Dienstag, 12.11.2019

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Demo gegen rechten Terror zog durch Nürnberg

Unter den Teilnehmern waren auch Hunderte Kurden - 12.10.2019 18:16 Uhr

Proteste gegen rechten Terror: Vom Plärrer aus zogen die Demonstrationsteilnehmer durch die Nürnberger Innenstadt. © Johannes Handl


"Wir mobilisieren schon seit Monaten für die Demonstration, weil die Aufdeckung rechter Netzwerke in Sicherheitsbehörden, Terrorpläne von Neonazis und der Mord an Walter Lübcke Anlass genug waren, um auf die Straße zu gehen", sagte AAB-Sprecher Yuri Hofer. Durch das Attentat von Halle mit zwei Toten erfuhr die Demo einmal mehr traurige Aktualität.

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Über 1000 Teilnehmer: Kurden und Antifa demonstrieren in Nürnberg

In Nürnberg versammelten sich am Samstag bei einer Demonstration des Antifaschistischen Aktionsbündnisses (AAB) nicht nur Antifaschisten, sondern auch mehrere Hundert Kurden, die lautstark gegen die militärische Offensive der Türkei in Syrien protestierten.


Ab 14 Uhr versammelten sich nicht nur Antifaschisten, sondern auch mehrere Hundert Kurden, die lautstark gegen die militärische Offensive der Türkei in Syrien protestierten. Vom Plärrer aus zogen nach Veranstalterangaben 2000, laut Polizei 1500 Teilnehmer, darunter 500 kurdische, durch die Innenstadt. Zahlreiche Passanten, die zum Bummeln in der Stadt waren, blieben mit neugierigen und teils irritierten Blicken stehen. Immer wieder hallten "Erdogan Terrorist"-Sprechchöre von kurdischen Demonstrationsteilnehmern durch die Ludwig-, die Karolinen- und weitere Straßen im Zentrum. In der Südstadt kam es dabei zu Ausschreitungen: Demonstranten mit kurdischen Flaggen attackierten einen türkischen Gemüseladen, ein Mann wurde verletzt.

Dem Demonstrationsaufruf folgten zahlreiche Organisationen des linken Spektrums. Darunter befanden sich etwa der Lila Block von Feministinnen, die sich gegen Angriffe von Rechts auf die Rechte von Frauen wehren, sowie der Block des offenen internationalistischen Treffens "Come Fight Stay - Together", in dem Geflüchtete ihre Stimme gegen Lagerzwang und rassistische Sondergesetze erheben.

Die Demonstrationn nahm nicht nur den rechten Terror selbst ins Visier, sondern auch die Bedingungen für rechte Gewalt. Mit Blick auf das rechtsextrem motivierte Attentat von Halle sagte eine Sprecherin: "Wir sind traurig – aber nicht nur traurig, sondern auch wütend." Sie kritisierte die ihrer Meinung nach heuchlerischen Beileidsbekundungen mancher Politiker wie "Brandstifter Horst Seehofer", die gleichzeitig den Ausbau der Befugnisse des Verfassungsschutzes und der Polizei massiv vorantreiben würden, Stichwort Polizeiaufgabengesetz.

Zwischenkundgebung am Willy-Brandt-Platz

AAB-Sprecher Hofer beklagt, dass sämtliche Rechtsterroristen in den vergangenen Jahren mit milden Urteilen davongekommen seien. Mitglieder der militanten Neonazi-Organisation Combat 18 waren bereits 2017 nach einem Schießtraining in Tschechien an der Grenze mit Munition erwischt worden, trotzdem ist die Gruppe bis heute nicht verboten worden. "Wenn Rechtsterroristen so von staatlichen Stellen in Ruhe gelassen werden, ist es nicht verwunderlich, dass Morde wie in Kassel und Halle passieren, denn Rechtstorristen haben vom Staat kaum etwas zu befürchten", prangert Hofer an. "Im Gegenteil: In den Sicherheitsbehörden selbst machen sich zunehmend Rassisten und Faschisten breit."

Nach einer Zwischenkundgebung am Willy-Brandt-Platz – vom dort ansässigen AfD-Büro flogen blaue Luftballons auf die Demonstranten – zog die Menge weiter durch die Südstadt. Die Demo endete mit der Gyulaer Straße an dem Ort, an dem Abdurrahim Özüdogru 2001 vom NSU ermordet worden war.

Der Artikel wurde am Sonntag um 13.24 Uhr aktualisiert.

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