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Dornröschenschlaf: Nürnberger ärgern sich über leere Gebäude

Die Gespräche der Stadt mit der Deutschen Bahn laufen seit Jahren zäh - 06.02.2020 09:02 Uhr

Der alte Bahnhof in Fischbach steht leer. Bürger würden die Räume gerne nutzen, doch die Bahn spielt nicht mit. © Foto: Sabine Stoll


Früher war das Gebäude ein Schmuckstück, heute verfällt es von Tag zu Tag mehr. Der Sandstein bröselt, die Fenster sind zugemauert. Eine Zeit lang haben hier Obdachlose Zuflucht gefunden, jetzt haben die Tauben das Haus fest im Griff. Das Grundstück an der Schloßäckerstraße in der Nürnberger Südstadt wird von Bauzäunen begrenzt, die von Hecken überwuchert werden. Darin hat sich Müll verfangen.

Das Gelände gehört der Deutschen Bahn und liegt seit langem im Dornröschenschlaf. Das nervt Nachbarn, die täglich an dem tristen Bau vorbeigehen. Aber auch die Stadt stört sich daran, weil sie händeringend auf der Suche nach Flächen ist. Wenn es nach der Stadtverwaltung und privaten Initiativen ginge, würden leerstehende Bahnbauten und Brachen der DB in der Stadt mit neuem Leben gefüllt. "Denn neue Flächen zu versiegeln und Treffpunkte hochzuziehen, macht keinen Sinn, wenn in der Nachbarschaft Leerstände sind", findet SPD-Stadtrat Thorsten Brehm.

Er wünscht sich ein Gesamtkonzept für brachliegende oder weitgehend ungenutzte Bahnflächen, um dort Kulturschaffenden neue Räume zu eröffnen. Die Bahn habe auch "eine stadtentwicklerische Verantwortung, gerade weil ihre Flächen mitten im Stadtgebiet liegen".

Zähe Gespräche

Das Areal an der Schloßäckerstraße könnte man hochwertiger nutzen, fährt der OB-Kandidat der Sozialdemokraten fort. Bürgermeister Christian Vogel (SPD) sieht das genauso. "Wir hätten durchaus Interesse an der Schloßäckerstraße", sagt er auf Anfrage. Die beiden SPD-Männer könnten sich dort Räume für Künstler vorstellen.

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Es werden seit vielen Jahren begehrliche Blicke auf dieses unter Denkmalschutz stehende Sandsteingebäude gleich südlich der Bahngleise geworfen. Doch die Gespräche mit der Bahn laufen offensichtlich zäh. Der Konzern gilt bei der Stadt nicht gerade als leichter Gesprächspartner. Zunächst habe die Bahn kategorisch Nein gesagt zum Thema Verkauf. Dann seien doch wieder Signale gekommen, dass man darüber reden müsse, heißt es vonseiten der Stadt.

"Wir haben laufend Kontakt zur Bahn" – wegen mehrerer Immobilien, sagt Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) auf Anfrage. Er teile den Ärger der Bürgerinnen und Bürger, die sich manchenorts eine Entwicklung wünschten.

Ein Paradebeispiel für Stillstand ist der Fischbacher Bahnhof. Dort gibt es seit langem eine Initiative, die die Immobilie gern kulturell und gastronomisch beleben würde. Die kleine Brauerei Streu-Bräu hat sich mit Bürgern zusammengeschlossen. Sie würden den leerstehenden Bahnhof gern nutzen, wenn die Bahn denn mitziehen würde. Als es dann Interessenten gab, gestaltete sich schon ein Besichtigungstermin für die Bahn als schwierig, so die Stadt. Dann hieß es seitens der DB, man wolle das Bahnhofsgebäude doch nicht veräußern. Auch für eine etwaige Anmietung seien plötzlich Hürden aufgebaut worden, sagt Wirtschaftsreferent Fraas.

Fraas wählte auf einer Bürgerversammlung vor geraumer Zeit deutliche Worte in Sachen Bahn: "Was die anstellen, ist schon grotesk." Schließlich wurde der Bahnhof in Fischbach zwischendrin schon einmal zum Verkauf angeboten. Jetzt stuft ihn die Bahn wieder als unverzichtbar ein. "Dass wir dort nicht weitergekommen sind, ist ärgerlich", meint auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Martin Burkert (SPD), der sich, wie die CSU, für das Projekt starkmacht.

Mittlerweile hat sich auch eine Initiative gegründet, die ein als Kiosk geplantes, aber nie als Kiosk betriebenes Gebäude am Steinbühler Tunnel, wiederum in der Nürnberger Südstadt, bespielen möchte. Den Initiatoren – Philipp Eyrich, Antares Igel, Jasna Kajevic und Nina Schreyer, die alle mit der hiesigen Kunstszene verknüpft sind – schwebt an der S-Bahn- und Straßenbahn-Haltestelle ein kultureller Knotenpunkt vor. "Das Projekt würde nicht nur der Kreativszene helfen, sondern dieses dunkle und triste Eck aufwerten, für etwas ,soziale Kontrolle‘ sorgen und es sicherer machen", sagt Thorsten Brehm. Hier zeige sich die Bahn immerhin gesprächsbereit, weiß er.

Ist der Preis zu hoch?

Gespräche finden auch über ein Grundstück statt, das in Sichtweite der Jansenbrücke im Stadtwesten liegt. Zwischen Adam-Klein-Straße und Frankenschnellweg besitzt die Bahn ebenfalls ein großes Areal. Die Gebäude darauf wirkten von außen weitgehend ungenutzt, fährt Brehm fort. Auf der Nordseite könnte ein neuer Stadtteilpark für Gostenhof entstehen, wenn die Bahn die Flächen abgeben würde.

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Solche Pläne gebe es, bestätigt Bürgermeister Vogel. "Wir würden es für sinnvoll halten, dort eine Grünfläche für den Stadtteil zu etablieren", weil die Stadt mit Grünflächen nicht gerade gesegnet ist. Vogel äußert sich vorsichtig optimistisch, dass sich die Gespräche mit der Bahn positiv entwickeln könnten.

Dem Vernehmen nach ist die Bahn durchaus bereit, einen Teil der Fläche zu verkaufen. Offenbar gehen aber die Preisvorstellungen weit auseinander. Es heißt, die Bahn rufe Quadratmeter-Preise für Wohnbauland auf. Einen Preis in dieser Höhe will die Stadt aber nicht zahlen.

Laut Martin Burkert prüft die Deutsche Bahn derzeit bundesweit, welche Flächen sich für Wohnbebauung eignen würden. Und die Bahn selbst? Die will nichts zu den genannten Gebäuden oder Grundstücken sagen. "Wir äußern uns grundsätzlich nicht öffentlich zu Immobilienangelegenheiten", teilt ein Pressesprecher der Bahn lapidar auf Anfrage mit.

Auch um das rot eingekreiste Areal auf der Nordseite des Bahnbetriebswerks Gostenhof – zwischen den alten Werkshallen (links) und der Adam-Klein-Straße – ringt die Stadt mit der Deutschen Bahn. © Foto: GooogleMaps


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