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Dienstag, 17.09.2019

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Einzigartig: Blick ins Zwei-Städte-Sudhaus von Tucher

Tucher braut Bier zwischen Nürnberg und Fürth - 22.08.2019 05:37 Uhr

Im weltweit wohl einzigen Zwei-Städte-Sudhaus braut die Brauerei Tucher ihr Bier - je nach Produktionsschritt mal auf der einen und mal auf der anderen Seite der Stadtgrenze. © Michael Matejka


Es ist aber auch wirklich verzwickt, mit diesen Stadtrivalitäten. Nürnberg gegen Fürth, Club gegen Kleeblatt und... Brau AG gegen Patrizierbräu AG? Die Zeiten sind lange vorbei. 

Denn wo man sich in Sachen Lokalpatriotismus und Fußball weiter in die Haare kriegt, gibt es beim Thema Bier eine Einigung, mit der am Ende alle gleich gut (oder zumindest gleich schlecht) leben können: Diese Lösung stammt von Tucher und steht an der einzigen Stelle, an der sie Nürnbergern und Fürthern gleichermaßen gerecht wird - auf der Stadtgrenze. 

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Bier überschreitet Grenzen: Tucher braut zwischen Nürnberg und Fürth

Wie schafft man es, dass Nürnberger und Fürther das gleiche Bier trinken? Ganz einfach: Indem man die Brauerei genau auf die Stadtgrenze stellt - und dafür sorgt, dass das Bier während der Produktion auch ja gleich oft in beiden Städten bearbeitet wird. Genauso läuft es im wohl einzigen Zwei-Städte-Sudhaus der Welt, das die Tucher-Brauerei in Nürnberg und Fürth betreibt. Ein Besuch zwischen Städten, Sudkesseln und Bierfässern.


In diesem „wohl einzigen Zwei-Städte-Sudhaus der Welt“ begrüßt Tucher-Mitarbeiter Helmut Ell am Mittwoch die Leserinnen und Leser zur Führung im Rahmen der Sommerferien-Aktion „Wir öffnen Türen“. Gleich zu Beginn der Führung sorgt der Fürther erst einmal für klare Verhältnisse und fragt ab, woher seine heutigen Gäste stammen.

Ungefähr gleich viele gehobene Händen melden sich für die eine und die andere Seite der Stadtgrenze, nochmal so viele Besucher kommen aus dem Umlauf: genau die richtige Mischung für Ells Führung durch die Tucher-Traditionsbrauerei, die gespickt ist von scherzhaften Seitenhieben in Richtung Nachbarstadt.

Braukunst und technische Feinheiten

Vor allem aber weiß Ell besonders spannend aus der Geschichte des Nürnberger und Fürther Brauwesens zu erzählen. „Allein darüber könnt ich euch jetzt einen vierstündigen Vortrag halten“, sagt der Brauereiführer zu Anfang und man glaubt es ihm sofort. 

Von den Anfängen der fränkischen Braukunst über technische Fortschritte mit den ersten Dampfmaschinen bis zum Export in die Welt, Fusionen, Verkäufen, prägenden Persönlichkeiten und natürlich auch den vielen technischen Feinheiten des Bierbrauens erzählt Ell mehr als lebhaft und mit vielen Anekdoten, von denen er allerdings einige lieber nirgendwo aufgeschrieben sehen möchte.

Und natürlich steht auch die Besonderheit des Zwei-Städte-Sudhauses im Fokus der Führung. Denn der Anspruch, sowohl Nürnberg als auch Fürth gerecht zu werden, ist bis ins Details durchdacht: vier Mal passiert das Bier auf seinem Produktionsweg die Stadtgrenze. Die aufeinander folgenden Arbeitsschritte passieren jeweils in der einen und dann in der anderen Stadt: Weil das Wasser aus Fürth kommt, wird in Nürnberg eingemaischt, das Läutern wiederum folgt dann in Fürth und immer so weiter.

Zwei Kessel hier, zwei Kessel dort

Da versteht es sich fast von selbst, dass von den vier Sudkesseln jeweils zwei auf der einen und der anderen Seite der Grenze stehen. Als goldene Linie zieht sich die Markierung durch das Brauerei-Gebäude, an dessen Stelle auf dem Grundstück früher eine Kaserne der US-Armee stand. 

So viel Spannendes erzählt Brauereiführer Helmut Ell seiner Besuchergruppe, dass man froh sein muss, sich auch nur die Hälfte davon zu merken. Der zu Beginn angedrohte Abschlusstest blieb dann zum Glück aus – und das angekündigte Bier als Belohnung für möglichst viele richtige Antworten schmeckte den Besuchern auch so.  

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