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Ein harmonisches Miteinander ist ihr Ziel

Streitschlichter entschärfen Konflikte an Nürnbergs Schulen — Ehrung für 350 Mädchen und Jungen - 07.03.2016 20:03 Uhr

Mächtig stolz: Die Streitschlichter der Maiacher Schule freuen sich über ihre Ehrung. © Foto: Thomas Correll


Der Saal des Gesellschaftshauses Gartenstadt ist angefüllt von Stimmengewirr. Mehr als 350 Schüler, von Grund- über Mittel- und Realschulen bis hin zu Gymnasien, haben sich hier zusammen mit 50 Lehrkräften versammelt, um die Zertifikate für ihre Tätigkeit als Streitschlichter in Empfang zu nehmen.

Erst als drei Schülerinnen der Mittelschule Hummelsteiner Weg, die ACSSingers, die Bühne betreten, kehrt Ruhe ein. Sie geben den Chart-Hit „Blank Space“ von Taylor Swift zum Besten. „In diesem Song geht es darum, Konflikte zu lösen — genau wie bei unserer Arbeit“, begründen sie ihre Wahl.

Die Veranstaltung organisierte das Netzwerk der Nürnberger Streitschlichter. Die Stadträte Monika Krannich-Pöhler, Otto Heimbucher und Fabian Meissner übergeben die Zertifikate. Sie betonen bereits bei der Begrüßung, wie dankbar sie für den Einsatz der Schüler sind. Aber Streitschlichter sorgen nicht nur für ein harmonisches Miteinander: „Sie nehmen auch für ihr späteres Leben viel mit“, sagt Krannich-Pöhler. Das bestätigen Luka Linz und Franka Hörrmann von der Friedrich-Wanderer-Grundschule auf die Frage hin, was sie denn durch ihre Tätigkeit gelernt hätten: „Es gibt für alles eine Lösung, solange man auf andere eingeht.“ Für sie ist es eine Ehre, Streitschlichter zu sein, denn an ihrer Schule gibt es so viele Bewerber, dass gar nicht alle ausgebildet werden können. „Aber es ist nicht leicht, immer ruhig zu bleiben, besonders wenn manche nur so tun, als würden sie streiten“, sagen sie. Alexander Bischoff von der Peter-Henlein-Realschule erklärt, wie eine Streitschlichtung abläuft: „Man setzt sich mit den Parteien an einen Tisch und redet über das Problem. Dabei ist es wichtig, dass die Streitschlichter unparteiisch sind, nichts weitererzählen und dass keine Ausdrücke fallen.“ Doch es ist nicht ihre Aufgabe, den Streitenden eine Lösung vorzugeben, betont er, sondern ihnen zu helfen, selbst eine Lösung zu finden. In einer Nachbesprechung wird überprüft, ob die Schlichtung erfolgreich war.

Jede der 25 Schulen wird mit ihren durchschnittlich zehn bis 20 Streitschlichtern und den ausbildenden Lehrkräften einzeln auf die Bühne gebeten. Das Melanchthon-Gymnasium sticht mit seinen 100 Streitschlichtern besonders hervor. Zwischendurch lockern musikalische Darbietungen der Sperber-Mittelschule und der Chorklassen des vierten Jahrgangs der Friedrich-Wanderer-Grundschule das Programm auf. Titel wie „Ich bin anders“, „Frieden wünsche ich dir“ oder „Respekt-Rap“ passen optimal zum Thema. Auch der Cup-Song, bei dem die Kinder synchron mit Plastikbechern einen Rhythmus auf Tische klopfen und die Darbietung eines Schülers auf einem sogenannten Launchpad sorgen für Begeisterung.

Während der Ehrung wird deutlich: Viele Streitschlichter haben nicht nur mit den Problemen ihrer Mitschüler zu kämpfen. Sie wünschen sich einen eigenen Raum, mehr zuständige Lehrkräfte oder eine gemeinsame Fortbildung, wozu allerdings das Geld fehlt. CSU-Stadtrat Heimbucher verspricht bei der Verabschiedung: „Wir werden die Anregungen aufgreifen und für Verbesserungen sorgen.“

Das Ende der Veranstaltung bilden die ACS-Singers, diesmal mit dem Hit „Diamonds“ von Rihanna. Denn: Alle neuen Streitschlichter, die bereit sind, ehrenamtlich ihren Mitschülern zu helfen, sind Diamanten. 

VON LAURA WEBER

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