Stadt Nürnberg gibt Parkplatz frei

Es werde Grün! Am Westpark soll ein "Weltacker" entstehen

Isabel Lauer
Isabel Lauer

Lokalredaktion Nürnberg

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8.2.2022, 10:00 Uhr
Noch braucht man sehr viel Fantasie, um sich auf diesem Stück Stadt Weizen- und Tomatenernte vorzustellen: Ein vergessener Parkplatz an der Von-der-Tann-Straße könnte zum "Weltacker" werden.

© Michael Matejka Noch braucht man sehr viel Fantasie, um sich auf diesem Stück Stadt Weizen- und Tomatenernte vorzustellen: Ein vergessener Parkplatz an der Von-der-Tann-Straße könnte zum "Weltacker" werden.

Ein Acker in der Stadt – in einer Großstadt, zu deren DNA das Knoblauchsland zählt, ist das keine ganz revolutionäre Idee. An dieser Adresse aber schon. Lastwagen donnern vorüber. Dauerparker und Wohnmobile stehen auf Asphalt und Schotter neben einer schmutzigen Lärmschutzwand. Der Parkplatz, der sich zwischen die vierspurige Von-der-Tann-Straße und den Westpark duckt, ist ein unwirtliches Stück Nürnberg.

2000 Quadratmeter Ackerland für jeden Menschen

Diese Fläche in Sündersbühl hat die Stadtverwaltung auserkoren zur Transformation: Sie soll zum "Weltacker" werden. So heißt ein Umweltbildungsprojekt, das nach ähnlichem Muster schon in verschiedenen Städten in Europa entstanden ist. In Nürnberg wollen die private Stiftung "Innovation und Zukunft" und der Verein Bluepingu den "Weltacker" einrichten und finanzieren. Die Stadt Nürnberg, das ist ihr Beitrag, überlässt ihnen dafür dieses Grundstück aus ihrem Bestand. In der kommenden Woche muss der Stadtplanungsausschuss des Stadtrats noch zustimmen, was als wahrscheinlich gilt.

"Weltacker" nennen die ursprünglichen Ideengeber aus Berlin ein 2000 Quadratmeter großes, öffentlich zugängliches Feld, auf dem in einem bestimmten Verhältnis Getreide, Futterpflanzen, Faserpflanzen, Gemüse, Obst und weitere Nutzpflanzen angebaut werden. 0,2 Hektar beträgt rechnerisch die Fläche an Ackerland, die jeder der sieben Milliarden Menschen auf der Erde zur Verfügung hat, um sich zu versorgen. Wer mehr verbraucht, etwa in Form von Fleisch oder Kraftstoffen, tut dies auf Kosten anderer Konsumenten. Besucher eines "Weltackers" können sich also anschaulich über Landwirtschaft und globale Gerechtigkeit informieren.


FAU-Wissenschaftler über die Zukunft der Nachhaltigkeit: Wie gelingt der Wandel?


Mit seinem plastischen Ansatz sei das ein "tolles Projekt, um Menschen gemeinschaftlich für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, aber eben nicht von oben herab", sagte Oberbürgermeister Marcus König beim Ortsbesuch. Die Stadtverwaltung habe die Standortsuche daher schnell binnen einem knappen Jahr gelöst. Der Parkplatz beim Westpark werde nicht mehr benötigt. "Wir wollen den ,Weltacker‘ an einer urbanen Stelle haben, die so auch gleich entsiegelt wird."

Trafen sich zur Vorstellung des Standort-Angebots (v. l.): Bürgermeister Christian Vogel, das Stifterpaar Manfred und Barbara Schmitz, Katrin Schwanke (Bluepingu), Baureferent Daniel Ulrich und Oberbürgermeister Marcus König.

Trafen sich zur Vorstellung des Standort-Angebots (v. l.): Bürgermeister Christian Vogel, das Stifterpaar Manfred und Barbara Schmitz, Katrin Schwanke (Bluepingu), Baureferent Daniel Ulrich und Oberbürgermeister Marcus König. © Michael Matejka

Darüber freuen sich auch das Stifterehepaar Manfred und Barbara Schmitz sowie Bluepingu-Projektbetreuerin Katrin Schwanke. Der Parkplatz biete schwierige Voraussetzungen, aber auch Chancen, sagen sie: Am Mittleren Ring gelegen, ist er gut erreichbar; ein totes Gelände würde für die Bürger erschlossen. Ein Dutzend Bäume wächst auf der Fläche; sie sollen stehen bleiben und Teil des Feldes werden.

Eröffnung schon 2023 denkbar

Das Stadtplanungsamt hatte von sieben untersuchten Flächen nur noch eine andere als geeignet eingestuft: den ehemaligen Sportplatz der DJK Bayern in St. Johannis. Doch für diese Adresse interessieren sich nach wie vor Sportvereine. Die Fakultät Architektur der Technischen Hochschule wiederum prüfte 2021 sechs Standorte, teils dieselben. Klaren Vorrang bekam keiner.

Sollten die Stadträte grünes Licht geben, wollen die Organisatoren noch in diesem Jahr den Boden öffnen. Böse Überraschungen in Form von Altlasten hält Bürgermeister Christian Vogel dabei für unwahrscheinlich. Der von ihm geleitete Servicebetrieb öffentlicher Raum hat die Fläche grob voruntersucht; Sör will den Westpark in den kommenden Jahren ohnehin insgesamt verschönern. Unterirdische Leitungen und Bomben-Blindgänger könnten das Projekt freilich trotzdem verzögern.

Ab Frühjahr 2023, so der Zeitplan, könnte der Anbau dann beginnen. Ob dafür ein Trägerverein gegründet würde und ob man die Fläche bei der Kommune mietet oder pachtet, ist noch zu entscheiden. Mitstreiter sind willkommen. Überhaupt sei der "Weltacker" als Begegnungsort für die ganze Stadt gedacht, sagt Katrin Schwanke. Der Acker soll ohne Zaun bleiben. Öffentliche Veranstaltungen sind ebenso vorgesehen wie Kooperationen mit Schulen und der Technischen Hochschule.

Kontakt und Informationen: www.innovationzukunft.org, sdgs-go-local.bluepingu.de, Telefon (0911) 2346-372

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