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Eine Nacht in der Tierklinik: Von Gift bis zu gefressener Unterwäsche

Fehlt es Tieren auch nachts an etwas, sind sie hier gut aufgehoben - 13.01.2020 06:00 Uhr

Die tiermedizinische Fachangestellte Sarah Kraus (l.) und die Tierärztin Christine Prechtl sehen bei Hündchen Pauli nach dem Rechten. Er muss für eine Nacht in der Klinik bleiben, während er sich von einer Operation erholt.

© Foto: Stefan Hippel


Es ist 22 Uhr an einem Freitagabend und der lange Flur liegt wie ausgestorben da. Im zweiten Obergeschoss der Tierklinik am Nordring in der Obermaierstraße 10 sitzen die Tierärztin Christine Prechtl und die Tiermedizinische Fachangestellte Sarah Kraus hinter dem Tresen der Anmeldung – und warten.

Vergiftungen und Kaiserschnitte

Prechtl trägt neben der türkisfarbenen Arztbekleidung ein Halstuch mit Pfotenmuster drauf. Die Tierliebe gehört hier zum Beruf. Seit viereinhalb Jahren macht sie Nachtschichten in der Tierklinik am Nordring. Und weiß: In jeder Nacht kann alles passieren.

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Von Vergiftungen über Kaiserschnitte bis zu Verletzungen durch Autounfälle, im Haushalt oder durch andere Tiere – wer am späten Abend ein Problem bei seinem Haustier feststellt und sich Sorgen macht, der landet meist in der Tierklinik. Oder zunächst einmal in der Telefonleitung. Da könne man vieles schon einschätzen und relativieren, erklärt Prechtl.

Manche Halter machten sich schlimmste Sorgen, wenn der Hund ein einzelnes Stückchen Schokolade vom Tisch gefischt hat. "Die kann ich dann beruhigen", sagt die Tierärztin. Dass Schokolade für Hunde giftig ist, haben wohl die meisten schon einmal gehört, ob Hundebesitzer oder nicht. Aber worauf es ankommt, sei der Kakaogehalt, erklärt Prechtl: Je höher, desto gefährlicher für das Tier.

Verhängnisvolle Zwiebeln

Auch Zwiebeln können Hunden zum Verhängnis werden, wie die Ärztin weiß. Erst vor kurzem hätten sie einem Hund nachts den Magen auspumpen müssen, erinnern sich Prechtl und Kraus, die auch in jener Nacht zusammen im Dienst waren. "Ich sag nur: Matjesfilet", meint Prechtl vielsagend. "Da waren wir erst einmal eine gute Stunde beschäftigt."

Ein Raum in der Tierklinik, in den keine Hunde dürfen? Mag auf den ersten Blick kurios aussehen, aber: Es ist das Katzenwartezimmer.

© Foto: Stefan Hippel


Ganz so lange hält der heutige Patient die beiden nicht auf: Pauli, ein kleiner schwarzer Mischlingshund, ist tatsächlich der einzige, um den die beiden Frauen sich heute Nacht kümmern müssen. Er ist am Nachmittag operiert worden und bleibt zur Beobachtung in der Klinik. Zwischendurch schauen Ärztin und Helferin bei ihm nach dem Rechten. Pauli wurde an der Blase operiert und hat deshalb noch einen Katheter, außerdem trägt er eine Halskrause, damit er nicht an der frischen Naht leckt.

Mit Leckerli ablenken

Das gefällt ihm zwar offensichtlich nicht so gut, doch als Prechtl und Kraus reinkommen, wedelt er trotzdem freudig mit dem Schwanz. Sie holen ihn aus der Box, in der er heute übernachtet, und während eine die Infusion kontrolliert, bekommt Pauli von der anderen ein Leckerli zur Ablenkung. Tierärztin Prechtl ist zufrieden mit ihrem Patienten. "Der geht ganz sicher morgen nach Hause", sagt sie. Aber nicht nur die medizinische Kontrolle muss sein. Es gibt immer auch ein paar Streicheleinheiten dazu. "Die Zeit dafür muss sein, das ist genauso wichtig", sind sich die beiden Frauen einig.

Neben der medizinischen Versorgung gibt es für die tierischen Patienten auch immer ein paar Streicheleinheiten – so viel Zeit muss sein.

© Foto: Stefan Hippel


Neben Hunden, Katzen, Vögeln und Kleintieren kommen auch immer mal wieder ausgefallenere Tiere in die Klinik. Kein Exot, aber doch ein kurioser Fall war die Schlange, die einmal aus der Oberpfalz zu Prechtl in den Nachtdienst gebracht wurde. Die Natter hatte sich im Panzertape, einem stark haftenden Klebeband, verfangen und die Besitzer trauten sich nicht, die Schlange zu befreien, aus Angst, sie zu verletzen. Da habe sie dann auch erst einmal überlegen müssen, sagt Christine Prechtl – und dann ein Schälchen mit warmen Olivenöl zu Hilfe genommen. Im Nu war das Reptil wieder befreit. Aber es geht noch kurioser: Assistentin Kraus erinnert sich an einen Hund, dessen Not-OP eine Ehekrise ausgelöst hat. Denn die Damenunterhose, die das Tier des Paares gefressen hatte, stellte sich als nicht zugehörig zur Hundebesitzerin heraus.

Wer mit Haustieren arbeitet, ist eben auch sehr nah dran an deren Besitzer. Das bringt emotionale Momente mit sich, aber eben auch einfach skurrile. Und manchmal vielleicht sogar ganz wenige, weil alle Tiere außer Hündchen Pauli eine Nacht lang gesund bleiben und schlafen. Letzteres können dann sogar die Tierärztin und ihre Assistentin für ein paar Stündchen tun.

Ganz ruhig bleibt es in dieser Nacht im Operationssaal: Es kommen keine Notfälle zur Behandlung in die Tierklinik – zum Glück.

© Foto: Stefan Hippel


Die Tierklinik am Nordring musste ihren Nachtdienst aus personellen Gründen vorerst einstellen. Aktuell findet der tierärztliche Notdienst in dieser Klinik nur bis 22 Uhr statt. Einen 24-Stunden-Notdienst gibt es weiterhin in der Tierklinik am Hafen, Wertachstraße 1, 90451 Nürnberg. Dort werden auch in der Nacht lebensbedrohliche Notfälle behandelt. In dieser Klinik werden außerhalb der regulären Sprechzeiten keine telefonischen Informationen erteilt. Für Behandlungen außerhalb der Sprechzeiten wird ein erhöhter Gebührensatz berechnet.

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