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Großeinsatz am Hafen: Retter proben Katastrophenfall

Übung im ganz großen Stil mit Feuerwehren und Sanitätern - 18.05.2019 17:38 Uhr

Menschenleben retten geht vor Feuerbekämpfung: Abtransport von "Verletzten" bei der Katastrophenschutzübung im ganz großen Stil. © Stefan Hippel


Tank 22 steht in Flammen, das brennende Heizöl hat den Deckel des runden Behälters rasend schnell versengt, schwarzer Rauch verteilt sich über der Hamburger Straße im Nürnberger Hafen. Halb Eibach wird bald unter einer übel riechenden Wolke liegen.

Rund um den brennenden, 55.000 Kubikmeter Öl fassenden Tank werden in einem Umkreis von einem Kilometer die Häuser geräumt. Die Behörden haben den Katastrophenfall ausgerufen. Feuerwehren und Rettungskräfte müssen jetzt beweisen, dass der theoretische Notfallplan auch praktisch funktioniert.

Erste große Katastrophenschutzübung seit Jahren

Vor sieben Jahren organisierte die Stadt Nürnberg zuletzt eine Katastrophenschutzübung im ganz großen Stil. Die Zusammenarbeit von Feuerwehren, Sanitäts- und Rettungsdiensten sowie dem Technischen Hilfswerk ist minutiös geplant. Aber nur bei einer Großübung lässt sich feststellen, ob die Abläufe funktionieren.

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Ausnahmezustand am Hafen: Nürnberg übt den Katastrophenfall

Am Samstag haben Nürnberger Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Rettungsdienste und des THW den Katastrophenfall geübt. Das Übungsszenario war der Brand eines Großtanks mit insgesamt zwölf Verletzten am Nürnberger Hafen. Insgesamt waren 900 Personen beteiligt. Um die Lage weiter zu verschärfen, kollidierte ein besetzter Nahverkehrsbus mit der Hafenbahn. Als Teil der Übung wurden die Verletzten auch in die Nürnberger Krankenhäuser gebracht.


Entsprechend groß war die Anspannung am Samstag, als um 9 Uhr die Übung begann und Heizöltank Nummer 22 der TransTank GmbH im Hafen nach einer Verpuffung Feuer fing. Es gab zwar keine echten Flammen, aber der Einsatz der Hilfskräfte entsprach ganz dem echten Katastrophenfall.

Sofort rückt die Berufsfeuerwehr von der Feuerwache 4 aus, insgesamt sind 33 Beamte in elf Fahrzeugen im Einsatz. Hinzu kommen 108 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Nürnberg. Vor Ort laufen sie auf das Gelände des Tanklagers, Arbeiter müssen mit schwersten Verletzungen geborgen werden.

Menschenleben geht vor Feuerbekämpfung

Menschenleben geht vor Feuerbekämpfung. Auch 48 Minuten nach Ausbruch des Feuers fließt noch kein Löschwasser aus einem Schlauch der Feuerwehren. Die TransTank GmbH habe einen eigenen, 5000 Kubikmeter fassenden Wassertank und ein internes Verteilungssystem für Löschwasser, erklärt der Pressesprecher der Feuerwehr, Thomas Schertel. Das wird im Ernstfall in Gang gesetzt, schon bevor die Feuerwehren damit beginnen, den Gaspendelbehälter neben Tank 22 von außen mit Wasser zu kühlen. Der Dämpfespeicher kann bei hoher Hitze allzu leicht explodieren.

Rettungskräfte des Roten Kreuzes begutachten schnell und routiniert die Verletzten und verteilen Kärtchen: Rot heißt schwer, Gelb leichter verletzt. Eine Frau mit Verbrennungen am ganzen Körper wird als eine der Ersten ins Südklinikum abtransportiert. Zum ersten Mal überhaupt sind Nürnberger Krankenhäuser an einer städtischen Vollübung für den Katastrophenfall beteiligt. Neben dem Südklinikum behandeln das Nordklinikum und das Krankenhaus Martha-Maria die Verletzten.

Seit 9.12 Uhr sitzt Bürgermeister Christian Vogel in der Integrierten Leitstelle auf der Feuerwache 4. Er führt die Führungsgruppe Katastrophenschutz.

Als um 9.30 Uhr der Anruf die abgeschirmte Führungsgruppe erreicht, dass unweit des brennenden Tanks ein umgeleiteter Linienbus mit der Hafenbahn zusammengestoßen ist und dabei viele Passagiere verletzt wurden, ist der Schreck beim Bürgermeister groß. „Wir wussten nicht, dass für die Übung auch ein Verkehrsunfall geplant ist.“ Kurz habe man deshalb geglaubt, dass der echt ist.

Dramatisches Bild am Unfallort im Hafen

Das Bild, dass sich am Unfallort bietet, ist tatsächlich dramatisch. Menschen liegen wimmernd auf der Straße. Die Bahn hat sich in den Bus geschoben, Autos sind in die Unfallstelle gerast und haben sich überschlagen. Eines landete im Kanal, ein Insasse wird am Ufer reanimiert,er wird aber wenig später im Südklinikum versterben. Die Rettungsdienste sind mit 60 Einsatzwagen und 160 meist ehrenamtlichen Kräften vor Ort. Die Darsteller der über 70 Opfer sind Auszubildende der Krankenpflegeschule des Nürnberger Klinikums.

Gelöscht wird der Brand im Tank schließlich von Spezialkräften der Werkfeuerwehren der mittelbayerischen Mineralölfirmen. Sie sind aus Ingolstadt angerückt, über zwei Stunden nach Beginn des Feuers pressen sich Löschwasser aus dem Hafenbecken über Hochleistungspumpen in fünf Schläuche, die wiederum die Six Gun speisen. Der Hochleistungswasserwerfer schleudert in einer Minute 24000 Liter Wasser in Richtung Tank. Es dauert höchstens 45 Minuten, dann ist der Brand gelöscht.

Das Fazit der Rettungskräfte: Die Übung lief gut. Eine genau Analyse folgt in den nächsten Wochen.


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