Rupp vom Tierschutzverein für Stadttauben und Wildtiere in Nürnberg.

Denn: "In Nürnberg ernähren sich die Stadttauben wegen des Fütterungsverbots hauptsächlich von Abfällen aus der Gastronomie und davon, was Passanten wegwerfen", sagt Rupp. Weitere Möglichkeiten der Futterbeschaffung gebe es für diese verwildert lebende Haustierart nicht.

Sie ergänzt: "Bedingt durch die nahezu menschenleere Innenstadt und die Schließung von Restaurants, Cafés und Imbissbuden haben die Tiere in den nächsten Wochen somit keinerlei Möglichkeiten, etwas Fressbares zu finden." Dieses werde bei den aktuell bereits stark untergewichtigen Tieren zu einem massenhaften Verhungern führen. Hier tatenlos zuzusehen, stehe im Widerspruch zum Tierschutzgesetz, betont die Architektin. Schon jetzt nehme die Zahl der Notfälle und der verendeten Tiere kontinuierlich zu.

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Auch der Deutsche Tierschutzbund weist auf das Problem hin. Der Verband richtet sich mit seinem bundesweiten Appell, die Versorgung der Stadttauben sicherzustellen, insbesondere an jene Städte, die noch kein wirksames Taubenmanagement etabliert haben – wie eben Nürnberg.

"Da Tauben sehr standorttreu sind, werden sie die Innenstadt nicht verlassen und verhungern, wenn ihnen nicht bald Nahrung zur Verfügung gestellt wird. Da gerade Brutsaison ist, werden auch viele Jungtiere in den Nestern sterben", warnt Leonie Weltgen, Fachreferentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. "Uns ist klar, dass die große Zahl an Stadttauben vielerorts ein Problem ist. Dass die Tiere nun qualvoll verenden, dürfen die Städte aber nicht zulassen."

Die Nürnberger Tierschützer, die allesamt ehrenamtlich arbeiten, bieten ihre Hilfe an und fordern, dass die Stadt temporär betreute Futterstellen an den bekannten Brennpunkten für den Zeitraum der Corona-Maßnahmen einrichtet. Rupp dazu: "Wir könnten die kontrollierte Fütterung übernehmen, schwache und kranke Tiere einsammeln und darauf achten, dass kein Futter am Platz verbleibt, um zu vermeiden, dass etwa Ratten dadurch angelockt werden."



Die Hotspots könnten gemeinsam mit der Stadt festgelegt, und die auszubringende Futtermenge mit Blick auf die Populationsgröße und dem durchschnittlichen Futterbedarf bestimmt werden. "Wir würden auch für die Kosten für artgerechtes Futter, wie Mais, Körner oder Sämereien, aufkommen", so Rupp weiter.

"Wir dürfen die Tiere nicht vergessen"

Rückenwind erhalten die Tierschützer von der Grünen-Stadträtin Andrea Bielmeier: "Auch wenn wir derzeit vor größten Herausforderungen für die Stadtgesellschaft und die Verwaltung stehen, hoffen wir sehr, dass es kreative Lösungen gibt, die den Tierschutz berücksichtigen – so dass Tauben nicht verhungern müssen." Sie appelliert, "dass wir in dieser menschlichen Notsituation auch die Tiere nicht vergessen, insbesondere wenn Tierfreunde anbieten, sich tatkräftig und fachkundig mit einzubringen".

OB-Kandidat Marcus König, Geschäftsführer des Tierschutzvereins Nürnberg-Fürth, setzt derweil auf Zeit: "Während der jetzigen Zwei-Wochen-Frist sehe ich keine Notwendigkeit, dass hier Sonderregelungen getroffen werden. Wenn es jedoch länger dauert, müssen wir uns darüber Gedanken machen."

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Er verweist auf das grundlegende Problem: In Nürnberg fehlen betreute Taubenschläge. Wie berichtet, hatten sich in einem parteiübergreifenden Antrag die Stadtratsfraktionen SPD, CSU und Bündnis90/Die Grünen dafür eingesetzt, dass als eine Art Pilotprojekt in einem städtischen Gebäude Nürnbergs erster betreuter Taubenschlag entsteht — und brachten das Ordnungsamt ins Gespräch. Das war im November 2018, "bis heute ist der Antrag nicht behandelt worden", bedauert König.

Zu guter Letzt: Die Tierschützer merken an, dass es keine Hinweise dafür gibt, dass Tiere das Coronavirus übertragen oder selbst erkranken können. Rupp dazu: "Leider hält sich dieses Gerücht hartnäckig und stellt damit auch eine Belastung für die Tierheime und Taubenschutzprojekte dar, wenn besorgte Menschen aus Angst einem verletzten Tier nicht helfen oder gar ihr Haustier im Tierheim abgeben."


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Claudia Bayer

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