In Ziegelstein wird gehobelt und gestampft

21.9.2009, 00:00 Uhr
Das Krautfest des Siedlervereins Loher Moos ist ein Treffpunkt für große und kleine Sauerkraut-Fans. Selbst der dreijährige Marco ist mit Feuereifer bei der Bearbeitung des Krauts dabei.

© Sippel Das Krautfest des Siedlervereins Loher Moos ist ein Treffpunkt für große und kleine Sauerkraut-Fans. Selbst der dreijährige Marco ist mit Feuereifer bei der Bearbeitung des Krauts dabei.

Dem ersten Vorstand des Siedlervereins, Klaus Erle, sieht man seine 70 Jahre keinesfalls an; noch ist er, zusammen mit dem zweiten Vorstand Bernd Rath, mit den Vorbereitungen beschäftigt. Informationsmaterial wird ausgelegt, das Bier noch ausgeladen. Währenddessen herrscht um sie rum schon geschäftiges Treiben.

«Seit sechs Jahren machen wir das Krautfest», erzählt Klaus Erle, «jetzt, da das Weißkraut reif ist, treffen wir uns zum gemeinschaftlichen Verarbeiten dieses für uns so typischen Produktes.» Auf die Idee kam er vor Jahren auf dem wohl bekanntesten Krautfest in der Region, in Heglau bei Merkendorf.

Stampfer und Hobel im Gepäck

Bis zehn Uhr sind mehr und mehr Interessierte gekommen, mit Einmachtöpfen unterschiedlichster Größe, Stampfern und Kraut beladen. Auf einem Tisch stehen die notwendigen Gewürze bereit und mittlerweile steht schon der Nächste am Hobel. Es herrscht reger Andrang. «Es ist einfach unheimlich faszinierend, was man doch alles selber machen kann», sagt Herr Gnus, mit 40 Jahren einer der jüngeren Mitglieder und Schriftführer des Siedlervereins. Er ist, zusammen mit seiner Frau, zum ersten Mal beim «Krauteinmachen» dabei. 2005 kauften die beiden ein Haus in Ziegelstein, traten dann dem Verein bei. «Hier wird gegenseitige Hilfe noch großgeschrieben und man findet schneller Anschluss in einer neuen Umgebung», erzählt er.

Der vor rund 80 Jahren gegründete Verein hat einiges zu bieten: «Wir organisieren gemeinsame Fahrten, wie die Herbstfahrt am 10. Oktober nach Bullenheim,» erzählt Klaus Erle, «machen eine Weihnachtsfeier, das Kraut- und seit letztem Jahr auch ein Sommerfest. Und Margit Schwarm (54) und erster Kassier des Vereins fügt hinzu: «Und die Veranstaltungen sind alle auch gut von älteren Leuten mitzumachen.»

Interessant ist der Verein aber keinesfalls nur für die Älteren: «Wir haben einen Geräteschuppen, Mitglieder können sich allerhand Gerätschaften ausleihen», erzählt Margit Schwarm weiter. Gerätschaften, die eigentlich nicht jeder daheim hat, die sich für die einzelnen Mitglieder in der Anschaffung auch oft gar nicht lohnen würden. «Man braucht sie aber doch immer mal, über den Verein hat man die Möglichkeit, günstig an Häcksler, Anhänger, sogar an ein Gerüst und viele weitere Geräte zu kommen», ergänzt Klaus Erle. Und die Ausleihgebühren sind vergleichsweise gering, genauso wie der Jahresbeitrag von nur acht Euro. «Das sind knapp 67 Cent pro Monat, für die den Mitgliedern wirklich viel geboten wird.»

Dünger-Säcke werden geliefert

Das ist aber nicht der einzige Vorteil in diesem Verein. «Einmal im Jahr machen wir eine Düngemittelbestellung», berichtet Margit Schwarm weiter. «Und die Säcke werden dann den Mitgliedern kostenlos geliefert.» Daneben werden einen ganzen Stadtteil betreffende Vorgaben der Stadt organisiert umgesetzt, so beispielsweise die notwendige Kanalsanierung vor gut zehn Jahren. «Hier konnte der Verein einen günstigen Pauschalpreis für alle Mitglieder, die betroffen waren, aushandeln.»

Dazu kommt die Traditionspflege. Gegen halb elf führt Klaus Erle in einem kurzen Vortrag in die Geschichte und das Geheimnis des Krauteinmachens ein, steht später mit Rat und Tat den einzelnen Mitgliedern zur Seite. «Schwierig ist es eigentlich nicht», meint er, «nur braucht man eben doch Erfahrung.»

Er mache das mittlerweile seit über 50 Jahren, hat sogar noch den alten Krauthobel seiner Eltern in Gebrauch. «Das Kraut muss gehobelt werden, dann im Einmachtopf schichtweise gestampft werden, bis Wasser austritt», erklärt er. Sieben Gramm Salz braucht man für ein Kilo Kraut, dazu kommen, je nach Geschmack, noch Lorbeerblätter und Wacholderbeeren.» Nach zwei bis drei Wochen bei 16 bis 18 Grad Celsius sei das Kraut dann eigentlich fertig und bei späterer kühler Lagerung gut und gerne bis Februar oder März haltbar. «Und es schmeckt einfach wesentlich besser, als das gekaufte», sagt er. Und da sind sich alle einig.

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