Volksfeste wieder erlaubt

Erleichterung bei den Schaustellern - aber Frust bleibt übrig

Isabel Lauer
Isabel Lauer

Lokalredaktion Nürnberg

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30.9.2021, 16:43 Uhr
Der temporäre Freizeitpark 

Der temporäre Freizeitpark "Nürnbärland" ersetzte im Sommer 2021 mit einem coronagerechten Konzept das Nürnberger Volksfest. © Roland Fengler

Keine Sektkorken, kein befreites Lachen: Für ehrliche Freude kommen die neuesten Kabinettsbeschlüsse aus München zu spät. Das Verbot von Volksfesten in Bayern ist nach eineinhalb Jahren aufgehoben – aber Lorenz Kalb, Vorsitzender des Süddeutschen Schaustellerverbands, nimmt die Nachricht mit ungläubigem Zögern auf. "Das ist ja fast makaber", so seine erste Reaktion. "In zwei Tagen hätte die Fürther Kirchweih begonnen."

Trauer um die Fürther Kirchweih

"Das ist schon eine sehr, sehr gute Nachricht", korrigiert er sich, trotz der Enttäuschung darüber, dass die Lockerung in Bayern erst jetzt zum Oktober eintritt, wenn der Festkalender fast gelaufen ist. Ob die Stadt Fürth jetzt noch spontan ihre bereits abgesagte Kirchweih nachholen kann, wagt er zu bezweifeln. "Ich kann nur sagen: Schausteller sind sehr flexibel und in der Lage, innerhalb einer Woche ein Fest auf die Beine zu stellen." Die Planungen für das Nürnberger Frühlingsfest 2022 seien sowieso längst angelaufen; gerade war Bewerbungsschluss. "Das macht uns vor dem neuen Hintergrund jetzt natürlich mehr Mut."

Kalb richtet seine Hoffnungen aber vor allem auf die bevorstehenden Weihnachtsmärkte im Freistaat. "Für uns Schausteller sind die Christkindlesmärkte eine der wichtigsten Säulen." Für die Nürnberger Kinderweihnacht, deren Gründer und Geschäftsführer Kalb ist, bestünden bereits Hygienekonzepte und Pläne für eine Erweiterung auf die Straßenfläche beim Heilig-Geist-Spital. Aber: "Ich möchte keine Kinderweihnacht haben, die eingezäunt werden muss", sagt er.

Teures Sicherheitskonzept

Inwiefern es Zugangsbeschränkungen oder Vorab-Registrierungen zur Kontrolle von Corona-Impfungen und Tests geben muss, ist also noch nicht ausverhandelt. Die Regelung auf dem "Nürnbärland" während der Sommerferien auf dem Nürnberger Volksfestplatz habe sich jedenfalls als unrentabel erwiesen, resümiert Kalb. Die Ausgaben für die Rundum-Abdeckung durch einen Sicherheitsdienst hätten tiefe Löcher in die Kassen gerissen. Einstweilen gilt für den Schausteller-Chef das Prinzip Hoffnung: "Ich denke, wir haben alle verdient, dass wir uns auf eine Tasse Glühwein treffen und nicht auf eine warme Fanta."

Gebeutelt von deprimierenden Corona-Monaten: der Nürnberger Lorenz Kalb, der Vorsitzende des Süddeutschen Schaustellerverbands.

Gebeutelt von deprimierenden Corona-Monaten: der Nürnberger Lorenz Kalb, der Vorsitzende des Süddeutschen Schaustellerverbands. © Bernd Meyer, Süddeutscher Schaustellerverband

Traditionsbetrieb Friedlsperger gab auf

Wie viele der 350 Mitgliedsbetriebe im Süddeutschen Schaustellerverband wegen der Corona-Pandemie das Handtuch geworfen haben, kann Kalb nicht sagen. Nur so viel: "Das nächste Volksfest wird sich verändert haben. Bei vielen Betrieben ist es ans Eingemachte gegangen." So habe beispielsweise der weithin bekannte Nürnberger Festzelt- und Grill-Familienbetrieb Friedlsperger aufgegeben.

"Beruf als Berufung"

Kalb hat sich im Verlauf der Infektionsschutzverordnungen schon mehrfach über die politische Bewertung seiner Branche geärgert. "Die Staatsregierung hat uns viel zu oft unter dem Alkohol-Etikett gesehen. Dabei organisieren wir mit Herzblut Familienfeste, es ist eine 1200 Jahre alte Kultur. Wir sehen unseren Beruf als Berufung." Viele Familienbetriebe hätten seit Ende 2019 keine regulären Einnahmen mehr gehabt. "Zu den wirtschaftlichen Sorgen kam, dass ihr soziales Leben zum Erliegen gekommen ist." Bei der Stadt Nürnberg dagegen wolle er sich ausdrücklich bedanken. "Sie hat uns von Anfang an unterstützt."

Mit dem "Nürnbärland" im vergangenen Sommer und mit den "Sommertagen" auf dem Hauptmarkt 2020 versuchten die Betriebe, wenigstens einen Teil ihrer Verluste wieder wettzumachen.Lorenz Kalb, der selbst in fünfter Generation seinen Schaustellerbetrieb führt, lobt gelungene Konzepte aus Nordrhein-Westfalen. Dort seien zuletzt Volkfeste für den Herbst genehmigt worden, die Besucher unter Ankündigung von Stichprobenkontrollen der 3G-Regel aufs Festgelände lassen, etwa die Allerheiligenkirmes in Soest. "Man muss das so abhalten, dass man es als Schausteller auch bezahlen kann."

Mit dem

Mit dem "Nürnbärland" im vergangenen Sommer und mit den "Sommertagen" auf dem Hauptmarkt 2020 versuchten die Betriebe, wenigstens einen Teil ihrer Verluste wieder wettzumachen. © Alexander Brock

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