Die Legende vom Rauschgoldengel

28.11.2009, 00:00 Uhr

© Helldörfer

Beide Sagen, deren schönste Versionen in dem Buch «Alt Nürnberg» von Franz Bauer zu finden sind, drehen sich interessanterweise um traditionelle Nürnberger Handwerkskünste. So ist die Legende vom Rauschgoldengel bei einem Ratsherrn und Messingschmied names Erasmus Ebner angesiedelt. Diese habe vielleicht auch das als «Teutschgold» bekannte Rauschgold angefertigt, das in erster Linie aus Augsburg und Nürnberg stammte.

Im besonders harten Winter des Jahres 1570 soll Ebner der Sage nach einen aus Frankreich vertriebenen Hugenotten mit seiner Tochter aufgenommen haben. Er stammte aus der Gegend um Lyon und beherrschte das Holzschnitzer-Handwerk so vortrefflich, dass er von allen als «Meister» angeredet wurde und sein Name nicht überliefert ist.

Um seiner Tochter eine Freude zu machen, stattete sie die Ehefrau Ebners zum Kirchgang mit einem schön bestickten und mit bunten Bändern verzierten Kleid aus, das auch reich gefältelt war und zu dem eine Nürnberger «Gockelhaube» gehörte.

Leider erkrankte die Tochter des Holzschnitzers eines Tages schwer und starb kurz darauf. Sie wurde in ihrem schönen Sonntagskleid in der Familiengruft der Ebners beigesetzt.

Ihr Vater aber versank in tiefe Trauer und schloss sich in seine Kammer ein. Um ihn ein wenig abzulenken, legte man ihm ein Schnitzmesser ins Zimmer. Zu dieser Zeit soll es dem Messingschmied gelungen sein, besonders schönes Rauschgold herzustellen oder einzukaufen. Den «Meister» soll dieses Material tief beeindruckt haben.

Kurz darauf war er urplötzlich verschwunden, er hatte aber als Abschiedsgeschenk eine wunderbare Figur mit einem Kleid aus Rauschgold und einem geschnitzten Kopf aus Lindenholz geschaffen, deren Gesichtszüge an die verstorbene Tochter erinnerten. Statt Arme hatte die Figur zwei große Flügel, und aus der Gockelhaube war eine prächtige Krone geworden.

In einer anderen Version ist der Schöpfer des Engels ein Handwerksmeister namens Hauser, der nach dem Tod seiner geliebten Tochter in Schwermut verfällt, bis ihm die Verstorbene im Traum und in der Gewandung eines Rauschgoldengels erscheint. Daraufhin fasst er den Entschluss, nach dieser Vision eine prächtige Puppe anzufertigen, um eine Erinnerung an die Verstorbene zu haben.

Das Zwetschgenmännle soll ein Drahtzieher «erfunden» haben, der plötzlich schwer erkrankte und ohne jeglichen Lebensmut nur noch auf den Tod wartete. Erst der Gesang von Kindern riss ihn aus diesem Dämmerzustand und verhalf ihm zurück ins Leben. Aus Dankbarkeit fertigte er für die kleinen Sänger Draht-Männlein an, die er mit getrockneten Zwetschgen, sogenannten «Hutzeln», und buntem Papier verzierte.

Um die Nüsse, die bei den Zwetschgenmännla zur Darstellung des Kopfes verwendet werden, geht es in einer weiteren Weihnachtslegende, die in Emmi Böcks Buch «Nürnberger Stadtsagen» (Hofmann Verlag) zu finden ist. Sie heißt «Das Weiblein mit den goldenen Nüssen» und beschreibt das Los einer armen Kriegerwitwe, die sich und ihre Kindern mit Taglöhnerarbeiten durchbringen musste. Am Weihnachtsabend traf sie auf dem Nachhauseweg eine alte Frau, die unter einer Laterne saß und einen Nusskorb vor sich liegen hatte.

Sie forderte die arme Witwe auf, sich einige davon zu kaufen und schenkte sie ihr schließlich «für ihre Kinder», nachdem die Frau bekannt hatte, kaum noch Geld für Brot zu haben.

Die arme Frau legte die Nüsse daheim auf den Tisch, um sie am nächsten Morgen zu vergolden, als sie aber aufwachte, hatte sich das Geschenk der Krämersfrau in echtes Gold verwandelt, so dass die Witwe ihrer Sorgen ledig war. Von der Nussverkäuferin aber fehlte jede Spur.

Mehr Infos unter www.franken-wiki.de

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