Mittwoch, 21.04.2021

|

Für 10 Millionen Euro: Sanierung soll Stadtmauer vor Einsturz bewahren

Reparatur der 2,7 Kilometer langen Nürnberger Grabenfuttermauer dauert zehn Jahre - 16.05.2020 05:59 Uhr

Die sogenannte äußere Grabenfuttermauer bekommt am Spittlertorgraben zusätzliche Stützen, um dem gewaltigen Erddruck standzuhalten. Die Sanierung des historischen Denkmals ist auf einer Länge von 2,7 Kilometern vorgesehen.

15.05.2020 © Michael Matejka/NN


Rund 15.000 Autos rollen täglich auf der rechten Fahrspur am Spittlertorgraben - ihr Gewicht drückt nicht nur auf den Belag, sondern auch auf die historische Stützmauer. Das Salz des Winterdiensts auf dem Geh- und Radweg hat die Steinwand ebenfalls geschädigt. Außerdem hat das Verlegen von Leitungen die Mauerkrone unter dem Gehweg geschwächt. Und nicht zuletzt hinterlässt die ganz normale Witterung ihre Spuren in dem historischen Gemäuer.


Sanierung: Nürnberger Stadtmauer erhält Unterstützung aus Berlin


Oben am Spittlertorgraben haben Bauarbeiter den Belag vom Geh- und Radweg abgenommen und den Untergrund einen guten Meter ausgegraben. Glasfaserkabel mussten von den Mauer weg verlegt werden, damit die Sanierungsarbeiten starten können. Dort kommen große Betonwinkel ins Erdreich, die den Druck des Straßenverkehrs abfangen sollen.

Der Rad- und Gehweg am Spittlertorgraben in Plärrer-Nähe ist bereits aufgegraben. Hier werden Betonwinkel eingesetzt, um den Druck des Straßenverkehrs aufzufangen.

15.05.2020 © Michael Matejka/NN


Leichte Ausbauchungen

Wer einen Spaziergang am Ludwigstor in den Stadtgraben unternimmt, kann leichte Ausbauchungen der Sandsteinquader an der äußeren Stützmauer wahrnehmen, die bei Fachleuten äußere Grabenfuttermauer heißt. Auch der Laie erkennt Pfeiler, die als Verstärkung an die Mauer gebaut sind. Zu diesen Stützen kommen weitere dazu, um die Gefahr eines Einsturzes zu bannen. Allein im ersten Teilstück, das bis April 2021 fertigt gestellt sein soll, sind sechs zusätzliche Pfeiler vorgesehen.

Bilderstrecke zum Thema

Auf Nürnbergs Straßen unterwegs - eine Zeitreise in 50 historischen Fotos

Tauchen Sie ein in die Nostalgie der Stadt: Auf 50 historischen Aufnahmen aus dem Archiv der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung werden vergangene Zeiten wieder lebendig, als der VW Käfer noch zum täglichen Anblick auf den Nürnberger Straßen gehörte. Schauen Sie sich an, wie der Plärrer, der ZOB und der Platz vor dem Hauptbahnhof früher aussahen - und wie die Nürnberger früher mobil waren.


Zweimal im Jahr sind Mitarbeiter vom Service öffentlicher Raum (Sör) zur Kontrolle im Stadtgraben unterwegs. Sie achten auf neue Risse, auf leicht nach außen geschobene Sandsteinquader und abgebröckelte Fugen. Alle drei Jahre steht eine gründliche Prüfung des Zustands an. Schließlich muss der Straßenraum wie auch der von Fußgängern und Radlern genutzte Graben verkehrssicher sein.

"Zu viele Fehlalarme"

Ein elektronisches Monitoring eines Teils der Mauer hatte sich nicht bewährt. "Es gab zu viele Fehlalarme", erinnert sich Thomas Fichte, der das Großvorhaben bei Sör mit seiner Kollegin Patricia Koch betreut, "wir sind hingefahren und da war dann gar nichts."

Bilderstrecke zum Thema

Luftbilder: So sehr hat Nürnberg sich verändert

Nürnberg hat sein Gesicht in den vergangenen Jahren gewaltig verändert. Mit Hilfe von Luftbildern zeigen wir, wie die zerstörte Altstadt wieder aufgebaut wurde und wie Hafen, Wöhrder See und der Stadtteil Langwasser entstanden.


Doch es geht nicht ausschließlich um die Verkehrssicherheit. Auch das historische Denkmal, das entscheidend zum Stadtbild gehört, soll gepflegt erhalten bleiben. "Bisher haben wir hauptsächlich auf akute Schäden reagiert. Jetzt wollen wir die ganze 2,7 Kilometer lange Grabenfuttermauer instand setzen", erklärt Ingenieur Fichte.


Auf Zeitreise: Den Geheimnissen der Stadtmauer auf der Spur


So war etwa im Jahr 1971 die Grabenfuttermauer am Maxtorgraben zwischen zwei Stützmauern komplett zusammen gebrochen. Auch bei der Gaststätte "Hexenhäusle" hinter der Burg beulte sich 2002 die Sandsteinmauer acht Zentimeter heraus. es bestand akute Einsturzgefahr.

Lob von der Denkmalpflege

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat soeben die Bedeutung der Stadtmauer aus dem 14. bis 16. Jahrhundert mit ihren fünf Kilometern Gesamtlänge hervorgehoben (die Grabenfuttermauer ist nur noch zur Hälfte original vorhanden).
Sie gehört schließlich zu den umfangreichsten städtischen Verteidigungsanlagen Europas überhaupt. Die Nürnberger Stadtbefestigung, so die Denkmalpfleger, bilde "als gebauter Ausdruck des Selbstverständnisses einer der bedeutendsten freien Reichsstädte im hohen Mittelalter ein prägendes Beispiel des nationalen kulturellen Erbes".


Die schönste Stadtmauer weit und breit


Der erste Bauabschnitt wird auf 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Ein Sonderprogramm der Bundesregierung stellt dafür 600.000 Euro zur Verfügung. Die Nürnberger Bundestagsabgeordneten hatten sich für die Unterstützung eingesetzt. 70.000 Euro steuert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bei. Ob noch weitere Förderungen kommen und damit die Stadt entlasten, ist noch offen.

Bilderstrecke zum Thema

Damals und heute: So sehr hat sich Nürnberg verändert

Bomben, Industrieaufschwung und eine glorreiche Vergangenheit: Kaum eine Stadt in Deutschland hat eine so bewegte Geschichte wie Nürnberg. Eine Geschichte, die das Erscheinungsbild der Stadt stetig verändert hat. Wir versuchen, sie sichtbar zu machen.


4

4 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg