Dienstag, 19.01.2021

|

zum Thema

Fliegerbombe in Nürnberg: Darum dauerte die Entschärfung länger als sonst

Sprengmeister Michael Weiß: "Wir nehmen es, wie es kommt" - 29.11.2020 14:42 Uhr

Wegen dieser Bombe mussten gut 650 Menschen ihre Häuser verlassen.

29.11.2020 © ToMa


Schaufel um Schaufel türmt der Bagger Erde auf. Drei Meter hoch soll er werden, der Wall, der die Wohngebiete rund um die Schleswiger Straße schützt. Für den Fall, dass der Blindgänger detoniert, dämpft die Mauer die Druckwelle - und verhindert schwere Schäden. Am Samstagnachmittag entdeckte ein Passant hier unweit des Berufsförderwerks eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe. Auf freiem Feld, mitten in einem Acker. Der britische Blindgänger war mit zwei Zündern ausgestattet, einem am Heck, einem an der Front.

Die Sprengmeister (Michael Weiß) und Christian Scheibinger. 

29.11.2020 © ToMa



250-Kilo-Bombe im Nürnberger Norden entschärft: Der Live-Ticker zum Nachlesen!


"Wir nehmen es, wie es kommt", sagt Michael Weiß, der mit seinem Kollegen Christian Scheibinger einmal mehr die Bombe entschärfte. In Nürnberg sind die Sprengstoffexperten Dauergäste, haben bereits zahlreiche Blindgänger unschädlich gemacht. Routine sind die heiklen Einsätze aber nie. Am Samstag dauerte es deutlich länger als sonst, fast eineinhalb Stunden arbeiteten Weiß und sein Team an dem britischen Sprengkörper.

"Die Erde hat das Material nicht so gut getragen", sagt der Entschärfer - und meint damit seine Spezialwerkzeuge, die auf dem feuchten Boden nicht den besten Stand hatten. Zudem sei der Heckzünder etwas verdellt gewesen. Überhaupt seien die britischen Bomben vom Aufbau etwas schwieriger zu entschärfen als die in Nürnberg häufiger gefundenen amerikanischen Modelle. "Wir haben die Zündkette unterbrochen, den Detonator gesprengt und auch den Kopfzünder ausgebaut."

Münzsammler fand Gegenstand

Zuvor lief eine stundenlange Evakuierung im Nürnberger Norden - überraschend spontan. Meistens werden Räumungen dann, wenn Hunderte oder gar Tausende ihre Häuser verlassen müssen, stundenlang geplant. Für gewöhnlich legen die Verantwortlichen derart große Aktionen auf den Vormittag, dann, wenn viele Anwohner ohnehin außer Haus sind.

Bilderstrecke zum Thema

250 Kilo schwere Weltkriegsbombe im Knoblauchsland entdeckt

Im Nürnberger Norden wurde am Samstagabend (28. November) eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden. Hunderte Anwohner im Umkreis mussten evakuiert werden.


Am Samstag aber ging alles ganz schnell. Bereits am frühen Nachmittag stieß ein Münzsammler auf einen metallischen Gegenstand auf dem Acker und schlug Alarm. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit bestätigte ein Sprengmeister, der nach Schnepfenreuth eilte, den Fund. Trotz der schlechten Sicht sprachen sich die Experten für eine sofortige Evakuierung aus. Der Luftraum wurde gesperrt, ein Helikopter der Polizei überflog das Areal mit einer Wärmebildkamera auf der Suche nach Spaziergängern.

Vier Corona-Infizierte unter den Evakuierten

Fast 300 Helfer waren im Einsatz. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Polizei und Rettungsdienst. Sie unterstützten gebrechliche Menschen beim Transport in die Notunterkunft, die eilig in der Peter-Vischer-Schule eingerichtet wurde. Vier Corona-Infizierte mussten separiert werden, dazu weitere Kontaktpersonen. "In Zeiten von Corona hat ein solcher Einsatz besondere Herausforderungen", sagt etwa Thilo Könicke vom Bayerischen Roten Kreuz. Der Mund-Nasen-Schutz ist selbst in Krisensituationen für sie obligatorisch.

Bilderstrecke zum Thema

Blindgänger in der Region Nürnberg: Eine Chronik der Bombenfunde

Alarmsirene und Bombenhagel: Spätestens seit 1941 bekamen die Nürnberger die Schrecken des Zweiten Weltkrieges hautnah zu spüren. Immer wieder drangen alliierte Flugzeugverbände in den Luftraum über der Noris ein, um die Stadt zu bombardieren. Der Krieg ist seit 1945 beendet, doch seine Zeugnisse liegen noch im Erdreich unter der Frankenmetropole begraben. Immer wieder tauchen bei Bauarbeiten und Erdrutschen verrostete Fliegerbomben auf.


Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, das zeigt der Fund in der Schleswiger Straße, lauern wirklich überall. Oft werden sie bei größeren Bauarbeiten wie an der Brunecker Straße in Nürnberg entdeckt, wo derzeit ein neuer Stadtteil entsteht. Auch bei Arbeiten im Wöhrder See tauchten schon Blindgänger auf. Doch dass ein Sprengkörper einfach vergraben unter einem Acker liegt, ist eben nicht ausgeschlossen. Erst um exakt 23.22 Uhr gaben Michael Weiß und sein Kollege Christian Scheibinger Entwarnung. Auch für die erfahrenen Experten war es einer der längeren Arbeitstage. "Jetzt ist Feierabend", sagt der Entschärfer. "Auch wir möchten heim."

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: N-Nord