Mittwoch, 20.01.2021

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Gostenhofer Künstler malen mit Kindern

Straßenprojekt zum Thema «Was ich an der Stadt mag» - 07.10.2009

Workshop für ein geplantes Open-Air-Atelier in der Denisstraße (Gostenhof). Gostenhofer Künstler malen mit Kindern aus dem Stadtteil.

06.02.2011 © Wilhelm Wiesner


Die siebenjährige Erika arbeitet konzentriert. Das dunkelblonde Mädchen mit den zwei Zöpfen hat sich einen Joghurt-Becher aus der Bastelkiste geschnappt und malt ihn an. Er soll ein bunter Lampenschirm für eine Lichterkette werden. Die Kunstpädagogin Edith Maria Roth hilft ihr, den Boden des Bechers abzuschneiden und ihn an der Kette mit den Fassungen für die Glühbirnchen anzubringen. Das Ganze soll später an einem Baum aufgehängt werden. «Wir basteln hier Schmuck für Bäume, nicht für Menschen», erklärt Roth und lacht.

Kinder toben sich kreativ aus

Das Projekt «Gokids» ist eine Initiative von Gostenhofer Künstlern, die von der Stiftung Persönlichkeit unterstützt wird. Jeden Donnerstag- und Samstagnachmittag von 14 bis 17 Uhr können sich Kinder kreativ und kostenlos austoben. Da wird gepinselt, geklebt und gewickelt, jedes Mal an einem anderen Standort in der Denisstraße. «Wir arbeiten mit den Kindern an ganz unterschiedlichen Dingen», erklärt Wilhelm Wiesner, der Leiter des Projekts. «Dabei verwenden wir viel Recyclingmaterial und arrangieren Dinge des Alltags neu. Daraus entstehen Mobiles, Lichterketten oder dieser Traumfänger». Er deutet auf ein großes Gebilde: In einem Fahrradreifen hängen goldene Papp-Sterne und kleine bunte Wollknäuel - mit Federn geschmückt.

Profis leiten die Kinder beim Basteln an, die bildende Künstlerin Ulrike Pilzecker koordiniert die Gestaltung des Traumfängers. Daneben bemalen Kinder eine Fahne mit Abtönfarben, die Malerin Anke Hellmich gibt Tipps, falls die Inspiration mal ausgehen sollte. «Die Kinder können malen was sie möchten», erzählt Hellmich, «aber der grobe Rahmen ist das Thema ‚Was ich an der Stadt mag’». Auf der Fahne sind Bäume, die Sonne und Schmetterlinge zu sehen. Die Kinder pinseln eifrig. Die Kunstwerke werden pünktlich zur GOHO in der Straße ausgestellt, am 17. Oktober gibt es sogar eine Vernissage.

Auf spielende Kinder aufmerksam machen

«Wir wollen mit dieser Aktion vor allem auf die Situation spielender Kinder aufmerksam machen», erzählt Wilhelm Wiesner. Die ist in der Denisstraße nicht rosig: Zwar ist die Straße verkehrsberuhigt, doch viele Autofahrer halten sich nicht an das Tempolimit. Parkplätze an beiden Seiten gefährden die spielenden Kinder zusätzlich. Diese haben aber keine andere Möglichkeit, als raus auf die Straße zu gehen, denn Spielplätze und Grünflächen gibt es nicht in unmittelbarer Nähe. Deshalb wolle man jetzt zur GOHO auch das Strichmännchen-Logo der Gokids auf Straßen und Mauern malen, um die Autofahrer zu sensibilisieren, so Wiesner.

Das Open-Air-Atelier ist bis zum 15. Oktober geöffnet, auch bei Regen. «Nur wenn es stürmt und gewittert, bauen wir unsere Station gar nicht erst auf», erklärt Wiesner. Er hofft, für die Gokids einen der leerstehenden Läden in der Denisstraße zu bekommen. «Das wäre ein guter Ausweichstandort. Zudem können wir uns gut vorstellen, das Projekt auch im Winter fortzuführen. Die Nachfrage ist jedenfalls da».

Nicole Hinz

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