Der erste Tag als Christkind: Als Benigna fast die Tränen kamen

Tobi Lang
Tobi Lang

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29.11.2019, 19:45 Uhr
Christkind

© Michael Matejka Christkind

Kurz nach dem Prolog bricht Hektik aus. Das Christkind braucht ein Taschentuch. Die Familie, Journalisten, die Organisatoren, sie alle kramen in ihren Taschen, Rascheln liegt in der Luft. Es ist eines der wenigen Male an diesem Freitag, an denen so etwas wie Nervosität aufkommt, auch wenn das fast schon übertrieben klingt. Benigna Munsi selbst ist tiefenentspannt. Fast den ganzen Tag über - oder eine gute Schauspielerin. "Ich war gar nicht aufgeregt", sagt sie nur Minuten nach dem Prolog in die Mikrofone der Medienvertreter. "Der Moment ging viel zu schnell vorbei, ich will noch einmal raus!"

Den nächsten Prolog vor Tausenden Menschen wird Benigna erst in gut einem Jahr sprechen, bei der Eröffnung des Christkindlesmarktes 2020. Jetzt warten auf die 17-Jährige rund 170 Termine, die sie in der Vorweihnachtszeit absolvieren muss. Etwa am kommenden Samstag, wenn sie gemeinsam mit Florian Silbereisen im Ersten beim "Adventsfest der 100 Lichter" vor ein Millionen-Publikum tritt. Heute sagt sie, ganz bodenständig, aber nur: "Am meisten freue ich mich in den nächsten Wochen nun auf die Kinder und auch Altenheime."

"Ich kann das"

Der Prolog markiert das vorläufige Ende eines turbulenten Tages für das neue Nürnberger Christkind, der ganz entspannt begann - mit einem Frühstück in der "Bar Celona". Bratwürste gab es, ganz dem Lokalkolorit entsprechend. "Wir waren über den Medienrummel überrascht", sagt Benignas Mutter Teresia-Benedicta. "Darauf waren wir nicht gefasst, die ganze Maschinerie dahinter." Stolz posiert die Tochter mit ihren Eltern, die unter den Journalisten beinahe so begehrt sind wie das Christkind selbst. "Heute bin ich den Prologtext nicht mehr durchgegangen, weil ich mir dachte, wenn ich den noch öfter mache, dann werde ich verrückt", sagt die 17-Jährige. "Ich kann das."


Zum Nachlesen: So eröffnete Benigna den Christkindlesmarkt


Sie kann es, sagt auch Sprechtrainer Thomas Dietz. Er hat Benigna seit ihrer Wahl begleitet, ihr bei mehreren Terminen Tipps und Tricks mit auf den Weg gegeben. "Wir haben zum Beispiel die Schweinwerfer-Situation simuliert", sagt der Experte, "oder sie an das Headset gewöhnt". Sein letzter Job an diesem Tag ist die Tonprobe auf dem Hauptmarkt. "Sie war etwas irritiert von dem Hall", sagt Dietz - das sei aber ganz normal. "Sie bringt eine solch schöne Energie mit." Wie so viele Nürnberger schwärmt auch der Sprechtrainer vom Lachen des neuen Nürnberger Christkindes.

"Hatte kurz Freudentränen in den Augen"

Auch in den Minuten vor dem Prolog kommt bei Benigna keine Nervosität auf. Mittlerweile trägt sie ihr Gewand, das blonde Haar, die Krone. Nur vor einem Hustenanfall hat sie etwas Angst, oder vor Schluckauf. "Wenn man sich verspricht, kann man ja einfach weiterreden." Nichts davon passiert auf der Empore, Benigna meistert den Prolog souverän. Als sie von dem kleinen Balkon der Frauenkirche zurück ins Innere huscht, sagt sie: "Als das Licht angegangen ist, naja, ich hab's mir greller vorgestellt". Schon jetzt also ganz der Profi? Nicht wirklich, denn die 17-Jährige schiebt nach: "Das war alles so schön. Ich hatte kurz Freudentränen in meinen Augen."

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