„Die Freien Wähler könnten Söder besser machen“

26.9.2018, 13:47 Uhr
Jürgen Horst Dörfler hat sich für den Fototermin den Flughafen ausgesucht, der in seinem Stimmkreis liegt.

Jürgen Horst Dörfler hat sich für den Fototermin den Flughafen ausgesucht, der in seinem Stimmkreis liegt. © Eduard Weigert

„Wir sind die bürgerliche Alternative zur CSU – und das wird von den Bürgern auch erkannt“, sagt Jürgen Horst Dörfler über die Freien Wähler (FW). Der Rückenwind, den die parteiunabhängige Wählervereinigung derzeit verspürt, erinnert ihn an den Landtagswahlkampf 2008, als die Gruppierung erstmals in den Landtag einzog und in Nürnberg die CSU-Rebellin Gabriele Pauli nominierte.

„2013 ging es eher darum, sicher wieder reinzukommen.“ Damals habe man auch keine echte Machtoption gehabt, weil sich doch abzeichnete, dass das seinerzeit anvisierte Dreierbündnis mit SPD und Grünen keine Mehrheit bekommen würde. Diesmal aber, findet Dörfler, sollten die FW mit der kriselnden CSU eine Regierung bilden: „Wir könnten Söder besser machen.“ Dörfler kennt den Ministerpräsidenten ziemlich gut: „Ich war vier Jahre sein Stellvertreter. Er war Bezirksverbandsvorsitzender der Jungen Union, ich der Vize.“ Er schätzt Markus Söder aus jener Zeit. „Wir haben gut zusammengearbeitet.“ Das war zwischen 1992 und 1996.

Wechsel von der CSU zu den Freien Wählern

Im Jahr 2007 verließ Dörfler die Konservativen nach 27 Jahren und wechselte zu den Freien Wählern, wo er auch gleich den Vorsitz des Nürnberger Stadtverbandes übernahm, den er seither innehat. Seit 2014 vertritt er die Gruppierung im Stadtrat.

Käme er in den Landtag, würde er seine kommunalpolitische Erfahrung dort einspeisen. Insbesondere der Umgang mit den städtischen Finanzen ist dem selbstständigen Kaufmann und Diplom-Betriebswirt, der einen Großhandel und eine Hausverwaltung betreut, suspekt. Bund und Land müssten den Städten und Gemeinden bei der Verwendung von Fördergeldern stärker auf die Finger schauen. „Die Kommunen müssen erst mal ihre Hausaufgaben machen, bevor sie Forderungen stellen.“ Die Städte müssten dafür sorgen, dass der Ausbau der Kindertagesstätten vorangeht und sich die Schulen in einem guten Zustand befinden, meint Dörfler.

Was Nürnberg angeht, so kann der 1961 geborene Stadtrat nicht nachvollziehen, dass die Stadt das Quelle-Areal für 16,8 Millionen Euro nicht kaufen konnte, aber glaubt, sich den Luxus einer Kulturhauptstadtbewerbung leisten zu können. „Das kostet 30 bis 50 Millionen Euro.“ Seiner Ansicht nach wird die städtische Haushaltslage schöngerechnet, weil die Schulden bei den Tochterunternehmen versteckt würden.

Dritter Anlauf Richtung Maximilianeum

Dörfler treibt auch das Thema Wohnen um. Er denkt, dass der Verkauf der GBW-Wohnungen ein großer Fehler der CSU war, der nun den Schwarzen womöglich entscheidende Prozentpunkte kostet. Neben den hohen Mieten sieht er auch in den Immobilienpreisen ein Problem. Reihenhäuser seien heute in der Stadt unerschwinglich, weshalb Nürnberg jährlich 2000 bis 2800 junge Familien ans Umland verliere. Hier müsse die Politik gegensteuern.

Dörfler findet es positiv, dass die Freien Wähler Volksentscheide auf allen politischen Ebenen etablieren wollen. Bei Themen wie zum Beispiel der Abschaffung der Studiengebühren oder der Straßenausbaubeiträge habe sich dieses Instrument bewährt.

Der Stadtverbandschef ist ein erfahrener Wahlkämpfer. Vergangenes Jahr trat er im Wahlkreis Nord für den Bundestag an, bereits 2013 vertrat er die FW bei der Landtagswahl im Stimmkreis Nord, 2008 kandidierte er im Stimmkreis West. Beim dritten Anlauf Richtung Maximilianeum hat Dörfler mit Rang acht keinen besonders aussichtsreichen Listenplatz erhalten; als Zählkandidat sieht er sich gleichwohl nicht: „Ich würde mich schon freuen, wenn ich ein Mandat bekäme.“ Dafür müssten die Bürger ihn freilich um etliche Plätze nach oben wählen. Im aktuellen Landtag sind die mittelfränkischen FW mit zwei Abgeordneten vertreten.

Der Vater eines 15-jährigen Sohnes, der sich schon von Kindesbeinen an sehr für historische Themen interessiert, drückt dem Club die Daumen – und am 14. Oktober seinen Freien Wählern.

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