Das würde ein Abstieg des FCN für Nürnberg bedeuten

Meike Kreil

Online-Redakteurin

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1.7.2020, 12:31 Uhr

Die Stadt Nürnberg

"Das wird nicht billig", fasst Oberbürgermeister Marcus König die Konsequenzen für Nürnberg zusammen, sollte der FCN absteigen. Er spricht von Einbußen im sechsstelligen Bereich, die unter anderem durch weniger Mieteinnahmen wegfielen. "Das wäre tragisch, das Geld würde woanders fehlen." Das Defizit müsste die Stadt tragen. Sollte der Fall der Fälle eintreten, würde das eine Kettenreaktion auslösen. "Der Kreislauf würde sich nach unten ziehen." Dem Verein etwa fielen Sponsoren weg. Etwa 300 Arbeitsplätze hängen am Club, erklärt König. Deshalb appelliert er an die Mannschaft, sich zu konzentrieren und zu ihrem "Spirit" zurückzufinden. "Wer gewinnen will, muss Tore schießen."

Das Stadion

Ein Abstieg hätte für das Stadion formal keine Konsequenzen. Das erklärt Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel, der das Stadion zu verantworten hat: "Wir haben einen Vertrag mit dem Club für die zweite und die dritte Liga als Stadion-Betriebsgesellschaft." Deshalb wären zunächst keine Arbeitsplätze bedroht, versichert er. Vogel, der sich selbst als "leidgeprüften Fan – und das seit über 40 Jahren –" bezeichnet, glaubt an ein Happy End.


Marek Mintal und der Club: Der ewige Helfer in der FCN-Not


Ansonsten müssten sich die Verantwortlichen des Stadions auch nach alternativen Einnahmequellen umschauen, wie etwa Musik- und andere Großveranstaltungen, erläutert OB Marcus König. Aber wann werden die in Zeiten von Corona wieder erlaubt sein?

In der Cateringfirma Aramark, die für das Essen und Trinken im Stadion zuständig ist, hat man sich noch keine Gedanken über ein Konzept zur dritten Liga gemacht. Auch, weil die Verantwortlichen coronabedingt noch nicht wissen, wann der reguläre Spielbetrieb mit Zuschauern wieder aufgenommen wird.

Die Gastronomie

Ali Akars "Garage" in der Nürnberger Nordstadt ist bei Clubfans ein beliebter Treff. Je besser die Mannschaft spielt, desto mehr Gäste kommen zum Public Viewing. Nachdem der 1. FCN bereits in der vorangegangenen Saison in die zweite Liga abgestiegen war, bedeutete das für Akar weniger Einnahmen. Junges Publikum ließ sich weniger blicken, nur noch die eingefleischten Fans. Sollte die Mannschaft nun weiter abrutschen, müsste der Gastronom noch mehr um seine Existenz fürchten – als er es seit Corona ohnehin schon muss. Dann könnte er sich die Übertragungsrechte vielleicht nicht mehr leisten. Derzeit zahlt er dem Pay-TV-Sender Sky monatlich über 1000 Euro, dass er die Fußballspiele in seiner Gaststätte übertragen darf.

Der Tourismus

In welcher Liga der Fußballverein spielt, ist aus touristischer Sicht irrelevant, wie Yvonne Coulin, Geschäftsführerin der Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg, erläutert. Denn der Club bringt keine Touristen nach Nürnberg – weder in Form von Auswärtsfans oder von gegnerischen Spielern. Die kommen morgens und reisen abends wieder ab. "Übernachtungstechnisch ist da nicht viel Volumen dabei." Es kommt natürlich mal vor, dass ein Fußballfan seinen Partner mitbringt und sie eine Nacht im Hotel dranhängen. Auch der Christkindlesmarkt zieht manchen an. Das aber ist in keiner Statistik festgehalten. Klar konsumieren und shoppen die Auswärtigen auch, doch das spiegelt sich nicht in den Tourismuszahlen wieder. Für das Image der Stadt ist der Erfolg des Clubs durchaus bedeutend. Je erfolgreicher, desto mehr wird über die Spiele berichtet – was wiederum Nürnberg im Allgemeinen mehr Aufmerksamkeit bringt.

Auch den Albrecht-Dürer-Airport Nürnberg verbindet "seit mehreren Jahren eine enge Partnerschaft bei Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen" mit dem FCN. "Wir drücken dem Club daher fest die Daumen", teilt Flughafen-Chef Michael Hupe mit.

Die Polizei

Sollte der Club in der Relegation verlieren, wird das kaum Auswirkungen auf das Polizeipräsidium Mittelfranken haben. Für ihre Arbeit macht die Liga des Fußballvereins keinen Unterschied, sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, Michael Petzold. Denn auch eine niedrigere Liga würde Risikospiele mit sich bringen, bei denen die Beamten erhöhte Präsenz zeigen müssten. Ein möglicher Abstieg bedeutet also nicht unbedingt weniger Fans – und damit weniger Arbeit für die Polizei.

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