Direkt über dem Fluss hauste der Henker

25.9.2008, 00:00 Uhr
Die Schau im Henkerhaus zeigt Auszüge aus dem Diensttagebuch des berühmtesten Nürnberger

Die Schau im Henkerhaus zeigt Auszüge aus dem Diensttagebuch des berühmtesten Nürnberger "Nachrichters" Franz Schmidt und gewährt so Einblicke in die Welt der Verbrechen um 1600. © dpa

Am vergangenen Wochenende sorgten spezielle Führungen für besonderen Andrang am Eingang zur ehemaligen Dienstwohnung am Henkersteg. Von 1378 bis 1806 gab es einen Henker in Nürnberg - mit dem Einverleiben in das Königreich Bayern wurde die Folter abgeschafft und damit auch das Amt des Henkers.

Gute Besucherresonanz

Über solche Details zur Nürnberger Rechts- und Kriminalgeschichte plaudert Hartmut Heisig gerne. Er ist eines von rund zehn Mitgliedern des Vereins «Geschichte Für Alle«, die sich um die Ausstellung kümmern, die Kassendienst schieben und Themen-führungen anbieten. Von April bis Dezember kann das Henkerhaus Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr besucht werden. Der Eintritt kostet zwei Euro; bei Gruppen ab zehn Personen reduziert sich der Ticketpreis auf einen Euro pro Kopf.

Die Besucherresonanz war laut Heisig bisher erfreulich: Die für einen wirtschaftlichen Betrieb errechneten 70 Gäste pro Wochenende seien stets mit mindestens 100 erreicht worden - jüngst waren es über 200. Warum der Verein aufs Geld achten muss, hat damit zu tun, dass er an die Stadt die übliche «Miete« von 50 Cent pro Quadratmeter im Monat für das historische Gebäude bezahlen muss.

«Das weiß der Henker«

Wegen der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist allerdings kein Originalteil mehr vom Henkersdomizil erhalten, betont Heisig. Doch das ist kein Manko bei der Ausstellung, die auf engem Raum in drei Zimmern viele spannende Fakten und verblüffende Hintergründe darbietet. Auf den Leuchtinfokästen erfährt man zum Beispiel, dass der Henker «Nachrichter« hieß, weil er bei den Untersuchungen der Rechtsfälle stets dabei und dadurch immer gut informiert war (daher kommt auch die Redensart «Das weiß der Henker«), und dass sein Helfer «Löwe« genannt wurde, weil er die Bevölkerung mit brüllender Stimme darauf hinwies, wann ein Mensch hingerichtet oder an den Pranger gestellt wurde.

Im Mittelpunkt steht aber besonders Nürnbergs bekanntester Henker namens Franz Schmidt, der von 1578 bis 1617 fungierte. Durch sein Tagebuch, das man auszugsweise auch anhören kann, erfährt man viel über seine Arbeit und die Rechtsgeschichte in Nürnberg. Dazu gehört - ein Standard bei jeder Führung - die Abschaffung des Ertränkens für Frauen am Exekutionsplatz an der Hallerwiese als Todesstrafe anno 1580, was auf Initiative von Schmidt und dem damaligen Pfarrer von St. Sebald geschah.

Toilette mit Wasserspülung

Eine Schmonzette, die man beim Besuch des Henkerhauses erfährt, ist baulicher Natur: Der seitliche Anbau (mit Öffnung zur Pegnitz) zeugt noch heute davon, dass der Henker sozusagen der erste Nürnberger war, der eine Toilette mit Wasserspülung besaß. Auch wenn diese nach heutigen Richtlinien nicht mehr erlaubt wäre.

Im Übrigen steht fest, dass der ehemalige Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer, einer der Gründerväter dieses Mini-Museums, bald ein Arbeitszimmer im Gebäude am Henkersteg bekommt. Urteile über aktuelle Rechtsfälle wird er dort natürlich nicht fällen. Doch mit Rechtsgeschichte wird er sich bestimmt befassen.

Weitere Informationen zum Henkerhaus unter henkerhaus-nürnberg.de - Eine besondere Altstadt-Führung mit Besuch der Ausstellung findet am Freitag, 26.September, 19 Uhr, statt.