Demo gegen Rassismus in Nürnberg: Das sagen die Teilnehmer

6.6.2020, 18:22 Uhr
1 / 10
Paula Haal, 18, Ansbach

"Mein Vater kommt aus Texas und ist Soldat in den USA. Er würde heute hier nicht demonstrieren, aber das heißt ja nicht, dass ich das auch so machen muss. Im Gegenteil, es war mir besonders wichtig, hierher zu kommen, als ich auf TikTok von der Demo erfahren habe. Es heißt immer die "Jugend von heute" sitzt nur vor dem Bildschirm, aber hier sieht man, dass es nicht so ist. Wir treten in einem gemeinsamen Protest der Ungerechtigkeit entgegen. Auf meinem Schild für mehr Gerechtigkeit steht der Anfang der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung." © Andrea Beck

2 / 10
Maurice Thäter, 19, Bad Windsheim

"Wir setzen uns hier öffentlich für die Menschenrechte ein. Das sollte jeder tun und sein Recht auf Versammlungsfreiheit nutzen, für den Einsatz gegen Rassismus und Polizeigewalt. Ich war entsetzt über die Nachricht und das Video von George Floyds Tod, aber dass in den USA Polizeigewalt existiert, war keine Überraschung. Es mussten so viele Menschen sterben, deren Namen schon wieder vergessen sind. Es ist gut, dass der George Floyd so eine Bewegung geschaffen hat, an der sich so viele Menschen weltweit beteiligen. Die Demos werden hoffentlich einen Einfluss auf den Umgang mit Rassismus haben, allerdings fürchte ich, dass die Polizisten, die George Floyd getötet haben, nicht verurteilt werden. Das US-amerikanische Gesetz schützt Polizisten sehr stark." © Andrea Beck

3 / 10
Melanie Ibemba, 23, Nürnberg

"Ich bin überwältigt von der Anzahl der Besucher auf dieser Demo. Das erlebe ich in diesem Umfang zum ersten Mal, obwohl ich schon oft auf Demonstrationen war, zum Beispiel gegen Pegida. Ich bin Musikerin und unterstütze in Nürnberg den Verein "AfroDeutsche". Wir veranstalten zum Beispiel jährlich ein Fest auf dem Nürnberger Jakobsplatz, wo wir afrikanischen Gospel spielen. Ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus der Demokratischen Republik Kongo und aus Angola. Wir haben mehrmals Rassismus selbst erfahren, aber meine Eltern haben mir beigebracht, mich nicht auf das Schlimme, sondern auf die guten Erlebnisse zu fokussieren. Aktuell erleben wir eine Veränderung, weil so viele Menschen aufstehen für Wandel und Kommunikation miteinander. Die Demos sorgen dafür, dass die Menschen zuhören und sie schaffen den nötigen Druck für Veränderungen. Friedliche Demos wie hier sind dabei der richtige Weg." © Andrea Beck

4 / 10
Soraya Iacono, 17, Bayreuth

"Ich bin für diese Demo extra eine Stunde mit dem Zug hergefahren und finde es toll, wie viele sich hier für die Gemeinschaft einsetzen. Wir kämpfen hier für Gerechtigkeit und zeigen, dass wir hinter jeder Hautfarbe stehen. Rassismus gibt es überall auf der Welt und wir sollten nicht damit leben. Das Video vom Tod Floyds hat mich traurig gemacht. Es ist schockierend, dass so etwas in unserer modernen Gesellschaft noch passiert. Meine Großeltern sind aus Sizilien nach Deutschland gekommen und sind, wie meine Eltern, oft als Spaghettos oder Italos beschimpft worden. Mein Vater wurde von Kollegen oder auch einfach auf der Straße beleidigt. Ich selbst war in meiner Schulzeit immer die Böse, wenn Fußballturniere stattfanden, weil die Italiener ja so aggressiv seien und sie haben gesagt, dass es typisch sei, dass ich so temperamentvoll bin. Aber warum ist das ein Grund, mich zu verurteilen? Ich habe eine ganz persönliche Motivation, heute hier mit zu demonstrieren und ich will auch nach dem Abitur Jura studieren." © Andrea Beck

5 / 10
Nahom Girma, 19, Erlangen

"Ich bin mit zehn Jahren mit meiner Familie von Äthiopien nach Deutschland gekommen und habe in meiner Schulzeit am Erlanger Gymnasium und auch auf der Straße Rassismus erlebt, zum Beispiel bin ich mit blöden Sprüchen beleidigt worden. Meine Freunde haben mich in diesen Fällen aber unterstützt. Am Anfang haben mich die Beleidigungen stark belastet, aber mit der Zeit stellt man die Sprüche in Frage und realisiert, dass die Behauptungen einfach nicht stimmen. Es ist schockierend, dass Rassismus in Deutschland weiter existiert und deswegen zeigen wir heute, dass dieses Verhalten nicht normal ist, dass es angesprochen werden muss. Die vielen Leute, die heute hier sind, haben begriffen, wie wichtig das Thema ist. Der Fall George Floyd ist ein Anstoß, damit sich etwas ändert. Die weltweite Aufmerksamkeit für das Problem Rassismus ist gerade sehr groß, aber wir müssen dafür sorgen, dass es so bleibt und weiter aktiv sein." © Andrea Beck

6 / 10
Robert Ackermann, 43, Wilhermsdorf

"Ich bin heute mit meiner 12-jährigen Tochter hier und freue mich, dass sie politisch aktiv ist. Sie sieht, dass wir wegen unserer Hautfarbe Vorteile haben, die wir eigentlich nicht haben dürften. Einmal habe ich erlebt, wie ein Freund von ihr aus der Fußballmannschaft öffentlich rassistisch beleidigt wurde und ich war so schockiert, dass es mir die Sprache verschlagen hat. Unter meinen Kollegen sind auch viele Ausländer, die von schlimmen Geschichten aus ihrer Schulzeit erzählen. Die Nachricht vom Fall George Floyd war keine Überraschung, aber mir ist eine Veränderung aufgefallen. Noch vor zwanzig Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass diese Polizisten angeklagt werden. Die gewalttätigen Demonstrationen in den USA sind allerdings nicht der richtige Weg. Ich habe dafür kein Verständnis, aber ich weiß auch nicht, wie es sich anfühlt, jahrelang diskriminiert zu werden. Da bricht sich gerade einige Frustration der Menschen Bahn." © Andrea Beck

7 / 10
Felix Schneider, 18, Bamberg

"Es war klar, dass heute viele Menschen an der Demo teilnehmen, aber ich bin auch sehr froh darüber. Mein Vater stammt aus Deutschland, meine Mutter aus Kolumbien, aber weil meine Hautfarbe nicht ganz so dunkel ist, bin ich in der Schule nicht diskriminiert worden. Ich hätte auch nicht gedacht, wie schlimm die Situation in den USA ist, das Video von Floyds Tod hat mich wirklich schockiert. Auch durch andere Videos weiß man, wie viel Ungerechtigkeit es auf der Welt gibt. Wir sollten uns dafür einsetzen, dass so etwas nie mehr passiert. Die Demos können etwas bewegen, weil so viele Menschen mitmachen, in allen Ländern und vor allem auch allen Staaten in den USA. Trotzdem bleibt es unsicher, ob die Polizisten im Fall Floyd für ihre Tat bestraft werden." © Andrea Beck

8 / 10
Alexandru Bobu, 16, Bamberg

"Vor fünf Jahren sind meine Eltern aus Moldawien, dem ärmsten Land Europas, nach Deutschland gezogen. Mein Vater war schon als Soldat in der DDR stationiert, jetzt arbeitet er hier bei der Post. Ich bin gegen Rassismus und das sollte man nicht nur sagen, sondern auch wirklich etwas dagegen tun. Rassismus gab es schon immer, aber jetzt werden die Vorfälle gefilmt, das kann helfen. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute teilnehmen und bin positiv überrascht worden. In den Medien habe ich viel gesehen, unter anderem über die Demos in den USA und es war sofort klar, dass ich hier teilnehme, als ich von der Veranstaltung erfahren habe. Erst im Februar war ich auf einer Gegendemo gegen die Partei "Der III. Weg". Die Demos machen auch Menschen aufmerksam, die den Fall George Floyd erst nicht weiterverfolgt haben und das ist gut so. © Andrea Beck

9 / 10
Astrid Falkner, 20, Schnaittach

"Auf unserem Weg nach Nürnberg und zur Wöhrder Wiese war alles voller Menschen in schwarzen Klamotten, es ist überwältigend, wie viele Menschen hier sind. Gerade in den Zeiten von Corona. Und die Stimmung hier ist wirklich positiv. Ich war schon öfter auf Demos gegen Rassismus und Nationalsozialismus. Wir müssen aktiv werden. Der Fall Floyd war keine Überraschung, aber was ich nicht erwartet hatte, war die Welle der öffentlichen und medialen Aufmerksamkeit. So viele Menschen nehmen Anteil und man sieht, dass das Problem von der Gesellschaft ernst genommen wird. Es wird nicht mehr unter den Teppich gekehrt. Trotzdem gibt es bestimmt Leute, denen das Thema egal ist. Dieser internationale Aufruhr kann Veränderung bringen, auch, weil viele prominente Personen sich einsetzen und die Reichweite durch die sozialen Medien ist riesig und so werden auch die jungen Menschen erreicht." © Andrea Beck

10 / 10
Elke Körber, 57, Nürnberg

"Die aktuelle Situation macht es nötig, dass man mal wieder aktiv wird. Ich selbst habe in den letzten Monaten die Beteiligung etwas schleifen müssen, aber das Thema Rassismus ist extrem wichtig. Man muss etwas tun und es ist toll, dass sich offensichtlich mehr Jugendliche politisch engagieren. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass mehr Menschen über 40 hier teilnehmen, wir sind alle in der Verantwortung. Ich bin vor allem hier, weil auch in Nürnberg, wie überall in Deutschland, Rassismus existiert. Mein Sohn hat eine dunkle Hautfarbe, weil sein Vater aus Südamerika stammt, und er ist so oft wegen seiner Hautfarbe von der Nürnberger Polizei kontrolliert worden. Außerdem arbeite ich als Sozialpädagogin und unterstütze Flüchtlinge. Der Umgang mit ihnen ist grenzwertig und ich weiß, dass der Rassismus existiert. Solche diskriminierenden Polizeieinsätze dürften in unserer modernen Gesellschaft aber eigentlich nicht mehr passieren. Die aktuelle Bewegung sensibilisiert jetzt die Gesellschaft. Das gibt Hoffnung für die Zukunft." © Andrea Beck