Ex-Wöhrl-Sportkaufhaus in Nürnberg: Abriss hat begonnen

28.8.2019, 05:49 Uhr
Die Abrissbagger werkeln bereits an der Fassade des ehemaligen Kaufhauses.

Die Abrissbagger werkeln bereits an der Fassade des ehemaligen Kaufhauses. © Stefan Hippel

Im Juli 2014 trat Hans Rudolf Wöhrl mit den Plänen erstmals an die Öffentlichkeit. Damals war von einem 18-Millionen-Neubau zwischen dem ehemaligen "Kaufhaus Weißer Turm" (KWT) und "Sport Scheck" die Rede, der rund 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf sechs Etagen bieten sollte. Der Baubeginn war für 2015 vorgesehen. Nachdem die Baugenehmigung endlich im November 2016 erteilt worden war, machte sich die Tetris Grundbesitz GmbH & Co. KG als Eigentümerin der Immobilie auf Mietersuche.

Diese Simulation aus dem Jahr 2016 zeigt, wie die Fassade des Neubaus eines Tages aussehen könnte.

Diese Simulation aus dem Jahr 2016 zeigt, wie die Fassade des Neubaus eines Tages aussehen könnte.

Das Modehaus Wöhrl wollte ursprünglich nicht mehr in den Neubau einziehen. Stattdessen sollte das Objekt vorzugsweise an ein Drittunternehmen als Mieter vergeben werden. Inzwischen hat Wöhrl seine Marktposition offenbar wieder so gestärkt, dass die in Nürnberg beheimatete Kette zumindest Teile des Neubaus belegen wird. Das Wöhrl-Sortiment werde dort künftig "um die attraktiven Angebote von Partnerfirmen ergänzt", teilte Hans Rudolf Wöhrl auf Anfrage mit, der seit geraumer Zeit den Aufsichtsratsvorsitz der Tetris Grundbesitz übernommen hat. Wöhrl geht davon aus, dass sich noch weitere Interessenten melden werden, "sobald das neue Gebäude sichtbar wird".

Die Entkernung des Abrissgebäudes läuft seit etwa einem Monat. Voraussichtlich Mitte September beginnt dann der eigentliche Rückbau. Der Spezialbagger, der dafür eingesetzt wird, kann aus technischen Gründen nicht auf dem Ludwigsplatz arbeiten. Das Gerät wird deshalb in der Vorderen Ledergasse aufgestellt. Ende November soll das Gebäude eingeebnet sein.

Das "Kaufhaus zum Christkind"

Direkt neben dem ehemaligen KWT stand ursprünglich einmal das "Kaufhaus zum Christkind", das unter anderem Modewaren führte, berichtet Hans Rudolf Wöhrl. 1933 habe sein Vater, Rudolf Wöhrl, diese Firma aus der Insolvenz übernommen und sie ZetKa genant – eine Abkürzung für "Zuverlässige Kleidung". Im Bombenhagel von 1945 wurde das Haus teilweise zerstört; 1949 begann der Wiederaufbau des Unternehmens im Rückgebäude an der Vorderen Ledergasse, das weitgehend erhalten geblieben war. 1958 stand der erste große Umbau an, dem bis 1977 mehrere kleine Um- und Anbauten folgten, die letztlich das jetzt vor dem Abriss stehende Gesamtanwesen formten.

Dessen etwas verwinkelte Anlage, die Zwischentreppen und teilweise begrenzten Raumhöhen sowie Technik und Brandschutz entsprechen längst nicht mehr modernen Anforderungen. Vielleicht auch deshalb zog sich das Modehaus Wöhrl Anfang 2017 ganz aus dem Gebäude zurück. Die Tetris Grundbesitz prüfte mehrere Varianten und kam am Ende zu dem Schluss, dass ein Neubau die richtige Lösung sei, so Hans Rudolf Wöhrl: Die Fahrt in die Stadt müsse sich für den Kunden lohnen, "und dazu braucht es einen echten Mehrwert".

Die Entwürfe für den Neubau hat das Nürnberger Architektenbüro Hübsch, Ramsauer Harlé erarbeitet. Derzeit wird die Fassade für den Genehmigungsantrag bei der Baubehörde noch abgestimmt. Ein Fassadenwettbewerb, der 2015 stattfand, wurde seinerzeit nicht mehr weiterverfolgt. Zu den aktuellen Baukosten macht die Tetris Grundbesitz vorerst noch keine Angaben.

KWT gehörte einst zu den schönsten Kaufhäusern

Schon in den 1990er Jahren gab es einmal Überlegungen, das Sportkaufhaus durch einen Neubau zu ersetzen. Dabei blieb es, weil die notwendigen Ausweichflächen für den Verkauf nicht zur Verfügung standen. Dann entschied das Unternehmen, den Erweiterungsbau an der Schlüsselstraße zu errichten, der lange Jahre als Wöhrl-"Herrenhaus" fungierte, und das KWT als "Damenhaus" zu sanieren. 2015/16 wurden die Häuser miteinander vermischt und die Verkaufsflächen neu gestaltet.

Das ehemalige KWT, der heutige Stammsitz des Modehauses Wöhrl, planten übrigens die Architekten Paul Bittdorf und Otto Schulz. Es galt 1913 galt es als eines der schönsten Kaufhäuser Deutschlands. Im Zuge von Plünderungen wurde das Haus 1945 in Brand gesteckt. 1988 übernahm Wöhrl das Gebäude, von dessen Ursprüngen heute nur noch die Fassade erhalten ist.

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