Drogen-Konsumräume: Kehrtwende bei der CSU

12.11.2019, 16:43 Uhr
Zumindest ist es sauber und sicher: Drogenkonsumraum der Kontakt- und Beratungsstelle Drob Inn in Hamburg.

Zumindest ist es sauber und sicher: Drogenkonsumraum der Kontakt- und Beratungsstelle Drob Inn in Hamburg. © Christophe Gateau (dpa)

Hintergrund des Vorstoßes ist die Berichterstattung der Nürnberger Nachrichten über die hohe Zahl von bereits 23 Drogentoten in diesem Jahr.

Während unter anderem SPD und Grüne immer wieder die Einrichtung von Drogenkonsumräumen fordern, wie sie in anderen Bundesländern üblich sind, hat die CSU dies stets vehement abgelehnt. Nun lassen die Christsozialen einen Testballon steigen. Die Partei schickt ihre junge Stadtratskandidatin Daniela Eichelsdörfer (29) vor und lässt die Junge Union (JU) den Vorschlag von "Drogen-Kompetenzräumen" einbringen. Das klingt zwar etwas anders als Drogenkonsumraum, ist im Endeffekt aber identisch. So sollen in den Räumen des Pilotprojekts Drogenabhängige, Mediziner, Suchtberater, Therapieangebote sowie Behörden und Polizei zusammengebracht werden. "Ziel ist der Ausstieg aus dem Drogenkonsum", so Eichelsdörfer.


Drogenkonsumräume können die Zahl der Suchttoten verringern


Man kann getrost davon ausgehen, dass dieser Kurs mit der Parteiführung und dem OB-Kandidaten Marcus König abgesprochen ist. In den Räumen, so Eichelsdörfer, könnten Suchtkranke in steriler Umgebung Drogen konsumieren, erhalten sauberes Besteck, medizinische Hilfe und können die für den Eigenkonsum mitgebrachten Substanzen vorab von Fachleuten auf gefährliche Streckmittel und Verunreinigungen testen lassen. Parallel sollten Behörden und die Zivilgesellschaft dort niederschwellig mit Therapie-, Gesprächs- und Aufklärungsangeboten ansetzen.

"Wir sehen im Moment das Problem, dass in unseren Parks, im öffentlichen Raum und in Privatwohnungen Menschen durch illegale Drogen zu Tode kommen", erklärt die Kandidatin. Das wollen die jungen Stadtratskandidaten ändern und sichere Anlaufstellen für den Weg aus Sucht und Beschaffungskriminalität aufbauen. Sie wollen einen starken Rechtsstaat, illegale Drogen bekämpfen und Menschenleben retten. "Natürlich findet in den Drogen-Kompetenzräumen selbst keine Strafverfolgung statt."

Man wolle keine Legalisierung von Drogen und keine weitere Aufweichung des Betäubungsmittelgesetzes, betont die Kandidatin (Listenplatz 6). "Mit den Drogen-Kompetenzräumen holen wir Abhängige und Suchtkranke aus den toten Winkeln unserer Gesellschaft und zeigen Auswege auf."

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