Der Clou: Sportplatz auf dem Turnhallen-Dach

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Robert Gerner..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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24.5.2021, 13:15 Uhr

© Foto: Robert Gerner

Wer gedacht hatte, der seit 2020 amtierende Stadtrat hätte mit dem endgültigen Beschluss zum 18 Millionen Euro teuren Neubau des Hallenbades seine größte Investition in dieser Wahlperiode auf den Weg gebracht, der muss sich eines Besseren belehren lassen. In der Sitzung am Freitag vor Pfingsten beschloss das Gremium einen Teil-Ersatzneubau der Johannes-Helm-Grundschule samt Neubau einer Zweifach-Turnhalle. Kosten: 26,25 Millionen Euro.

Grundsätzlich steht das Projekt nicht in Frage, unterschiedliche Ansichten gibt es nur in Details.

Außergewöhnlich bei der Planung: Um besonders sparsam mit dem nicht allzu üppig vorhandenen Platz an der Ecke Penzendorfer Straße/Weißenburger Straße umzugehen und um das Biotop in der östlichen Ecke des Geländes weitgehend zu schonen, wird der für Schulen fast obligatorische Allwetterplatz auf das Dach der teilweise in die Erde eingegrabenen Turnhalle gepflanzt.

Auch für Vereinssport

Diese Turnhalle dient nicht nur dem Schul-, sondern auch dem Vereinssport. Deshalb spendiert die Stadt zusätzlich zu den zunächst geschätzten 25,75 Millionen Euro weitere 500 000 für eine ausklappbare Tribüne und eine bessere Lüftung.

Die Halle könnte zum Beispiel die neue Spielstätte für die Kia Baskets, die Zweitliga-Basketballerinnen des TV 1848 Schwabach, werden. Aber auch fast alle anderen Sportarten können dort aufgrund der Deckenhöhe betrieben werden.

Zur Erinnerung: Vor einigen Wochen, beim Beschluss zum Hallenbad-Neubau, hatte der Stadtrat noch die zusätzlichen 300 000-Euro-Investition für einen Hubboden gescheut. Damit hätte der örtliche Schwimmverein auch überregionale Wettkämpfe ausrichten können.

Für die Ganztages-Angebote

Doch zurück zur Johannes-Helm-Schule. Der langgestreckte Klassentrakt an der Penzendorfer Straße bleibt erhalten, davor entsteht ein rechteckiger und mit dem Altbau verbundener Klotz für die Ganztagsangebote.

© Grafik: Hackl Hofmann Landschaftsarchitekten GmbH

Die gebundenen Ganztageszüge (200 Kinder), der offene Ganztageszug (70 Kinder) und die zwei Deutschklassen (30 Kinder) sollen dort eine Heimat finden, darüber hinaus auch obligatorische Angebote einer Ganztagesschule wie die Mensa.

Pellets-Heizung

Geheizt wird der komplette Komplex mit Holzpellets. Das Dach des Neubaus wird teilweise begrünt. Ein Teil wird für eine PV-Anlage freigehalten, mit dem die Schule ihren eigenen Strom erzeugt.

Abgerissen wird die alte Turnhalle der Schule. Sie wird ersetzt durch eine wesentlich größere Zweifach-Sporthalle, die wohl auch über den Sport hinaus genutzt werden kann.

In der Region einmalig ist die Idee, den Allwetter-Sportplatz auf das Dach dieser Sporthalle zu setzen. Das hat den Vorteil, dass der nicht allzu üppig bemessene Pausenhof für die bald 500 Kinder der Helmschule nicht weiter angeknabbert werden muss.

Eingangsbereich neu gestalten

Der Eingangsbereich an der viel befahrenen Penzendorfer Straße wird völlig neu gestaltet. Auf dem Gelände werden 22 Lehrerparkplätze (für die geplanten 22 Klassen) geschaffen.

Vorerst unangetastet bleibt der alte Bau des früheren Sonderpädagogischen Förderzentrums, den die Helmschule bislang zum Beispiel für die Mittagsbetreuung nutzt. Für eine Nachfolgenutzung gibt es noch kein Konzept.

"Gesamtschau" fehlt

Gerade daran entzündete sich in der Sitzung des Stadtrates dann auch Kritik. Teile von Bündnis 90/Die Grünen und Freie Wähler vermissten eine "Gesamtschau" auf das Gelände. Nach Meinung von Baufachmann Bruno Humpenöder (FW) sei das frühere SFZ-Gebäude in desolatem energetischen Zustand. "Das ist abbruchreif."

Würde man hier den Abrissbagger von der Leine lassen, könnte man sich das zusätzliche Geld für einen Allwetterplatz auf dem Sporthallendach sparen. Auch müsste man dann die Lehrerplarkplätze nicht in einem relativ wertvollen Grünbereich anlegen.

Die Mehrheit des Stadtrates hielt das Konzept jedoch für stimmig. "Es ist unsere größte Investition seit langem und die größte für die nächsten Jahre", sagte Oberbürgermeister Peter Reiß (SPD). Man werde einen modernen Schulstandort entwickeln, in dem es nicht nur Klassenzimmer, sondern "Lernlandschaften" gebe.

Solche Vokabeln hat man zuletzt nur beim Neubau beziehungsweise der Generalsanierung der Landkreis-Gymnasien in Wendelstein, Hilpoltstein und Roth gehört.

5000 Quadratmeter plus Halle

Welche Dimensionen das Projekt hat, verdeutlichte Stadtkämmerer Sascha Spahic. Die Bestandsschule, die stehen bleibe, habe eine Nutzfläche von 1400 Quadratmeter. Der Neubau dagegen komme auf 5000 Quadratmeter. "Plus die Zweifach-Halle."

In der Diskussion gab es viel Lob für die Planung. "Gelungen, innovativ", fasste Oliver Memmler die Meinung in der CSU-Fraktion zusammen. Der Allwetterplatz auf dem Turnhallendach sei "ein Knüller", weil man so wirklich mit dem Flächensparen vorankomme. Für Schwabachs Schullandschaft sei das "ein großer Schritt".

Günstige Finanzierungsbedingungen

Ein großer Schritt, der trotz der hohen Kosten die nächsten Generationen nicht zu stark belaste, wie Werner Sittauer (SPD) ergänzte. Grund: die derzeit extrem niedrigen Zinsen für Kredite. "Gut organisierte Bildung ist teuer", so Sittauer. "Schlecht organisierte Bildung ist aber noch viel teurer."

Auch Eckhardt Göll (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einem "tollen, modernen Schulbau", auch wenn er selbst den Allwetterplatz auf der Turnhalle ablehnte. "Der kann in den normalen Schul- und Pausenbetrieb nicht richtig integriert werden", sagte der "Schulpfleger" unter den Stadträten.

Ein Teil der Grünen lehnte auch die Lehrerparkplätze auf dem Schulgelände ab. "Die ausgerechnet in einem geschützten Bereich anzulegen, ist ein no-go", so Dr. Roland Oeser. Er hätte lieber - unabhängig von den Vorgaben der Regierung - nach Flächen außerhalb des Schulgeländes Ausschau gehalten.

Hier bitte nicht knausern

Insgesamt war die Stimmung aber deutlich pro Planung. Der linke Einzelkmäpfer Jonas Wagner fasste es so zusammen: "Bei der Jugend sollte man nicht mit dem Knausern anfangen." Und die 500 000 Euro Mehrkosten für die Aufrüstung der Turnhalle zu einer wettkampftauglichen Sportstätte seien ebenfalls tragbar: "Da bekommen wir für vergleichsweise wenig Mehrkosten sehr viel Mehrwert."

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