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In diesen Stadtteilen wohnen Nürnbergs Nichtwähler

SPD-Stadtrat Groh resümiert: "Wir müssen dahin gehen, wo es wehtut." - 27.10.2018 17:29 Uhr

In Langwasser, Sandreuth und St. Leonhard war die Wahlbeteiligung der Bewohner an der Landtagswahl 2018 besonders niedrig. © Roland Fengler


Renate Müller (Name geändert) hat abgeschlossen. Mit Politikern, mit der Polizei, mit der Hoffnung, dass sich etwas zum Guten wenden könnte. Seit über 40 Jahren lebt sie in St. Leonhard, seitdem gehe es bergab im Stadtteil. Drüben würden Drogen verkauft, fährt die 68-Jährige fort und deutet in Richtung eines Ladens. "Lauter Süchtige." Die meisten hier trauten sich nicht einmal mehr vor die Tür, sobald es dunkel werde, schildert sie und klingt bitter dabei.

Es ist dann auch keine Überraschung, dass Renate Müller den Kopf schüttelt, als sie auf die Landtagswahl angesprochen wird. "Ich hab’s nicht mit dem Wählen." Sie hat sich ausgeklinkt, "ich horch auch gar keine Nachrichten mehr. Sonst muss ich mich nur aufregen."

Politikverdrossene Zuwanderer?

Die Wahlbeteiligung in den Stadtteilen Nürnbergs bei der Landtagswahl 2018. © NN Infografik


In St. Leonhard ist die Wahlbeteiligung so niedrig wie an kaum einem anderen Ort in Nürnberg. Im Wahlbezirk Schlachthofstraße/Webersgasse haben nicht einmal 42 Prozent gewählt. Noch weniger waren es nur in Sandreuth, wo im Wahlbezirk Industrie-/Maybachstraße nur 38,7 Prozent ihre Stimme abgegeben haben.

Die Parteichefs ringen um Erklärungen, warum sie manche Menschen nicht mehr erreichen. Die CSU habe bei den Nichtwählern immerhin eine Viertelmillion Stimmen akquiriert, schickt Michael Frieser voran, der Chef des CSU-Bezirksverbands Nürnberg-Fürth-Schwabach. In Gebieten mit vielen Zuwanderern sei die Nichtwähler-Quote am höchsten. Diese würden der Landtagswahl offenbar nicht die Bedeutung beimessen, die sie habe, fährt er fort.

Frieser und seine Kollegen, SPD-Chef Thorsten Brehm und Grünen-Vorsitzender Daniel Arnold, wehren sich gegen den Eindruck, dass sich die Wahlkämpfer nur noch in ihren Hochburgen blicken lassen, um ihr eigene Anhängerschaft zu mobilisieren.


Rund um die Dianastraße: Das ist Nürnbergs AfD-Hochburg.


Die CSU sei auch in Straßenzüge mit niedriger Wahlbeteiligung gegangen, fährt Frieser fort. Weil sich da noch Stimmen holen lassen. "Wo die Wahlbeteiligung hoch ist, ist das Fell schon verteilt."

Frust im Wahlkampf

Wobei die Graswurzelarbeit eine harte Schule sein kann. Als die Grünen im Bundestagswahlkampf in die Quartiere mit niedriger Wahlbeteiligung gingen, "war das frustrierend für die Teams. Wir mussten erst einmal erklären, was Wahlen sind", erinnert sich Grünen-Chef Arnold. Bei der Landtagswahl sei man dann doch eher in Stadtteile, "wo wir grünes Potenzial haben", wobei darunter auch prekäre Stadtteile gewesen seien. Die Strategie ging offensichtlich auf. Die Grünen holten in allen Bevölkerungsschichten Stimmen, freut sich Arnold.

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Ein trüber Nachmittag. Im Zehn-Minuten-Takt spuckt die U-Bahn-Station Langwasser Süd Menschen aus. Die meisten steuern die Imbuschstraße an, viele biegen dann in die Giesbertstraße ab. Hochhäuser rechts, große Wohnblöcke mit Grün dazwischen links. In dieser geschwungenen Straße haben fast 42 Prozent aufs Wählen verzichtet.

Unter ihnen ist eine etwa 40-jährige Frau mit hellgrüner Fleecejacke. Nein, ruft sie und verlangsamt nur kurz. Sie gehe nie wählen, auch diesmal nicht. "Ich kenne gar keinen Kandidaten", sagt sie noch mit einem leichten russischen Akzent. Ihre Informationen bekomme sie aus russischen Fernsehsendern. Bayerische Landtagswahlen kommen da nicht vor.

Bewohner haben Vertrauen verloren

Viele Russland- und Rumäniendeutsche leben im Viertel. Eine Rentnerin ist eine von ihnen. Sie rechnet sich zu den "kleinen Leuten", denen zu wenig zum Leben bleibe. Ob sie gewählt hat, verrät sie nicht. Dass ihr nach allen Abzügen noch 250 Euro zum Leben bleiben, schon. Viele Leute in ihrer Umgebung sagten, dass sie eh nichts ändern könnten. Sehr wahrscheinlich, dass die Frau mit der schicken Brille ähnlich denkt. Politiker? "Keiner ist ehrlich", das kommt wie aus der Pistole geschossen.

Die Parteien sind sich einig, dass sie eigentlich noch mehr machen müssten. Vor Ort sein, zuhören, und das nicht nur im Wahlkampf. "Wir müssen Zutrauen aufbauen", sagt SPD-Stadtrat Gerhard Groh. "Wir müssen dahin gehen, wo es wehtut."

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Claudine Stauber und Sabine Stoll

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