Fit durch den Lockdown: So hält es Nürnberg mit dem Sport

Clara Grau

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9.11.2020, 05:58 Uhr
Joggen, Radeln, Workout: Am Wöhrder See genossen am Wochenende die Sportler das schöne Wetter.

 

© Stefan Hippel, NNZ Joggen, Radeln, Workout: Am Wöhrder See genossen am Wochenende die Sportler das schöne Wetter.  

Scheinbar mühelos hebt Alina ihr Bein, lehnt es in Schulterhöhe an die Stange eines Sportgeräts am Wöhrder See und dehnt sich in ihrem modischen roséfarbenen Lauf-Outfit in einen Fast-Spagat. "Ich habe früher mal geturnt", sagt die 21-Jährige fast entschuldigend auf die anerkennenden "Wows", der umstehenden Sportler.

Alina war mit Freundin Valeria, ebenfalls 21 Jahre jung und ebenfalls perfekt gestylt, am Samstagmittag auf der Wöhrder-See-Runde joggen. Zum Abschluss machen die beiden TH-Studentinnen Dehnübungen am "Bewegungspark für alle Generationen" in der Nähe des Norikus-Hochhauses.

Sport-Challenge gegen den Corona-Blues

Mindestens drei Mal in der Woche drehen die beiden derzeit ihre Runde um den See. An anderen Tagen absolvieren sie gemeinsam Online-Workouts in ihren Studentenappartements. "Da muss man zwar erstmal alle Möbel wegräumen, aber Sport muss sein", sagt Alina bestimmt. Das Studium nur noch übers Internet, keine Partys und jetzt die erneute Schließung von Sporteinrichtungen – der Dauerausnahmezustand in diesem Corona-Jahr sei ihr ganz schön aufs Gemüt geschlagen, berichtet die Betriebswirtschafts-Studentin. "Man gammelt nur noch so vor sich hin und hat irgendwann zu gar nichts mehr Lust."

Gemeinsam mit Valeria hat sie deshalb nun eine "Challenge" vereinbart. Jeden Tag motivieren sich die Freundinnen gegenseitig zu einer Sporteinheit. Und auch wenn sie nur vor dem heimischen PC turnen, ziehen sie sich dafür schöne Tops und Leggins an. "Wäre ja schade um die schönen Sachen", sagt Valeria, die nebenbei Handy-Fotos von ihrer Freundin für Instagram schießt.

Weniger um gute Selfies, eher um die Gesundheit geht es Stavros Zagorakis. "Ich hatte einen Bandscheibenvorfall. Jetzt hat mein Fitnessstudio zu. Aber ich muss etwas tun, sonst werden die Rückenschmerzen zu schlimm", sagt der 47-Jährige aus Mögeldorf. An den Geräten im Bewegungspark könne er viele Übungen, die er sonst übt, auch durchführen. "Zum Glück ist das Wetter schön, hoffentlich bleibt es so, bis man wieder innen trainieren kann", hofft er.

Bewegungsparks in Nürnberg

Dass man auch bei ungemütlicherem Wetter trainieren kann, und sogar körperliche Beschwerden einigermaßen loswird, beweist Andreas Lehmann: Er habe kurz vor einer Hüftoperation gestanden, durch das regelmäßige Training hätten sich seine Beschwerden gebessert und er habe die OP absagen können, berichtet der 61-Jährige. Sei er vor einem Jahr in den Ruhestand ging, nutzt er täglich eine Stunde das Umsonst-und-draußen-Fitnessstudio am Wöhrder See. "Abends stellt sich eine gewisse Zufriedenheit ein, wenn man etwas für sich getan hat", so die Erfahrung des Nürnbergers.

Andreas Lehmann trainiert täglich im Bewegungspark am Wöhrder See.

Andreas Lehmann trainiert täglich im Bewegungspark am Wöhrder See. © Stefan Hippel, NNZ

Mit Abstandsregeln gäbe es keine Probleme: Die Anlage sei am Wochenende bei schönem Wetter zwar gut besucht, aber nicht überlaufen. An anderen Tagen sei deutlich weniger los, hat Lehmann beobachtet.

Gut gefüllt ist an diesem strahlend schönen Herbstwochenende auch die Street-Workout-Anlage auf der nördlichen See-Seite. Ein Pärchen macht Bauchmuskelübungen auf dem Boden, Kinder turnen an den Stangen und einige junge Männer zeigen akrobatische Übungen an den Leitern und Recks. Unter ihnen sind Boris (25), Bakir (24) und Thomas (39). Sie kommen, sofern es die Arbeit zulässt, fast täglich. "Ich bleibe meist so eineinhalb Stunden. Wenn nette Leute da sind, werden es aber auch mal drei Stunden", erzählt Boris. "Ja, man kann hier Freundschaften schließen", fügt Bakir hinzu.

Die drei sind fast schon Profis unter den Nutzern. Sie schwingen sich scheinbar mühelos in komplizierte Haltepositionen, zum Beispiel die "menschliche Flagge". Berührungsängste brauche man aber nicht haben, sagt Thomas. Die Fortgeschrittenen geben den Anfängern gerne Tipps, man sei eine sehr offene, hilfsbereite Szene.

Wer mit Street-Workout oder Calisthenics anfangen möchte, rät Thomas, sollte zunächst Klimmzüge, Beinheben an der Stange, Handstand und Liegestütze üben. "Man muss aber mit Muskelkater rechnen", fügt Bakir, gelernter Masseur und derzeit in Ausbildung zum Physiotherapeuten, mit einem Lachen hinzu. Der Clou des Sports, der vor allem mit dem eigenen Körpergewicht funktioniert: Nicht nur einzelne Muskeln werden trainiert, sondern der ganze Körper.

Und wie funktioniert das Abstand halten in Corona-Zeiten? "Kein Problem", sagen die drei Sportler: Es könne ja eh immer nur eine Person an einer Stange hängen.

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