Dienstag, 19.11.2019

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Demo in der Innenstadt: Breite Front gegen Hetze in Nürnberg

Die Pfeifen trillern so laut, dass der Redner kaum zu verstehen ist - 19.10.2019 21:02 Uhr

Viele Polizisten waren am Samstag in der Innenstadt gefragt. © Michael Matejka


Außer in den Momenten, wenn er sich an der Protestbewegung aus Bündnis Nazistopp, Verdi und anderen Verbänden abarbeitet, die gegenüber demonstrieren. Sie warnen vor "dem Fanatiker, der Fakten verdreht, wie er sie braucht", wie Birgit Mair vom Bündnis. Über jemand, der "manchmal einen Koran in der Hand hält und behauptet, der Koran sei schlimmer als das Buch von Adolf Hitler".

Um dem "antimuslimischen rechten Hetzer" keine Plattform zu bieten, treten die Demonstranten ihm und der Handvoll Unterstützer entgegen, mit Trillerpfeifen und "Hau ab"-Rufen. Unterstützt werden sie dabei auch von Thomas Zeitler. Er tritt vor die Lorenzkirche - und pfeift aus Leibeskräften. Michael Stürzenberger reagiert sofort: "Sie sind ein Heuchler, ein Antichrist."

Tatsächlich ist Thomas Zeitler Pfarrer, eigentlich in der Kirche St. Egidien. Am Samstag ist er einer von 14 Geistlichen, die in der Lorenzkirche zum Friedensgebet einladen. Alle halbe Stunde läuten deshalb die Glocken. Laut genug, um die Kundgebungen draußen unverständlich zu machen. Das Motto der Gebete lautet #hallezusammen, angelehnt an das Attentat vor einer Woche. "In einer unruhigen Zeit, in der die böse Saat, wie jetzt in Halle, immer wieder aufgeht, wollen wir vor Gott für Frieden und Versöhnung eintreten", sagt Zeitler vor 20 Zuhörer. "Klar und kompromisslos" müsse man sich gegen Hass wehren.

Direkt vor dem Eingang der Lorenzkirche spricht Michael Stürzenberger von Kopftüchern und Scharia. Das Bündnis Nazistopp dagegen hat ein Quiz vorbereitet, Thema ist auch die Sprache Arabisch. Außerdem führen sie ein Kasperltheater auf, das sich um den "deutschen Michel" dreht, einem Hassprediger, der in Nürnberg einen Auftritt hat, gerne über Kopftücher und Scharia spricht - und Trillerpfeifen scheut. Am Ende wird die Figur von einer Krankenschwester abgeholt.

Das Theaterstück kommt bei den Passanten an, sorgt für Lacher. Nach lachen ist Birgit Mair angesichts der Fußgänger, die auch gegenüber immer wieder stehenbleiben und lauschen, aber nicht zumute. "Das macht mir Angst", sagt sie. Weil dort nicht zwischen IS und Islam unterschieden, sondern gegen alle Muslime gehetzt werde. "Wenn ich dort höre, dass man sich nicht vom Märchen einlullen lassen dürfe, dass die meisten Muslime freundlich seien, entsetzt mich das", sagt sie. Deshalb steht Mair hier für ein Leben ohne Rassismus und Ausgrenzung ein. "Dafür lohnt es sich zu kämpfen."

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