Im Gespräch: Ein Countryfan über deutsche Volksmusik

30.8.2008, 00:00 Uhr
«Alabama» hat er oft im Ohr: Country-Experte Herbert Arnold mit Schallplatten seiner Lieblingsband.

«Alabama» hat er oft im Ohr: Country-Experte Herbert Arnold mit Schallplatten seiner Lieblingsband. © Winckler

Herr Arnold, wie oft hören Sie Lieder von Hansi Hinterseer?

Herbert Arnold:
Kenn’ ich den? Ich könnte ja mal in meinem CD-Regal unter «H» nachschauen. Aber ich glaube, da ist nichts drin.

Was stört Sie an deutschsprachiger Volksmusik?

Arnold:
Ich habe im Prinzip gar nichts gegen diese Musik. Aber sie geht mir einfach nicht ins Ohr. Blasmusik an sich ist nicht scheußlich - wenn ich sie nicht lange hören muss. Schmalzige Texte gibt es allerdings auch in der Country Music.

Waren sie als Kind lieber Cowboy oder Indianer?

Arnold:
Ganz eindeutig: Cowboy. Das war tatsächlich meine liebste Verkleidung im Fasching.

So sind Sie also zu dieser Musik gekommen?

Arnold:
Nein, der Grund waren die Amerikaner selber. Sie haben uns eine lässigere Lebensart vorgeführt, das hat mir immer gefallen. Hinzu kam, dass mein zwölf Jahre älterer Bruder meistens den Soldatensender AFN gehört hat. Damit bin ich aufgewachsen.

Sind Sie immer dabei geblieben?

Arnold:
Nein, meine Freude an dieser Musik war zeitweise weg. Ich bin ein verspäteter 68er. Protestsongs haben mir gefallen, Woodstock hat mich beeindruckt. Später hatte ich eine komplette Sammlung der Schallplatten von Deep Purple. Aber irgendwann konnte ich manche Lieder nicht mehr ertragen.

Gibt es ein Lied, dass Ihnen nie ganz aus dem Kopf geht?

Arnold:
Das ganz prägende Lied habe ich nicht. Aber immer ein bisschen im Ohr habe ich «Amarillo by Morning» von George Strait. Und als «Rhinestone Cowboy» herauskam, waren meine Frau und ich frisch verliebt. Jedenfalls bin ich nach meiner Hardrock-Zeit umgeschwenkt. Es gab da im Bayerischen Rundfunk die «Rocktasche» von Georg Kostya. Mit Stars wie Fats Domino und Chuck Berry. Auch Radio Luxemburg hatte starke Rock- und Countrysendungen. So etwas gibt es leider nicht mehr.

Wer sind für Sie persönlich die wichtigsten Künstler?

Arnold:
George Strait gehört dazu. Er ist über Jahrzehnte hinweg top, hat weltweit Fans und bleibt trotzdem auf dem Boden. Auch Alan Jackson ist ein Großer. Und Tanja Tucker war für Anfang der 80er Jahre nicht nur eine prima Sängerin, sondern auch eine sehr schöne Frau.

Sie waren selbst in Amerika. Sind Sie seitdem noch mehr USA-Fan?

Arnold:
Man muss sich schon umstellen. Die Amerikaner bauen zum Beispiel einfacher als wir. Das sorgt für Überraschungen. Etwa dann, wenn man zu einem legendären Country-Club kommt und feststellt, dass das eher ein Musikschuppen ist.

Ist Heimat in den USA etwas anderes als bei uns?

Arnold:
Ich sehe das so: Wenn es bei uns um Heimat geht, ist das Thema die Natur. Die Amerikaner sehen ihr komplettes Land. Für sie ist das wirklich das Land der Freiheit. Ich finde, diese Sichtweise fehlt uns ein wenig. Wie stark der Nationalstolz ausgeprägt ist, habe ich beim Country-Music-Festival in Nashville erlebt. Alle sangen die Nationalhymne und riefen hinterher «Hurra!».

Ist Country Music rückständig, was die Geschlechterrollen angeht? Es wirkt so, als sollten die Frauen vor allem hübsch aussehen und singen.

Arnold:
An diesem Vorurteil arbeite ich mich seit zehn Jahren ab. Es stimmt zwar, dass die Frauen meistens singen. Aber es gibt Künstlerinnen mit einem ganz klaren eigenen Profil, die keine Männer brauchen, um berühmt zu sein.

US-Präsident George W. Bush ist bei uns unbeliebt. Hat der Texaner der Country Music geschadet?

Arnold:
Nein, das denke ich nicht. Diese Musik ist ja nicht gleichbedeutend mit Cowboys. Country-Gruppen wie die «Dixie Chicks» haben Bush kritisiert. Und es gibt viele Strömungen, etwa französische Einflüsse im Süden. Denken Sie an Memphis und Elvis Presley, auch ein Bon Jovi hat Country-Wurzeln. Das beste aktuelle Beispiel ist der Nummer-1-Hit «All Summer Long» von Kid Rock. Dieses Lied wird in den USA in den Countrycharts geführt.

Es heißt, die Countryszene in Nürnberg sei besonders lebendig.

Arnold:
Es ist nicht mehr so wie früher. Die Amerikaner fehlen uns. Aber es gibt einen Haufen guter Countrybands hier. Berlin hat da weniger.

Reden wir noch über ihr «Nebengeschäft». Sie entdecken Künstler für Deutschland.

Arnold:
Ja, ich war mit meinem Kollegen, der in Berlin ein Country-Magazin herausbringt, in Texas unterwegs. In Stock Yards, einer Westernstadt für Touristen bei Fort Worth. In einem Lokal namens «White Elephant» fragte uns der Barkeeper nach dem Zweck unseres Urlaubs. Er erklärte uns, dass er selbst Musik macht und gab uns eine Demo-CD mit. Und da haben wir gehört dass dieser Cody Jinks richtig gut ist. Schon einmal hat er die Franken begeistert. Am Freitag, 5. September, kommt er wieder. Zu einem Auftritt in der Grünen Halle in Fürth.

Verraten Sie uns noch eins: Welche Titel könnten einen unbedarften Zuhörer für Country Music begeistern?

Arnold:
Das ist schwer zu sagen. Ich müsste ja die Person und ihren Musikgeschmack wenigstens ein bisschen kennen. Aber Songs von Garth Brooks oder von der Gruppe «Alabama» wären sicher nicht schlecht.