Die Zukunft macht schon jetzt neugierig

28.11.2019, 19:01 Uhr
Ab Montag können die Ausstellungsmacher des Deutschen Museums ihre Räume übernehmen. Die Außenhaut des Gebäudes besteht aus gegossenen Kunststeinen.

Ab Montag können die Ausstellungsmacher des Deutschen Museums ihre Räume übernehmen. Die Außenhaut des Gebäudes besteht aus gegossenen Kunststeinen. © Foto: Michael Matejka

In dieser Woche wurde der Museumsbau abgenommen und damit geprüft, ob es noch bauliche Mängel gibt, so dass der Freistaat die noch leeren Räume zum 1. Dezember übernehmen kann. Am kommenden Montag soll die Leiterin des Zukunftsmuseums der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Maike Schlegel, die im Zukunftsmuseum für die Abteilung "System Erde" zuständig ist, geht davon aus, dass der Innenausbau bis Ende 2020 abgeschlossen ist, so dass die Eröffnung tatsächlich im Dezember in einem Jahr stattfinden kann.

Von den 14 400 Quadratmetern an Geschossfläche, die nach den Plänen des Architekten Volker Staab entstanden, sind 5800 Quadratmeter der Außenstelle des Deutschen Museums vorbehalten. Das 120-ZimmerHotel Karl-August, das Omar Schmelzer betreiben wird, belegt weitere 7400 Quadratmeter. 1000 Quadratmeter, so Gerd Schmelzer, dem die Immobilie gehört, sind Einzelhandel und Gastronomie vorbehalten. Wohnungen wird es nicht geben. Nach eigenen Angaben hat Schmelzer 100 Millionen Euro investiert.

In mehreren Vorträgen haben Mitarbeiter des Deutschen Museums schon einmal einen Vorgeschmack geboten, was das Zukunftsmuseum thematisch machen kann. Es soll die wissenschaftliche und technische Zukunft, die unser Leben prägen wird, mit Mitteln von Science und Fiction darstellen.

Bei dem Vortrag über die Pläne von Herman Sörgel im Nicolaus-Copernicus-Planetarium ging es um eine frühe Form des "Geoengineering", also um den großflächigen technischen Eingriff in das System Erde, wie Schlegel ausführt: "Es stellt sich die Frage, wie weit dürfen wir die Erde zu unseren Gunsten verändern." Sörgel, der von 1885 bis 1952 lebte und Stadtbaumeister war, präsentierte 1928 Pläne für ein gigantisches Projekt. Unter dem Titel "Atlantropa" sollte durch einen riesigen Staudamm bei Gibraltar der Wasserzulauf gebremst und der Wasserspiegel des Mittelmeers um 100 Meter abgesenkt werden.

Was auf den ersten Blick ein verwegener Einfall war, wurde als Idee bis 1958 weiterverfolgt und fand auch weltweit Unterstützer. Ziele des Vorhabens waren, riesige Mengen an Strom zu erzeugen und entlang der Küsten im Mittelmeer erhebliche Flächen an Neuland zu gewinnen, so Matthias Röschner, Archivar des Deutschen Museums. Die Absenkung des Meeresspiegels hätte auch Brücken zwischen Afrika und Europa ermöglicht. Sörgels Pläne und Artikel werden im Archiv des Deutschen Museums aufbewahrt. Erst die Debatte über die elektrische Nutzung des Atomstroms und die Unmöglichkeit, Sörgels Pläne umzusetzen, beendeten endgültig die Initiative. Der menschliche Hunger nach Energie ist aber ungebrochen.

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