Das Kleinkind trotzt: Das sollten Eltern wissen

Sabine Ebinger
Sabine Ebinger

Lokales Nürnberg

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2.4.2021, 14:30 Uhr
Kleiner Dickschädel gegen den Rest der Welt: Kleinkinder können ihre Emotionen nicht gut kontrollieren - und leben ihre Wutanfälle aus.
 

Kleiner Dickschädel gegen den Rest der Welt: Kleinkinder können ihre Emotionen nicht gut kontrollieren - und leben ihre Wutanfälle aus.   © Frédéric Cirou

Am Spielplatz rutscht das Kind mit Hingabe - und protestiert laut und vehement, weil die Eltern zum Aufbruch drängen. Im Supermarkt ist der Süßkram an der Kasse zu verführerisch, doch die Mama verbietet das: Es folgt ein Urschrei, die Tränen fließen. Die Oma ist zu Besuch und spielt hingebungsvoll mit ihrem Enkel, muss aber bald heim: Das Kleinkind schmeißt sich hin, trommelt mit den Fäusten auf den Boden und lässt sich nicht beruhigen.

Diese und andere Situationen mit dem Kleinkind sind vielen Eltern bestens bekannt. Dass das durchaus schwierig ist für, wissen auch Barbara Schuster und Marlies Engelhardt von der Beratungsstelle Zentrum Kobergerstraße: Die Expertinnen geben beim Nürnberger Familienbildungstag am 17. April in einem Workshop Tipps, wie man Trotzphasen des Kleinkindes gelassen meistern kann.

Grundsätzlich stellt Barbara Schuster fest, dass zwei- oder dreijährige Kinder in diesen Situationen nicht geplant vorgehen: „Das geschieht nicht absichtlich.“ Kleinkinder entdecken vielmehr ihren eigenen Willen und werden selbstständiger. „Das ist eine sehr wichtige Entwicklungsphase“, unterstreicht die Leiterin der Beratungsstelle. Und sie sagt: „Dabei können die Kinder Wutanfälle oder Tränen nicht steuern.“ Dies sei wie ein Gewitter, das aufzieht und wieder vergeht.

Trotzanfälle gibt es oft in „Übergangssituationen“, wie Marlies Engelhardt beschreibt - etwa wenn sich die Oma verabschiedet oder die Zeit am Spielplatz rum ist. Eltern können diesen Übergang vorbereiten und so erleichtern: „Man kann zum Beispiel sagen: Du darfst noch einmal rutschen, dann gehen wir heim.“ Wenn es organisatorisch machbar ist, sollte man bestimmte Situationen lieber vermeiden und etwa den Einkauf im Supermarkt alleine erledigen.

Rotz und Wasser

Doch manchmal lässt es sich nicht vermeiden - und das Kind tickt aus, heult Rotz und Wasser. Was machen? „Da sein und warten, bis der Wutanfall vorbei ist“, sagt Barbara Schuster. So schwer es mitunter fällt: Eltern sollten gerade nach Brüll-Szenen liebevoll sein. Wer genervt reagiert und „Jetzt hör doch auf“ sagt, der hilft seinem Kind wenig. Manchmal ist auch ein Ortswechsel gut: Beim Wutanfall auf dem Spielplatz kann es eine gute Idee sein, das Kind auf dem Arm zu nehmen, zu einer Bank außerhalb der Anlage zu gehen und dann warten, bis es sich beruhigt.

Eltern dürfen mit „Ich-Botschaften“ ruhig auch zeigen, dass sie genervt sind, und sagen: „Ich ärgere mich jetzt!“ Doch manchmal ist man selbst ganz erschrocken, wie unheimlich wütend man werden kann. Marlies Engelhardt rät hier, dass Eltern ihr eigenes Verhalten mal reflektieren sollten: „Eltern sollten sich fragen: Wie gehen wir denn mit unseren Gefühlen um?“ Mutter und Vater dürfen durchaus unterschiedliche Persönlichkeiten haben, doch sagt die Diplom-Sozialpädagogin: „Eltern sollten hier eine gemeinsame Linie fahren.“

Wer merkt, dass die Wutanfälle des Kindes dauerhaft überfordern, der sollte sich Hilfe von Fachleuten holen - etwa beim Zentrum Kobergerstraße, den anderen Beratungsstellen in der Stadt oder beim Familienbildungstag Mitte April.

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