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Darum wird im Reichswald derzeit massiv ausgedünnt

Häufig bietet sich ein Bild des Kahlschlags - 08.03.2019 06:00 Uhr

Abgeholzte Baumstämme stapeln sich im Reichswald bei Kraftshof. Ein häufiges Bild in diesen Tagen. © Eduard Weigert


"Wir arbeiten die Trockenschäden auf und laufen da hinterher", erklärt Wurm im NZ-Gespräch. "Das Jahr 2018 hatte 37 Prozent weniger Niederschlag als die durchschnittlichen Jahre und deutlich mehr Sonnenstunden, die Bäume hatten Trockenstress von Anfang April bis Dezember." Es war das wärmste Jahr seit 1881 in Bayern.

Der Forstleiter ist sehr besorgt. Viele Kiefern konnten sich nicht mehr erholen und zeigen jetzt durch rot gefärbte Kronen, dass sie absterben werden und nicht mehr zu retten sind. "Die abgestorbene Kiefer ist komplett rot in der Krone. Es fängt damit an, dass sich Spitzen rot verfärben, und dann stürzt die Krone ab. Immer wieder finden wir neue Bäume verfärbt, wenn wir nach ein paar Wochen an die gleiche Stelle kommen."

"Wenn wir ein paar Zentimeter graben, ist es staubtrocken"

Das Bild des Kahlschlags findet er selbst schrecklich, genau wie auch seine Mitarbeiter, die etliche der Bäume selbst gepflanzt haben, die jetzt sterben und gefällt werden müssen. "Momentan müsste es hier draußen sehr feucht sein, aber wenn wir ein paar Zentimeter in den Boden hineingraben, ist es staubtrocken." Für den Wald wünscht er sich einen über zwei Wochen anhaltenden Landregen.

Außerdem gibt es derzeit vermehrt Schädlinge, die den Bäumen den Garaus machen. "Einmal ist das ein Pilz, der Kiefern befällt, das Kieferntriebsterben. Dazu kommen noch verschiedene Borkenkäfer." Diese treffen auf geschwächte und absterbende Bäume.

Um eine Massenvermehrung der Käfer zu vermeiden, sägen die Waldarbeiter gegen die Zeit an. Noch sitzen die Käfer unter der Rinde und überwintern, doch sobald es wärmer wird, fliegen sie aus und befallen die nächsten geschwächten Bäume. "In dem Ausmaß ist es, was den Staatswald angeht, ein Nürnberger Phänomen, dass wir so starke Kiefernschäden haben, aber Trockenschäden gibt es in ganz Bayern."

Das macht Johannes Wurm auch pessimistisch, was die Laubbäume angeht. "Dort wird man sehen, welche überhaupt noch austreiben im Frühjahr." Der Forstbetriebsleiter schätzt die Menge der befallenen Stämme, die in diesen Tagen gefällt werden müssen, auf rund 40.000 Festmeter. Das entspreche einem Drittel der Holzmenge, die sonst im Reichswald in einem ganzen Jahr geschlagen werde.

Die Vermutung unseres Lesers, dass aus wirtschaftlichen Gründen derzeit so viel Holz geschlagen wird, trifft nach Angaben des Försters nicht zu. Seine Leute seien auch tief getroffen von den Vorwürfen, sie würden Kahlschlag betreiben, um die Staatskasse aufzufüllen. "Die Holzpreise in ganz Europa sind unter Druck wegen der Folgen des Klimawandels. Dieses Jahr hat schon wieder zu trocken angefangen", berichtet Wurm. "Ich bin schwer besorgt, weil viel zu wenig Wasser da ist, die Speicher sind leer, für die Bäume ist nichts mehr da."

Sabine Göb

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