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Forscher: So könnte die Zukunft der Nürnberger City aussehen

Freizeit und Erlebnis: Innenstadt ist mehr als nur Einkauf - 23.02.2021 06:00 Uhr

Vor allem an verkaufsoffenen Sonntagen ist die Innenstadt oft brechend voll.

15.02.2021 © G?nter Distler, NN


Rolf Monheim war bis 2007 Professor für angewandte Stadtgeografie und Stadtplanung an der Universität in Bayreuth. Bis heute ist er freiberuflich in Forschung und Beratung tätig. Nürnberg war und ist immer wieder Gegenstand seiner Studien.

Herr Prof. Dr. Monheim, in ihrer aktuellen Studie sagen Sie, eine gute Erreichbarkeit für Autofahrer und eine verkehrsberuhigte Innenstadt schließen sich nicht aus. Im Gegenteil, diese Kombination kann die Attraktivität der Innenstädte steigern. Wie sehen Sie Nürnberg in dieser Hinsicht aufgestellt?
Nürnberg ist ein Erfolgsmodell. Die Innenstadt hat eine sehr gute äußere Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln. Für Autos stehen zahlreiche Parkhäuser zur Verfügung. Aber auch für Fußgänger sind die Bedingungen gut. Es gibt keinen Durchgangsverkehr, es gilt Tempo 30 und es gibt über zehn Kilometer Fußgängerbereiche. Nürnberg hat diese Verkehrsberuhigung nicht Knall auf Fall umgesetzt, sondern über Jahre Schritt für Schritt.

Prof. Dr. Rolf Monheim war Professor für angewandte Stadtgeographie und Stadtplanung an der Universität Bayreuth. Im Ruhestand forscht er weiter - auch in Nürnberg.  

15.02.2021 © e-arc-tmp_20160224-104105-001.jpg, NN



Viele Händler sagen, ihre motorisierten Kunden möchten möglichst direkt vor den Laden fahren. Können Sie diese Aussage teilen?
Die Behauptung, dass Autofahrer bis vor die Ladentüre fahren wollen, stimmt nicht mehr. Laufen ist heute nicht mehr eine Last, sondern eine Lust. Freilich muss das Umfeld dafür attraktiv sein. Längere Fußwege haben durchaus Vorteile für die Händler: Je weiter ein Besucher läuft, an desto mehr Geschäften kommt er vorbei. Parkhausnutzer suchten in Nürnberg im Schnitt etwa sechs Läden auf. Durchschnittlich legten sie unter der Woche 1,4 und am Samstag 1,7 Kilometer zurück. Autofahrer, die am Straßenrand parkten, besuchten weniger Geschäfte.

Welche weiteren Ergebnisse haben Ihre Forschungen ergeben?
Für die Besucher ist es oft nicht so entscheidend, wie sie in die Innenstadt kommen. Sie fragen sich vielmehr, in welche Stadt will ich eigentlich? Nur etwa zehn Prozent kommen ausschließlich, um Einkäufe zu machen. Vor allem am Wochenende sind zum Beispiel auch ein Stadtbummel, Treffen mit Freunden, Nutzung des Gastronomie- und Kulturangebots, Gründe für einen Besuch.

Sie plädieren dafür, dass Autofahrer möglichst Parkhäuser nutzen. Warum?
Die Nürnberger Parkhäuser sind nur ein paar Mal im Jahr voll. Wenn ich nicht nach einem freien Platz suchen muss, erzeuge ich auch keinen Parksuchverkehr. Außerdem ist der Flächenverbrauch im Parkhaus geringer – und die Nutzer sind zum Großteil sehr zufrieden.

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Warum fahren dann nicht alle Autofahrer ins Parkhaus?
Das sind oft eingefleischte Gewohnheiten. Da gibt es die einen die sagen, klar ich fahre ins Parkhaus, das ist praktisch und mein Auto steht sicher. Die andere Gruppe geht davon aus, etwas am Straßenrand zu finden und preisgünstiger oder gar kostenlos zu parken. Einheimische bewerten das Parkangebot übrigens immer schlechter als Auswärtige. Sie haben die Klagen über zu teuren oder mangelnden Parkraum fest verinnerlicht.

Wie könnte man das Parken besser steuern?
Viele Autofahrer wünschen sich im Parkhaus eine minutengenaue Abrechnung, wie beim Handyparken. Das ist natürliche eine Zwickmühle für Parkhausbetreiber: Wenn sie nicht im Stundentakt abrechnen, gehen ihnen wichtige Einnahmen verloren. Parken am Straßenrand müsste viel teurer sein, um eine steuernde Wirkung zu haben. Sinnvoll wäre es, die Parkzeitdauer überall zu beschränken. Die Stellplätze am Straßenrand sollen für die da sein, die nur kurz dastehen. Je mehr Wechsel es gibt, desto mehr Fahrer können schnell einen Parkplatz finden und müssen nicht suchen.

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Welche Zukunft hat die City?


In Zeiten von Corona und wachsendem Internet-Handel haben es Kaufhäuser und Einzelhändler schwer. Hat die Nürnberger Innenstadt überhaupt noch eine Chance?
Ich bin mir sicher, dass die postmoderne Erlebnisgesellschaft weiterhin die Innenstadt als Bühne für die Inszenierung ihres Lebensstils nutzt. Hier begegne ich anderen Menschen und kann etwas erleben. Das hebt die Innenstadt vom Internethandel ab. Dieses Alleinstellungsmerkmal müssen Städte wie Nürnberg herausarbeiten.

Was raten Sie den Verantwortlichen ganz konkret?

Nürnberg hat viel richtiggemacht. Aber man sollte eine Willkommenskultur entwickeln, die regionale und überregionale Besucher, aber auch Einheimische begeistert. An einigen Orten, etwa im Burgviertel, könnte man die Aufenthaltsqualität noch steigern. Und ganz dringend muss das Verteilergeschoss an der U-Bahnhaltestelle Lorenzkirche angegangen werden. Wenn man da durchläuft, fühlt man sich wie in der Geisterbahn. So kann ich Besucher nicht in Empfang nehmen.

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