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Der Hauptmarkt kommt in Bewegung

Mehrere Häuser wurden verkauft, Modernisierungen laufen oder sind in Planung - 14.08.2013 07:00 Uhr

Das Gebäude der Commerzbank am Obstmarkt wurde vor kurzem an eine Nürnberger Gesellschaft verkauft und wird von der Alpha-Gruppe verwaltet. Das markante Anwesen stammt aus den 60er Jahren und gehörte ursprünglich der Dresdner Bank. © Christina Merkel


Der Hauptmarkt ist eine der begehrtesten guten Lagen in Nürnberg. Häuser mit solchen Adressen werden eher selten verkauft. Wegen der schlechten Ertragslage von Versicherungen und Fonds im klassischen Anlagebereich, werden verstärkt ältere und schon abgeschriebene Gebäude verkauft, um Bilanzen zu verbessern. Mittelständler, die Geld in Immobilien anlegen wollten, können einzelne Objekte kaufen und müssen nicht gleich ein ganzes Immobilienpaket übernehmen.

Ein neues Beispiel für diese Entwicklung ist das Gebäude der früheren Dresdner Bank, jetzt Commerzbank. Das Haus mit einer Nutzfläche von 8000 Quadratmetern wurde vor zehn Jahren von der amerikanischen Fortress Investment Gesellschaft gekauft. Alle Commerzbank-Objekte in Deutschland kamen in diesen Fonds. Derzeit werden die Bankgebäude einzeln weiterverkauft. Eine Nürnberger Gesellschaft hat es nun gekauft; verwaltet wird der Bau von der Alpha Gruppe, die Immobilienentwickler Gerd Schmelzer gehört. Schmelzer hält die Lage des Gebäudes für „überragend“, weil sie enorme Potenziale hat. Die Bank besitzt einen Mietvertrag bis 2022.

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Der Nürnberger Hauptmarkt im Wandel der Zeit

Im 11. Jahrhundert war der Hauptmarkt nicht mehr als ein Sumpfloch. Heute ist er der Mittelpunkt der Stadt, bietet Platz für Märkte, Feste und viele Großveranstaltungen. Oberbürgermeister Ulrich Maly nennt ihn das "Wohnzimmer der Stadt". Wir zeigen die bewegte Geschichte des Hauptmarkts.


Wenn etwas im Umfeld des Hauptmarkts in Bewegung kommt, dann ist Schmelzers Alpha-Gruppe oft dabei: Das Anwesen Hauptmarkt Nr. 12 wurde von der Alpha-Gruppe gekauft und der Edeka-Laden durch die Steak-Kette Block House ersetzt. Hauptmarkt Nr. 17, das frühere Herrn-Bräu am Schönen Brunnen, gehört ebenfalls zu Schmelzers Imperium. Derzeit wird es zu einem Hotel umgebaut, das im nächsten Jahr seinen Betrieb aufnehmen soll. Geführt wird es von der Nürnberger Familie Rübsamen. Hauptmarkt Nr. 16 wurde nach einem Bieterverfahren von dem Fürther Unternehmen P&P für 7,2 Millionen Euro gekauft. Es werden aber nicht nur Gebäude verkauft und gekauft.

In den nächsten Jahren soll vor allem der Obstmarkt verschönert werden. Zwar wurde 2012 das für die Umgestaltung des Hauptmarkts zur Verfügung stehende Geld für den Bau der Stadtbibliothek ausgegeben, doch Schmelzer ist optimistisch, dass zumindest die Sanierung des Obstmarkts vorankommt. Im Mittelfristigen Investitionsplan der Stadt Nürnberg sind insgesamt sechs Millionen Euro für die Aufwertung von Hauptmarkt und Obstmarkt vorgesehen. Das Geld wird aber frühestens ab 2017 fließen.

Ursprünglich sollte das neue Hotel gegenüber dem schönen Brunnen zum Christ­kindlesmarkt öffnen. Wahrscheinlich wird es aber 2014. © Christina Merkel


Schon zu Beginn dieses Jahres verkaufte eine österreichische Immobilienfirma große Teile des Anwesens an der Südseite des Hauptmarkts. Die Tucherstiftung soll dafür einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag gezahlt haben. Die Gebäude werden derzeit aufgewertet und sollen langfristig im Eigentum der Tucherstiftung bleiben. Zuletzt hat das Fachmagazin „Immobilienmanager“ in seiner neuesten Ausgabe Nürnberg und Dresden sehr gute Perspektiven attestiert: Weil beide Städte in den nächsten Jahren bei der Bevölkerung zulegen werden, gelten Immobilienanlagen in diesen Städten als langfristig lukrative Geldanlage. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) will ihren Standort beim Hauptmarkt, zwischen Rathausplatz und Winklerstraße, modernisieren. Dazu gab es einen Architektenwettbewerb im Herbst 2012. Derzeit werden die Kosten des Um- und Neubaus kalkuliert. Im Oktober soll dann die endgültige Entscheidung getroffen werden. Die IHK und ihre Vorläufer residierten schon seit dem 16. Jahrhundert an dieser Stelle. Die Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und wieder aufgebaut, doch die IHK benötigt jetzt mehr Platz und moderne Büros. Auch sind Teile der Gebäude nicht behindertengerecht. Im Zuge des Umbaus soll ein völlig neues Atrium für Veranstaltungen entstehen. Baubeginn ist nach den derzeitigen Planungen 2014. Während der Bauphase wird die IHK in die Ulmenstraße ausgelagert.

Die Hängepartie Augustinerhof könnte dagegen in den nächsten Monaten einen Schritt weiterkommen. Schmelzer geht davon aus, dass er gegen Ende des Jahres eine Baugenehmigung für das 5500 Quadratmeter große Grundstück bekommen wird. Wann Baubeginn ist, lässt er derzeit offen. Die 60 Millionen Euro schwere Investition will Schmelzer jedenfalls nur mit einem Partner angehen.
  

André Fischer

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