Experten-Konzept: So soll Nürnbergs Handel attraktiv bleiben

27.10.2019, 05:47 Uhr
Nürnberg ist eine der attraktivsten Einkaufsstädte in Deutschland. Vom Handel hängen viele Arbeitsplätze ab. Damit es so bleibt, soll die Stadt 55 Maßnahmen umsetzen.

Nürnberg ist eine der attraktivsten Einkaufsstädte in Deutschland. Vom Handel hängen viele Arbeitsplätze ab. Damit es so bleibt, soll die Stadt 55 Maßnahmen umsetzen. © Foto: Michael Matejka

Bei den Großstädten mit über 350.000 Einwohnern liegt Nürnberg bei der Einkaufszentralität auf dem ersten Platz. Die Einkaufszentralität ist das Verhältnis des Einzelhandelsumsatzes zur in der Stadt vorhandenen Kaufkraft. Beim eigentlichen Einzelhandelsumsatz pro Einwohner erreicht Nürnberg den zweiten Platz hinter München, erst danach kommt Düsseldorf. Allerdings sind beide Kennzahlen in den vergangenen zwei Jahren etwas gesunken. Mit rund 55 Millionen Euro hat der Einzelhandel einen Anteil von 13 Prozent am Gewerbesteueraufkommen. Er ist eine sehr wichtige Branche für die Stadt.

Doch die Konkurrenz durch das Internet ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Während 2012 noch 52 Prozent der Kunden sich als einen "traditionellen Handelskäufer" einschätzten, waren es 2019 nur noch 23 Prozent. Vor sieben Jahren bezeichneten sich nur elf Prozent der Befragten als "begeisterte Onlineshopper". In diesem Jahr waren es schon 28 Prozent. Zwischen den beiden Lagern gibt es noch die selektiven Onlineshopper, deren Prozentzahl 2019 bei 49 Prozent lag, 2012 waren es 31 Prozent. Das Internet ist aber nicht nur eine Konkurrenz zum stationären Einzelhandel. Es bietet auch Möglichkeiten, Kunden anzulocken oder den Einkaufsbummel attraktiver zu machen. Damit Nürnberg nicht abgehängt wird, hat Wirtschaftsreferent Michael Fraas die Handelsberaterfirmen IFH Köln und gmvteam beauftragt, Stärken und Schwächen der Stadt herauszuarbeiten.

55 Maßnahmen, um Nürnberg voranzubringen

Auf dieser Basis soll eine Zukunftsstrategie für den Handel entwickelt werden. Nach umfangreichen Kundenbefragungen und der Einbindung aller wichtigen Akteure vor Ort hält das Beraterteam insgesamt 55 Maßnahmen für wichtig, um Nürnberg voranzubringen. Sie wurden unter dem Titel "Alle Macht geht vom Besucher aus" zusammengefasst. Die Stadt hat zwar als Shoppingstandort eine enorme Strahlkraft und bekommt insgesamt gute Noten, doch sie gilt bei den Besuchern selten als "zukunftsorientiert" oder "jung und dynamisch".

Es nimmt auch der Wunsch zu, dass der Einkauf zum Erlebnis wird. Es sollen Emotionen geweckt werden, um die Kaufentscheidung zu erleichtern, denn die Schränke sind voll. Bequemlichkeit, Serviceorientierung, Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit sollen besser werden, wünschen sich die Befragten. Auch Ruhezonen und Sitzgelegenheiten, wo nichts verzehrt werden muss, werden sehr geschätzt. Außerdem schlagen die Berater ein Leitsystem für Autofahrer und ein innerstädtisches Logistikkonzept vor, dass die Einkäufe nach Hause bringt. Der Besuch Nürnbergs soll mit Treueaktionen, vergünstigten VGN-Tickets, digitalen Führungshilfen durch die Stadt, Newslettern und Angeboten, die das Thema Nachhaltigkeit abdecken, schmackhaft gemacht werden.

Vorgeschlagen wird auch, dass man sich schon im Vorfeld Waren reservieren lassen kann und dass man digitale Angebote schafft, die auf die Hobbys und die Interessen des Einzelnen eingehen. Eine ausreichende Zahl von öffentlichen Toiletten wird ebenfalls gefordert.

Dachverein soll Maßnahmen bündeln

Damit die Maßnahmen umgesetzt werden können, heißt es in dem Gutachten weiter, sollten sich alle Akteure in einem Verein mit Geschäftsstelle zusammenschließen. Dieser Dachverein kostet aber Geld, genauso wie die angedachten Aktionen. Stadträte von SPD und CSU lobten das Konzept. Thomas Pirner (CSU) sieht Nürnberg auf einem guten Weg und forderte die Entwicklung einer Dachstrategie. Ulrich Blaschke (SPD) sieht mit diesem Konzept die Möglichkeit, Schwerpunkte zu entwickeln: "Wir brauchen eine Struktur, die auch einmal etwas finanziert."

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