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Hier leben die Nürnberger mit den meisten Schulden

Verschuldung und Überschuldung privater Haushalte ist wieder gestiegen - 06.03.2016 06:00 Uhr

Oftmals letzter Rettungsanker für hoffnungslos überschuldete Verbraucher: der Antrag auf Privatinsolvenz, mit der die Schuldenlast geordnet abgebaut werden soll. © Foto: dpa


Die Auskunftei Creditreform beobachtet in Nürnberg das Phänomen, dass "die guten Arbeitsmarktbedingungen und die Niedrigzinsen zu einem übermäßigen Konsumverhalten geführt haben und die Schuldnerzahlen ansteigen ließen".

Besonders groß ist die Schuldenproblematik der Nürnberger in den Stadtteilen Gostenhof, St. Lorenz, Muggenhof, Steinbühl sowie in Gleißhammer und Schweinau (siehe Grafik). Am geringsten ist die sogenannte Schuldnerquote in den Außenbezirken der Stadt, vor allem in Mögeldorf, Thon und Herpersdorf/Kornburg. Creditreform hebt hervor, dass in Nürnberg vor allem junge Erwachsene unter 30 Jahren überdurchschnittlich oft in der Schuldenfalle sitzen.

Die meisten Schulden haben die Menschen, die in den zentralen Stadtteilen wohnen. © NN-Infografik


Experten stellen fest, dass heutzutage immer mehr Menschen den Überblick über ihre Finanzen verlieren. Oder gar nicht so genau wissen wollen, was sie sich leisten können, weil Rechnen mit spitzem Stift bloß den Konsumspaß bremst. Versandhändler, Handyfirmen und Kreditinstitute helfen dann gern, wenn die Augen größer sind als der Geldbeutel.

Kaufrausch und Unwirtschaftlichkeit

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes ist unwirtschaftliche Haushaltsführung inzwischen zu einem wichtigen Grund für Zahlungsprobleme geworden. Selbst kinderlose, gut verdienende Paare geben sich immer häufiger dem Kaufrausch hin, stellt der aktuelle Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF) fest. Zwar zählen zum Beispiel Doppelverdiener zur finanziell stabilsten Bevölkerungsgruppe, aber ihr Finanzspielraum fürs genussvolle Konsumieren verführt häufig zu wachsenden Ausgabewünschen.

Die Zahlen zeigen, dass unangemessener Konsum und ineffizientes Haushalten längst kein Monopol von Schichten mit niedrigem Einkommen sind. Nach Angaben von Beratungsstellen, die sich in dem Überschuldungsreport niederschlagen, ist "vermeidbares Verhalten" quer über alle Schichten inzwischen in jedem sechsten Fall Hauptursache für kollabierende Privatfinanzen.

Am bedrohlichsten hat sich die soziale Lage, so auch der aktuelle Datenreport des bayerischen Sozialministeriums, für Alleinerziehende und Frauen über 65 entwickelt. Sozialverbände gehen davon aus, dass Altersarmut längst kein Schreckensszenario mehr ist, sondern bereits Realität.

  

Horst Peter Wickel

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