Dienstag, 19.11.2019

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Das Tattoo muss weg

Wie Hautarzt Lothar Walther ungeliebte Bilder entfernt - 02.11.2015 20:51 Uhr

Der Mann mit dem Laser: Lothar Walther rückt Tattoos zu Leibe, die nicht mehr erwünscht sind. © Foto: Edgar Pfrogner


Herr Dr. Walther, gut 20 Prozent der jüngeren Menschen sollen inzwischen tätowiert sein. Mit welchen Gefühlen gehen Sie an den vielen Tattoo-Studios in der Stadt vorbei?

Dr. Lothar Walther(zuckt die Achseln): Da gerate ich überhaupt nicht in Wallung. Die Leute müssen selber wissen, was sie sich dauerhaft auf die Haut malen lassen.

Fast könnte man sagen: Reue ist Ihr täglich Brot. Warum wollen Patienten Tätowierungen loswerden, für die sie einmal viel Geld bezahlt haben?

Dr. Walther: Die Motive sind ganz unterschiedlich. Es gibt den türkischen Geschäftsmann, dessen Kinder langsam größer werden und der ein Vorbild sein will — eines ohne Tattoo. Oder es kommt die Zahnarzthelferin, deren Chef sagt: Das muss weg. Gerade gut sichtbare Tätowierungen an den Unterarmen sollen oft aus beruflichen Gründen weichen, zum Beispiel, wenn jemand Polizist oder Beamter werden will. Aber ich kenne auch tragische Fälle.

Sie denken an den Namen des Geliebten am Bauch, der plötzlich nicht mehr up to date ist?

Dr. Walther: Das kommt auch vor. Nein, ich denke an den Akademiker, der vor 20 Jahren längere Zeit in Polynesien war und sich das Gesicht hat tätowieren lassen. Er hat das später immer überschminkt und eine getönte Brille getragen, um davon abzulenken. Ich konnte zwar einen Teil der Muster entfernen, aber längst nicht alle.

An was scheitern Sie und Ihre beiden Lasergeräte?

Dr. Lothar: Es sind vor allem farbige Zeichnungen, die mit dem Laser nicht zu tilgen sind. Orange, Gelb, Hellblau, alle Pastelltöne, wer den Arm voll bunter Muster hat, der muss sie lebenslang tragen. Ich habe da unbeschreiblich Hässliches gesehen.

(Der Arzt geht ins Nebenzimmer und holt Vorher-Nachher-Fotos eines sogenannten Laien-Tattoos. Es ist ein knallrotes Herz, durchbohrt von einem schwarzen Schwert, das wie eine Kinderzeichnung aussieht. Nach der Behandlung ist die rote Farbe stehengeblieben.)

Können Sie eigentlich nachvollziehen, worin der Reiz des Körperschmucks liegt?

Dr. Walther: Das Tätowieren ist eine jahrhundertealte Kulturtechnik. Die erste Tätowiermaschine ist schon im 19. Jahrhundert erfunden worden. Ötzi war tätowiert, die Römer, Skythen und Griechen ebenso. Heute ist der Bereich stark von Moden bestimmt. Manchen bewegt eine Sinnkrise zu einem klugen Spruch auf der Haut. Das war eine Zeit lang ziemlich in.

Jugendliche marschieren manchmal an ihrem 18. Geburtstag ins Tattoo-Studio, weil Eltern dann kein Veto mehr einlegen können. Haben Sie Kinder?

Dr. Walther: Ja, mit 17 und 21. Ich bin mir sicher, dass sie da nicht gefährdet sind. Ich kann allen nur raten, wenn, dann ein möglichst kleines, nicht sichtbares Tattoo zu wählen. Das könnte man in zwei Sitzungen operativ entfernen. Manche kommen übrigens zu mir, wenn die Tinte ihres Tattoos kaum trocken ist.

Wie funktioniert eigentlich so ein Laser?

Dr. Walther: Der Strahl dringt in die Haut ein und zertrümmert dort die Farbpartikel. Sie werden dann über die Lymphbahn abtransportiert. Profi-Tätowierungen sind schwerer zu entfernen. Je nach Größe kann das bis zu zehn Sitzungen dauern und am Ende 2000 Euro und mehr kosten.

Eine schmerzhafte Prozedur?

Dr. Walther: Das tut weh! Besonders auf der zarten Haut, zum Beispiel in der Leiste. Auch Tattoos auf den Fußsohlen schmerzen beim Entfernen extrem.

Die Kassen zahlen keinen Cent dazu, oder?

Dr. Walther: Keinen Cent. Irgendwann gab es einmal eine Ausnahme, da hatte jemand ein Hakenkreuz auf der Stirn und bekam das Lasern mit einem psychologischen Gutachten bezahlt. Ich würde zum Schluss gerne noch vor einer angeblich harmlosen Art von Tätowierung warnen . . .

Bitte sehr.

Dr. Wahlter: Ich meine die sogenannten Henna-Tattoos, die von alleine wieder verschwinden sollen. Leider sind sie meist aus billiger Chemiefarbe, gegen die der Körper häufig Allergien entwickelt. Die bleiben dann ein Leben lang bestehen.

Interview: CLAUDINE STAUBER

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