Denkmalprämierung 2020: Das sind die Preisträger aus der Stadt Nürnberg

18.3.2020, 20:57 Uhr
Die sorgsame Sanierung der noch bauzeitlich erhaltenen Ausstattung – wie der Holztüren im Verwaltungstrakt, der gesprossten Spitzbogenfenster zum Innenhof, der marmorierten Säulen und Geländer im Treppenhaus sowie der historischen Steinböden – ist besonders hervorzuheben.
Abgerundet wird diese groß angelegte Sanierungsmaßnahme mit Vorbildcharakter vom Umbau von etwa 100 Räumen zu akustisch perfekt gestalteten Proberäumen: die historische Substanz wurde dabei erhalten und durch ihre neue Nutzung fit für die Zukunft gemacht. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Veilhofstr. 34: Hochschule für Musik

© Julia Krieger

Die Sanierungsmaßnahme der Hochschule für Musik, die seit 2008 im ehemaligen Sebastiansspital untergebracht ist, wurde von der Öffentlichkeit viel beachtet. Die Vierflügelanlage, ein viergeschossiger Bau mit Walmdächern und Zwerchgiebeln aus der Zeit von 1910 bis 1914, wurde von Heinrich Wallraff in historistischen, vorwiegend den Stilformen der Renaissance verpflichteten, Formen errichtet. 
Während der Maßnahmen von 2014 bis 2018 unter der Betreuung des Hochbauamts Nürnberg wurden an der Außenfassade die Fenster durch schalldichte, hölzerne Kreuzstockfenster ersetzt sowie die bauzeitlichen Fenster zum Innenhof hin, wo keine Übungsräume liegen, behutsam restauriert. Unter Erhalt der historischen Schraffurtechnik in den Putzfelderungen wurde die Fassade sorgsam instandgesetzt und die Farbgebung nach Befund erneuert. Dort, wo es nötig war, wurde die Dachkonstruktion ertüchtigt und der Dachboden von Einbauten befreit.
Wichtigster Punkt der Maßnahme war der Einbau eines Konzertsaals, der der Hochschule bis dahin schmerzlich fehlte. Es gelang, diesen Saal denkmalverträglich in das Areal zu integrieren, indem man ihn versenkt in den Innenhof einfügte. Die Höhe der aufragenden Mauern hält sich auf diese Weise in Grenzen, ohne das Gesamtbild der Anlage zu stören. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Veilhofstr. 34: Hochschule für Musik

© Julia Krieger

Leider sind in der Vergangenheit schon viel zu viele jahrhundertealte Bauernhäuser – wie auch die dazugehörigen Nutzgebäude –  verloren gegangen oder durch nichtssagende Neubauten ersetzt worden. Vor einem ähnlichen Schicksal gerettet werden konnte dank seines neuen Eigentümers ein ehemaliges Wohnstallhaus in der Nürnberger Ziegelsteinstraße 185.
Auch wenn eine Bauinschrift auf der Ostgiebelseite auf das Jahr 1845 (mit den Initialen G. St. K. = Georg Stepan Kleinlein) verweist, stammt das eingeschossige Satteldachhaus im Kern bereits von 1584. Es hatte im Laufe der Zeit einige Umbauten erfahren. Die Inschrift bezieht sich auf die Umgestaltung der Giebelseite des vormaligen Fachwerkbaus zu einem Mauerwerk aus Sandsteinquadern. Bevor sich der neue Besitzer mit viel Liebe zum Detail an eine grundlegende Sanierung machte, hatte das Wohnstallhaus annähernd 20 Jahre Leerstand hinter sich und war dementsprechend verwahrlost.
Eine umfassende Befunddokumentation sicherte die erhaltene Substanz. Tatsächlich waren Dachstuhl und Bohlenbalkendecken im Erdgeschoss noch bauzeitlich, auch sind einzelne Innenwände sind überliefert. Neuzeitliche Überformungen hat man bei der Instandsetzung zurückgenommen. Neben einer gründlichen Fundamentierung fand man für die statische Sicherung des Gebäudes eine innovative Lösung: Mit dem Anbau eines Stahlbetonnebengebäudes auf der straßenabgewandten Seite, der auch die Haustechnik aufnimmt, wird das Bauwerk stabilisiert und rückverankert. Das alte Bauernhaus „lehnt“ sich quasi an den Neubau an. Alle Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten insbesondere an der Holzkonstruktion geschahen unter weitgehendem Erhalt der überlieferten Substanz. Das zweigeschossige Dach, das jetzt mit Gauben belichtet wird, wurde neu gedeckt und gedämmt. Auch die versteinerte Fassade hat man gedämmt und mit mineralischem Material verputzt. Deshalb konnte das Fachwerk im Inneren sichtig gehalten werden. Sämtliche Änderungen, wie z. B. der nötige Einbau einer neuen Treppe, Fenstern und Türen, passen bestens zum Bestand. 
Jetzt gibt das Baudenkmal – trotz seiner nahen Nachbarschaftsbebauung – wieder einen anschaulichen Eindruck davon, wie man gewohnt hat, als Ziegelstein noch eine Ansiedlung weit vor der Toren Nürnbergs gewesen war. Text: Anke Schlecht
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Nürnberg-Ziegelstein, Ziegelsteinstraße 185

© Julia Krieger

Der Dreißigjährige Krieg hat in Mittelfranken dramatische Spuren hinterlassen. Dörfer waren verheert, die Menschen geflohen oder verstorben. Nach Kriegsende erholte sich die Region langsam wieder. Vor diesem Hintergrund ist im alten Dorfkern von Eibach, am Zeitenwendeplatz 13, ein Wohnstallhaus von 1684 zu sehen. Knapp ein halbes Jahrhundert zuvor war auch Eibach – heute ein Stadtteil von Nürnberg –  wie viele andere Siedlungen in der Umgebung fast vollständig zerstört worden. Das giebelständige Bauernhaus mit seinem konstruktiven Schmuckfachwerk zeugt von der Restabilisierung der Verhältnisse.
Das Gebäude ist der Rest einer ehemaligen Hofstelle. Der einstöckige Satteldachbau, ursprünglich reines Fachwerk wurde im frühen 19. Jahrhundert teilweise versteinert. Er zeichnet sich vor allem durch seine dreigeschossige Dachkonstruktion aus. Weitere Umbauten sind nachgewiesen, u. a. als 1942 nach einem Bombenschaden der hintere Giebel in Kalksandstein wiedererrichtet wurde. Zuletzt stand das Bauernhaus etwa 15 Jahre leer. Eine Generalsanierung mit größtmöglichen Substanzerhalt war das Ziel der neuen Eigentümer, denen die Bedeutung des Anwesens bewusst war. Nachdem die Schäden an der Dachkonstruktion behoben waren, hat man das Dach neu gedeckt. Es zeichnet sich durch die Besonderheit eines Greddachs aus, einem einseitigen Dachüberstand auf der Eingangsseite des Hauses (die Gred selbst wurde neu gepflastert). Am Giebel hat man lediglich die stark geschädigten Bereiche überarbeitet. Das Holz wurde nur mit Leinöl eingelassen und blieb historisch korrekt ungefasst. 
Unter Erhalt der Grundrissstruktur erfolgte auch die Innenrenovierung in hoher Eigenleistung und mit bauzeittypischen Materialien. Zugunsten der Substanz wurden die niedrigen Raumhöhen im Obergeschoss beibehalten. Einige weitere bemerkenswerte Relikte wie eine Feuerstelle in der Küche, ein sog. Kabinettla in der Stube und die Milchschwemme, wo Grundwasser der Milchkühlung diente, blieben ebenfalls nachvollziehbar. Text: Anke Schlecht
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Nürnberg-Eibach, Zeitenwendeplatz 13

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Auf dem Areal der ehemaligen Nürnberger Gaswerke in Sandreuth versammeln sich zahlreiche denkmalgeschützte Bauten, unter anderem der berühmte Uhrenturm und das Direktoren-Wohn- und Verwaltungsgebäude.
Der zweigeschossige, verputzte Eckbau mit Türmchen und Zwerchgiebeln, erbaut zu Beginn des 20. Jahrhunderts, diente im westlichen Teil als Direktoren-Wohnhaus. Zusammen mit den im Osten untergebrachten Verwaltungsräumen war er in den Nachkriegsjahren zu Werkswohnungen umgebaut worden. Dabei hatte man erheblich in die Grundrissstruktur eingriffen und beispielsweise das einstige Vestibül zu einem Badezimmer mit Toilette umgebaut sowie das Portal verschlossen. 
Da das Gebäude nun wieder für Büroräume genutzt werden sollte, galt es, diese Einbauten zu entfernen und die Innenräume zu renovieren. Hierbei entdeckte man unter vielen Farbschichten in den Fluren und Treppenaufgängen Reste der bauzeitlichen Bemalung, originale Fliesen sowie Parkettböden unter neueren Bodenbelägen. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Sandreuthstraße 17-19

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Diese wurden sorgsam restauriert und wo nötig ergänzt; ebenso wurden die noch vorhandenen dekorierten Gurtbögen und verzierten Kapitelle in den Fluren vorbildlich neu gefasst. Die Restaurierung der bauzeitlichen Türen und ihrer Gewände sowie der Nachbau fehlender Türen nach historischem Vorbild waren ebenso Teil der umfangreichen Sanierungsmaßnahme.
Die gravierendsten Eingriffe waren der Durchbruch zwischen den ursprünglich getrennten Bauten, die Absenkung des Bodens im Bereich des Haupteingangs, der in den Nachkriegsjahren erhöht worden war sowie der Rückbau des Bades im Vestibül. Der ursprünglich hier vorhandene, reich dekorierte Raum wurde nach aufwändiger Planung sorgfältig restauriert und ergänzt.
Die Maßnahme ist geprägt von einem großen Gespür für historische Details. Durch die vorbildliche und denkmalgerechte Sanierung konnte baulich wie historisch wertvolle Bausubstanz erhalten und gleichzeitig moderne Büros in historischer Umgebung geschaffen werden. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Sandreuthstraße 17-19

© Julia Krieger

Das prominent situierte und äußerst repräsentative ADAC-Haus am Nürnberger Prinzregentenufer weist einige Besonderheiten auf, die man zunächst gar nicht vermuten würde: So hat das dreiflügelige, fünfgeschossige Eckhaus mit abgewalmtem Satteldach und Zwerchgauben wegen entscheidender 40 Zentimeter Höhe offiziell den baurechtlichen Status eines Hochhauses. Außerdem verfügt es über einen Dachstuhl in Eisenbeton-Konstruktion – für die Erbauungszeit 1907/08 eine ungemein moderne und selten anzutreffende Ingenieursleistung. 
Dieser Umstand machte die jüngste, umfangreiche Sanierung nicht gerade einfacher. 
Neben umfassenden Maßnahmen an der Fassade und im Dach zur Wiederherstellung des bauzeitlichen Erscheinungsbildes waren insbesondere die teils verheerenden Schäden an der Eisenbetonkonstruktion des Dachstuhls zu beheben. 
Die mit nur acht Zentimetern Dicke auf Dauer zu geringe Betonüberdeckung der Bewehrungseisen hatte hier zu massiven Abplatzungen des Betons geführt. Gleichzeitig sollte der bislang ungenutzte Dachraum im Zuge der Sanierung als Wohnraum neu gestaltet werden. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Prinzregentenufer 7

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Neben der Schaffung einer sich in den Bestand harmonisch einfügenden Belichtung musste dabei besonderer Augenmerk auf die Gewichtsbelastung der beiden neu eingebauten Wohnungen gelegt werden. Dies erforderte genau durchdachte, statische Planungen. Dabei galt es nicht nur, jedes überschüssige Gewicht zu vermeiden, sondern gleichzeitig den Belangen des Denkmalschutzes wie dem Erhalt der Betonsichtigkeit sowie den Ansprüchen an moderne Wohnräume gerecht zu werden. Durch eine Vielzahl von ausgeklügelten Ingenieursleistungen konnten diese Herausforderungen gemeistert werden. 
Mittels hochwertiger Dachflächenfenster auf der Hofseite wurde für ausreichende Belichtung gesorgt. Die nun lasierten Betonoberflächen hat man als wesentliches Gestaltungsmerkmal in ein ungewöhnliches Wohnkonzept integriert. 
Dem Prachtbau Prinzregentenufer 7 lässt sich jetzt eine innen wie außen rundum gelungene, den strengen denkmalschützerischen Anforderungen vorbildlich entsprechende und dabei gestalterisch äußerst geschmackvolle Sanierungsmaßnahme bescheinigen. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Prinzregentenufer 7

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Einen erschreckenden Anblick bot das kleine Handwerkerhäuschen aus dem 16. Jahrhundert in der südlichen Nürnberger Innenstadt, als der heutige Eigentümer es vor einigen Jahren übernommen hatte. 
Der vierachsige, traufständige Bau mit zwei Geschossen liegt hofseitig gegenüber einem Gebäude, das der Eigentümer bereits zuvor vorbildlich saniert hat. Um ein ansprechendes Gesamtbild des Areals zu erhalten, hat er auch dieses Denkmal grundlegend instandgesetzt und dabei – ganz nebenbei – auch eine attraktive Innenhofsituation geschaffen. 
Das ehemalige Handwerkerhäuschen wurde 1516/1517 errichtet. Obgleich Statik und Äußeres extrem marode waren, war der historische Bestand vergleichsweise gut überliefert. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Pfeifergasse 17

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Zunächst wurden neuzeitliche Zufügungen entfernt und umfangreiche Voruntersuchungen durchgeführt, die auch eine dendrochronologische Datierung sowie ein verformungsgerechtes Aufmaß umfassten. Da das Haus einseitig um etwa 50 Zentimeter abgesackt war, musste es aufwendig angehoben und mit Betonfundamenten unterfangen werden. Diese Maßnahme stellte nicht nur eine technische Herausforderung dar. Auch der innerstädtische Platzmangel machte sich hier bemerkbar und erforderte eine ausgeklügelte Logistik.
Die gesamte Holzkonstruktion des Gebäudes wurde statisch instandgesetzt, das Dach gedämmt und neu gedeckt. Der Dachraum wurde zu Wohnzwecken ausgebaut, der historische Gewölbekeller trockengelegt, um hier die neue Haustechnik einbauen zu können. 
Ein moderner Erschließungsturm, durch den der Einbau eines Treppenhauses vermieden werden konnte, steht nun an der Stelle eines früheren, erschließenden Anbaus. Ins Obergeschoss gelangt man über einen Laubengang.
Das Innere konnte in seinen ursprünglichen Formen wiederhergestellt und seine reich erhaltene Ausstattung restauriert werden. Die historischen Fachwerkwände wurden freigelegt. Gedämmt wurde an der Gebäudeaußenseite. Außerdem hat man Bohlenbalkendecken, Lehmschlagdecken, Bohlenwände sowie Fachwerkwände instandgesetzt. Befundfenster hinter Glas gewähren interessante Blicke in die Vergangenheit des Gebäudes. 
Durch den vorbildlichen und schonenden Umgang mit der historischen Substanz sowie durch den engagierten und leidenschaftlichen Einsatz des Eigentümers wurde ein stadtgeschichtlich bedeutendes Zeugnis bewahrt. Eine ganze Häuserzeile der Nürnberger Altstadt wurde entschieden aufgewertet. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Pfeifergasse 17

© Julia Krieger

Mitten im Knoblauchsland liegt der Nürnberger Stadtteil Lohe, dessen ländliche Bebauung durch giebelständige Wohnstallhäuser geprägt ist. Zu diesen zählt auch das Gebäude Loher Hauptstraße 102. Es gehört zu einer Hofanlage, bestehend aus Wohnhaus, giebelständigem eingeschossigen Putzbau aus dem 19. Jahrhundert, sowie einem kleinen Satteldachhäuschen, welches bereits auf das Jahr 1597 datiert wird und wohl als Gesindehaus diente. Ein kleines Nebengebäude im Hof vervollständigt das Ensemble. Eine Scheune ist abgängig. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg-Lohe, Loher Hauptstraße 102

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Das Wohnhaus, in dem bereits die Großmutter der heutigen Besitzerin geboren wurde, stand zuletzt drei Jahre lang leer. Es war statisch sehr angegriffen. Hier musste vor allem der rückwärtige Sanitärtrakt aus den 1930er Jahren komplett neu unterfangen werden. Das Haus wurde außerdem durch den Einbau von Stahlträgern statisch gesichert und Dach neu gedeckt. Um das Dachgeschoss als Wohnbereich nutzen zu können, wurde das Dach ausgebaut und Dachgauben neu eingesetzt. Die gelungene Sanierung im Außenbereich runden die Fassadensanierung sowie die Erneuerung von Fenstern und Türen ab. Text: Philipp Eichenmüller

Im Inneren, das erstaunlich großzügig wirkt, wurden einige Wände herausgenommen, um eine neue Raumaufteilung, so zum Beispiel einen geräumigen Eingangsbereich, zu erhalten. Im Zuge der Innensanierung wurde auch ein Keller verschüttet und anstelle des alten Kellerabgangs ein Durchgang zum historischen Nebengebäude hergestellt. Auch dieses wurde generalsaniert und um eine Außentür erweitert, so dass es jetzt als Wohnzimmer genutzt werden kann. Im vorderen, fensterlosen, zur Straße gewandten Gebäudeteil wurde die Haustechnik untergebracht.
Im Zuge der Sanierungsmaßnahme wurden auch die Außenanlagen instandgesetzt. Jetzt fügt sich das komplette, vielteilige  Anwesen wieder geschmackvoll in das Loher Ortsbild ein. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg-Lohe, Loher Hauptstraße 102

© Julia Krieger

Der Brand der zentral gelegenen Kirche St. Martha im Sommer 2014 erschütterte nicht nur die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde. Ganz Nürnberg nahm Anteil am Schicksal des gotischen Sandsteinquaderbaus aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, der bis auf die Grundmauern niederbrannte. Durch eine glückliche Fügung waren im Rahmen einer anstehenden Sanierung der Hallenkirche bereits alle Kunstgegenstände sowie die rund 600 Jahre alten historisch bedeutenden Buntglasfenster des Chors ausgelagert worden. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Königsstraße 79: St. Martha

© Julia Krieger

Entgegen der ursprünglichen Planungen entschied man sich beim Wiederaufbau – auch auf Anraten der Denkmalpflege – gegen eine Rekonstruktion und für eine moderne Gestaltung des Innenraums unter Einbeziehung der durch die Auslagerung geretteten Kunstgegenstände sowie der bestehenden Bauteile. 
Das Kreuzgratgewölbe im Chor hatte dem Brand standgehalten. Wie die verbliebenen Sandsteinpfeiler und Mauerwerk wurde es denkmalgerecht überarbeitet und in das neue Konzept integriert. Dabei wurde unter anderem das Niveau der Flachdecke im Mittelschiff des Langhauses um 3 Meter angehoben. Zusammen mit modernen, vielfach gebrochenen Holzoberflächen aus Weißtanne sowie dem neuen Stampflehmfußboden sorgen diese Maßnahmen für eine exzellente Akustik des Kirchenraums, der bereits in der Vergangenheit vielfach als Konzertsaal genutzt wurde. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Königsstraße 79: St. Martha

© Julia Krieger

Die äußere Gebäudehülle blieb optisch, trotz der modernen, charakteristischen
Formensprache im Inneren, weitgehend erhalten. Für den neuen Dachaufbau verwendete man die noch tragfähigen Original-Balken des alten Dachstuhls. Die bewusst sichtbar gelassenen Spuren der Brandkatastrophe sowie die Erinnerung an die überwältigende Unterstützung beim Wiederaufbau durch zahlreiche Spenden und Benefizkonzerte führen dazu, das St Martha als leuchtendes Beispiel für eine gelungene gemeinsame Kraftanstrengung zahlreicher Beteiligter gelten kann. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Königsstraße 79: St. Martha

© Julia Krieger

Einen Innenhof mit fast schon feudalem Charakter nebst Pavillon und Brunnen würde man im heute alternativ geprägten Nürnberger Stadtteil Gostenhof wohl eher nicht vermuten. Dennoch existierte ein solcher am Anwesen Glockendonstraße 6. 
Anhand von Resten, wie z. B. dem reich ornamentierten Eisengittertor, lässt sich dieser hohe Anspruch noch erahnen. Denn im ausgehenden 19. Jahrhundert entstanden neben den zahlreichen einfacheren Arbeiterquartieren der rasant wachsenden Vorstadt im Bereich der Fürther Straße wie rund um den Veit-Stoß-Platz auch herrschaftlichere Mietshäuser. 
Zu diesen zählt auch der stattliche viergeschossige Backsteinbau mit Walmdach, Zwerchgiebel und Sandsteinfassade. Das Einzeldenkmal entstand 1895 im Neu-Nürnberger-Stil in neugotischen Formen. Die zugehörigen Rückgebäude hingegen sind schlichter gestaltet. Die schon seit den 1950er Jahren eher unübersichtliche Grundrisstruktur der Gebäude musste vor der nun durchgeführten Sanierung der Wohnräume zunächst bereinigt und optimiert werden. Manche Wohnungszuschnitte waren bereits seit dieser Zeit ungenehmigt verändert worden. Nun konnten sie auch baurechtlich legalisiert werden. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Glockendonstraße 6

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Bereits nach dem Krieg waren die herrschaftlichen Wohnungen im Vorderhaus, die jeweils eine gesamte Etage umfassten, in kleinere Wohneinheiten umgebaut worden, jedoch ohne Rücksicht auf Flucht- und Rettungswege. Hier und auch im Hinterhaus, wo u. a. eine Werkstatt untergebracht war, mussten daher die Grundrisse durch ein Architekturbüro neu geplant werden. Anschließend konnte man damit beginnen, zeitgemäße Wohnungen einzubauen und dabei die in beiden Bauteilen noch vielfach vorhandenen historischen Ausstattungsstücke wie Türen und Bodenbeläge, aber auch bauzeitliche Stuckdecken und Wanddekorationen denkmalgerecht aufzuarbeiten und somit als wesentliche Bestandteile des Baudenkmals zu erhalten. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Glockendonstraße 6

© Julia Krieger

Neben der Freilegung von historischen Wand- und Deckenfassungen kam dabei auch eine moderne Adaption des ursprünglichen Farbkonzepts durch den Restaurator zum Tragen, das als ausgesprochen gelungen bezeichnet werden kann. Es entstanden individuelle und hochwertige Wohnungen, die die Wohnansprüche der Jahrhundertwende in Gostenhof gut nachvollziehbar machen. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Glockendonstraße 6

© Julia Krieger

Der Wöhrder Totengräber und seine Familie waren einst die Bewohner des heute ältesten, außerhalb der Nürnberger Altstadt liegenden Profangebäudes. Der zweigeschossige Halbwalmdachbau mit Dachreiter, Sandsteinmauerwerk im Erdgeschoss und Fachwerk im Südgiebel wurde 1529 gemeinsam mit dem Friedhof und der umgrenzenden Mauer errichtet.
Durch verschiedene Umbauten über die Jahrhunderte sowie der Verwendung falscher Materialien bei vorangegangenen Sanierungen hat das Gebäude stark gelitten. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Bartholomäusstr. 44: Totengräberhaus auf dem Wöhrder Friedhof

© Julia Krieger

Daher hat man die Statik am Dachwerk erneuert sowie das Fachwerk und die teilweise sehr geschädigte Sandsteinfassade instandgesetzt, das Dach neu eingedeckt und neue, geteilte Holzfenster eingesetzt. Der Dachstuhl war stark mit Schadstoffen belastet. Um die historische Dachkonstruktion erhalten zu können, hat man ihn lediglich abgedichtet und auf eine weitere Nutzung verzichtet. 
Ein rückwärtiger Anbau, in dem die Feuchträume und die Haustechnik untergebracht war, wurde erneuert. Vorher wurde im Haus schädliches Material wie zum Beispiel feuchte Erde gelagert. Derlei wird nun in einem neuen Nebengebäude am Rand der Anlage untergebracht, um den historischen Bau zu schonen. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Bartholomäusstr. 44: Totengräberhaus auf dem Wöhrder Friedhof

© Julia Krieger

Im Innenbereich wurden sämtliche Oberflächen sorgfältig und fachgerecht aufgearbeitet. Im Erdgeschoss wurden neue, zum Gebäude passende Bodenfließen sowie eine Fußbodenheizung eingesetzt. Im Obergeschoss konnte der bauzeitliche Grundriss erhalten werden. Alle Räume hier verfügen über repräsentative Bohlenbalkendecken. Sogar eine Bohlenstube ist erhalten. Die historische Farbgebung changiert hier von Oxydrot bis Ocker und wurde nach Befund wieder hergestellt. In der Bohlenstube hat man in einem Befundfenster die Jahreszahl 1529 freigelegt. 
Das Engagement zum Erhalt des Gebäudes war vorbildlich und breitgefächert. Nicht nur Benefizkonzerte oder eine Spendenbroschüre, sondern auch beachtliche Eigenleistungen der Mitglieder des Kirchenbauvereins St. Bartholomäus Wöhrd und die Unterstützung der Gemeindeglieder haben zu dem gelungenen und denkmalschonenden Sanierungserfolg beigetragen. Text: Philipp Eichenmüller
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Nürnberg, Bartholomäusstr. 44: Totengräberhaus auf dem Wöhrder Friedhof

© Julia Krieger

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