Im Einsatz für eine bessere Welt

26.3.2018, 19:09 Uhr

Die Wände sind frisch getüncht, der Boden neu verlegt, die Bestände sortiert: Zum 20-jährigen Jubiläum hat sich das Nürnberger Friedensmuseum eine kleine Renovierung gegönnt. Und dabei sind auch ein paar längst vergessene Schätze aufgetaucht, sagt Elke Winter vom Vorstand des Trägervereins des Museums.

Zum Beispiel ein Tonband von 1968, auf dem Reden von der "Ostermarsch-Revue" desselben Jahres in Nürnberg aufgezeichnet sind. In der Meistersingerhalle traten damals bekannte Liedermacher, Musikgruppen und Schauspieler auf und warben für Demokratie und Frieden. Mitarbeiter des Rundfunkmuseums Fürth haben das Tonband digitalisiert; demnächst wird es eine Veranstaltung dazu geben (siehe Artikel rechts).

Die Mitarbeiter des Friedensmuseums, darunter Winter und Wolfgang Nick, haben in den vergangenen Wochen aber nicht nur die Räume renoviert. Zum 20-jährigen Gründungsjubiläum haben sie auch eine neue Ausstellung konzipiert, die die Geschichte des Museums von den Anfängen bis heute aufzeigt und auch, welche Erfolge die Friedensbewegung verzeichnen kann.

So stellen einige Tafeln an der Wand etwa die Mitglieder des Trägervereins vor, die sich ehrenamtlich für das Museum engagieren. Ein alter Zeitungsartikel zeigt, dass es bereits in den 1950er Jahren, bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs, Überlegungen in der Stadt gab, ein Friedensmuseum zu gründen.

1998 war es dann endlich so weit: Die Einrichtung eröffnete ihre Räume in der Kaulbachstraße 2. Seitdem haben die Mitarbeiter etwa 30 Ausstellungen zum Thema Frieden auf die Beine gestellt, die meisten davon in Eigenregie; einige haben sie ausgeliehen, etwa von der "Mission
EineWelt". Eine Wand zieren bunte Plakate von Ostermärschen und Friedensaktionen aus den vergangenen Jahren, von der Decke baumeln Zitate von berühmten Friedensaktivisten wie Mahatma Gandhi oder Bertha von Suttner.

Als "Spinner" verschrien

Auch "Devotionalien mit Gebrauchsspuren", wie Winter sagt, sind in der Schau zu sehen, darunter eine gebastelte Atomrakete für eine Demonstration, ein Holzkreuz mit der Aufschrift "Nie wieder Krieg" oder bemalte Stoffbanner von Protestmärschen. Auf einem weißen Band, das an einer Wand drapiert ist, sind in schwarzer Schrift die "Kriege der Welt" aufgemalt. Es startet mit "1946–54 Indochina" und reicht bis an die 2000er Jahre heran, sagt Nick. "Das Band ist eine Dauerleihgabe der Stadtbibliothek und mehr als 50 Meter lang." Der Großteil davon ist auf einer Spule aufgerollt – die Welt führt einfach zu viele Kriege.

In der "Friedensbibliothek" im Nebenraum des Museums können Interessierte in Büchern schmökern und diese auch ausleihen. Zwei Plakate sind den Erfolgen der Friedensbewegung gewidmet. "In den 1980er Jahren sind wir noch als Idioten beschimpft worden, als Spinner, Kommunisten oder ,linke Kolonne Moskaus‘", erinnert sich Winter. Heute hingegen werde Krieg durch die Bank als etwas Schlechtes angesehen.

Wolfgang Nick (links) und Elke Winter sind seit den ersten Tagen für das Friedensmuseum aktiv. Auf dem Bild präsentieren die beiden zum Teil selbst gebasteltes „Demonstrations-Zubehör“, das schon oft bei Protestaktionen zum Einsatz kam.

Wolfgang Nick (links) und Elke Winter sind seit den ersten Tagen für das Friedensmuseum aktiv. Auf dem Bild präsentieren die beiden zum Teil selbst gebasteltes „Demonstrations-Zubehör“, das schon oft bei Protestaktionen zum Einsatz kam.

"Wir müssen uns unsere Erfolge bewusstmachen", sagt auch Wolfgang Nick. "Vor 100 Jahren war die Gesellschaft noch stark militaristisch geprägt." Damals habe man angenommen, dass Krieg ein Lebenselixier sei und gut für die Erziehung von Kindern und Jugend. "Das ist heute ganz anders: Zum Beispiel tut sich der Bundestag immer schwerer, die Einsätze der Bundeswehr zu rechtfertigen. Krieg kostet Milliarden Euro und bringt nichts."

Die Rückbesinnung auf diese Erfolge hilft den Friedensaktivisten, sich weiter für eine kriegsfreie Welt einzusetzen und angesichts der vielen Konflikte nicht zu resignieren. Daher kommt auch das Motto des Friedensmuseums: "Das weiche Wasser bricht den Stein."

Miteinander reden

Der Eintritt ins Friedensmuseum ist frei. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter freuen sich aber über eine Spende – auch für die bunten Buttons mit der Friedenstaube (links). Ein Plakat der neuen Schau über die Geschichte des Museums widmet sich den Ausstellungen, die die Einrichtung an der Kaulbachstraße schon gezeigt hat (rechts). 30 Schauen haben die Mitglieder des Trägervereins seit der Gründung vor 20 Jahren auf die Beine gestellt.

Der Eintritt ins Friedensmuseum ist frei. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter freuen sich aber über eine Spende – auch für die bunten Buttons mit der Friedenstaube (links). Ein Plakat der neuen Schau über die Geschichte des Museums widmet sich den Ausstellungen, die die Einrichtung an der Kaulbachstraße schon gezeigt hat (rechts). 30 Schauen haben die Mitglieder des Trägervereins seit der Gründung vor 20 Jahren auf die Beine gestellt.

Krieg ist keine Lösung, davon ist Elke Winter überzeugt. "Wie soll Frieden entstehen, wenn vorher mit Gewalt alles kaputtgemacht wurde?" Der Irak, Afghanistan und Syrien seien aktuelle Beispiele dafür. Stattdessen müsse man miteinander reden, um Konflikte zu lösen, Vertrauen schaffen, eine wirtschaftliche Zusammenarbeit aufbauen. Wie das funktionieren kann, zeigt das Friedensmuseum in seiner neuen Ausstellung.

ZFriedensmuseum Nürnberg, Kaulbachstraße 2. Öffnungszeiten: montags von 17 bis 19 Uhr und mittwochs von 15 bis 17 Uhr. Außerdem an jedem ersten Samstag im Monat von 15 bis 17 Uhr. Sondertermine für Gruppen auf Anfrage möglich. Eintritt frei. Mehr Infos im Internet unter www.friedensmuseum.odn.de

Keine Kommentare