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Für Nürnbergs Radler wird's besser - aber nur langsam

Stadt will Fahrradverkehr stärker fördern - Aktivisten fordern Maßnahmen - 31.05.2020 05:31 Uhr

Die Wilhelm-Spaeth-Straße wird Teil eines Netzes von Radvorrangrouten. © Foto: Stadt Nürnberg/Verkehrsplanungsamt


"Es handelt sich dabei nicht nur um eine Marketingkampagne, sondern um ein Bündel von Maßnahmen", sagt Baureferent Daniel Ulrich im Verkehrsausschuss. Es wurde begonnen, mehr Radwege zu bauen und ein attraktiveres Leihrädersystem installiert. "Das gesellschaftliche Bewusstsein für den Radverkehr ist gestiegen", so Ulrich. 2014 wurde der Runde Tisch Radverkehr eingerichtet. Lobby-Gruppen und Verwaltung haben gemeinsam Ideen entwickelt, wie der Fahrradverkehr verbessert werden kann. "Nürnberg ist besser geworden, aber wir sind nicht schneller als andere Städte, sondern solides Mittelfeld", sagt Ulrich.


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Ähnlich sieht es auch SPD-Stadtrat Nasser Ahmed: "In der Radverkehrspolitik sind wir nicht erstklassig. Wir müssen dem Fahrrad mehr Platz im öffentlichen Raum geben, wenn wir einen höheren Anteil an Fahrradfahrern haben wollen." Ahmed hält es deshalb für richtig, dass die Stadt auf Radvorrangrouten setzt.

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Derzeit laufen dafür die Markierungsarbeiten in der Thäterstraße, der Balthasar-Neumann-Straße, der Dientzenhoferstraße und in einem Teilabschnitt der Gleißhammerstraße. In diesem Jahr kommen noch die Sperberstraße, die Sandrartstraße sowie die Muggenhofer Straße hinzu. Ziel ist, ein Netz aus durchgängigen Fahrradstraßen zu schaffen.

"Wir müssen einfach loslegen"

Mike Bock, Stadtrat von den Grünen, fordert darüber hinaus, den Straßenraum neu einzuteilen: "Wir wollen Leute animieren, die bislang Angst haben, Fahrrad zu fahren." Dazu werde eine geschützte Infrastruktur benötigt. "Wir müssen einfach loslegen wie in Brüssel oder Paris." In Berlin würden Radspuren in nur sieben Tagen geplant und dann provisorisch vom Autoverkehr getrennt. Außerdem seien in Nürnberg die Radwege zu schmal, um sich subjektiv sicher zu fühlen.

Erst kürzlich protestierten Radler in Nürnberg für Pop-Up-Wege.

© Michael Matejka


Titus Schüller, Stadtrat der Linken, kritisiert, dass Nürnberg noch weit entfernt ist von einem Anteil der Radfahrer am Verkehrsaufkommen in Höhe von 20 Prozent. "Der sollte aber schon 2015 erreicht sein." Die Stadt müsse mehr ausprobieren und sehen, was funktioniert. Jan Gehrke von der ÖDP fordert, dass Lastenräder mehr Platz bekommen: "Wir müssen erreichen, dass weniger Autofahrer in der Stadt unterwegs sind." Max Müller (CSU) stimmt zu, dass der Verkehrsraum neu aufgeteilt wird, aber die Autofahrer sollen nicht schikaniert werden. Mehr Platz für Radfahrer könne vom Autoverkehr kommen.

Miteinander aller Verkehrsteilnehmer

Es müsse aber nicht so sein. Zur Debatte, dass Nürnberg einen großen Nachholbedarf beim Thema Radverkehr habe, sagt Müller: "Das, was wir am besten können, ist, uns schlecht zu verkaufen. Wir erzählen ständig, wie schlecht alles ist. Dabei haben wir in den letzten Jahren viel erreicht." Otto Heimbucher von der CSU rät zu pragmatischen Lösungen. Ein Radweg in der Balthasar-Neumann-Straße sei besser als in der Ostendstraße. Ahmed erinnert daran, dass Nürnberg den Fahrradverkehr fördern will, aber auch das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer.

Dass Nürnberg besonders gefährlich für Fahrradfahrer ist, weist Ulrich zurück. Im Durchschnitt sterben im Jahr auf Nürnbergs Straßen 1,4 bis 1,8 Menschen pro hunderttausend Einwohnern. In Amsterdam und Kopenhagen sind es 3,4 und in Brüssel 3,7. "Die Attraktivität von manchen Fahrradwegen mag ein Problem sein, die Sicherheit ist es nicht. In Nürnberg ist das Radfahren statistisch nicht gefährlicher als in anderen Städten", sagt Ulrich. Der Baureferent lehnt es ab, ein komplett eigenständiges Radwegesystem in der Stadt einzurichten. "Das widerspricht der europäischen Stadt."

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André Fischer

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