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"Experten liegen meistens falsch"

Science-Fiction-Autor Bernd Flessner: Warum sich die Zukunft so schwer vorhersagen lässt - 31.10.2019 19:37 Uhr

Mobilität gilt als wichtiges Zukunftsthema. Im neuen Musuem können Besucher einen Blick auf eine "Auto-Drohne" werfen.

19.10.2019 © Atelier Brückner GmbH


Orville Wright ist sich sicher: "Es wird nie eine Flugmaschine geben, die von New York nach Paris fliegt", sagt er im Jahr 1909 bei einem Besuch in Berlin. Der Flugpionier ist überzeugt, dass das technisch niemals möglich sein wird. Gerade einmal zehn Jahre später beweisen zwei Briten das Gegenteil und fliegen als Erste über den Atlantik.

"Vorhersagen von Experten sind meistens falsch", sagt Zukunftsforscher Bernd Flessner in seinem Vortrag am Mittwochabend im Bildungszentrum. Widerlegte Prognosen füllen ganze Bücher und manche Sprüche sind legendär geworden. Bill Gates prophezeite 1981: "Mehr als 640 Kilobyte Speicher werden Sie niemals benötigen." IBM-Chef Thomas Watson glaubte 1943: "Es gibt einen weltweiten Bedarf an vielleicht fünf Computern."

Das Problem der Fachleute ist, sie denken zu realistisch. Ihr "Wahrscheinlichkeitsraum" ist zu eng, sagt der Forscher. Flessner lehrt an der Uni Erlangen-Nürnberg und ist im wissenschaftlichen Beirat für das Zukunftsmuseum, das Ende 2020 in Nürnberg eröffnet.

B. Flessner

31.10.2019 © Foto: Michael Matejka


"Die Zukunft ist offen, das ist ja das Problem", sagt er. Trotzdem gibt es Vorboten, nach denen Flessner und seine Kollegen Ausschau halten. "Die Zukunft entsteht nicht aus
dem Nichts", sagt er. Eine gute Quelle sind Science-Fiction-Romane. Schon 1914 beschreibt der englische Autor Herbert George Wells in seinem Buch "Befreite Welt" eine Atombombe. Als es sie 30 Jahre später tatsächlich gibt, übernehmen die Verantwortlichen die Bezeichnung aus dem Roman.

"Viele Begriffe, die wir heute nutzen, kommen aus der Science-Fiction", erklärt Flessner. Dabei war die Gattung um 1900 herum zunächst
als Schundliteratur verpönt und in vielen Ländern, auch Deutschland, verboten. "Man hatte Angst, die Jugend zu verderben – die jungen Leute könnten ja glauben, was da steht." Etwa, dass Menschen zum Mond fliegen könnten, wie es der Franzose Jules Verne 1865 in seinem Roman "Von der Erde zum Mond" erzählt.

Verne vermutet, dass das zuerst den USA gelingen werde. Als geeigneten Startplatz beschreibt er Florida, weil das nah am Äquator liegt. Er schlägt eine Wasserung am Ende der Reise vor, um den Sturz zu bremsen, und zeichnet eine Raumkapsel, die den heutigen verblüffend ähnelt. "Je absurder eine Vorhersage erscheint, desto genauer sollte man sie sich anschauen", empfiehlt Flessner.

mDie Vortragsreihe macht eine Pause und geht am Mittwoch, 13. November, weiter. Dann sprechen Florian Müller und Nadja Köhler vom Deutschen Museum über "Mensch und Maschine", wie Künstliche Intelligenz und Hightech-Prothesen die Grenzen verwischen. Von 19 bis 20.30 Uhr im Bildungszentrum am Gewerbemuseumsplatz 2 in Nürnberg.

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