Mittwoch, 18.09.2019

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Initiative plant Gründerinnenzentrum in Nürnberg

Frauen sollen bei ihren wirtschaftlichen Plänen auf Unterstützung setzen können - 28.06.2019 09:31 Uhr

Gründerzentren speziell für Frauen, sollen Unternehmerinnen, die die Selbstständigkeit planen, unterstützen. © istock


Georg Metzger, seit 17 Jahren Spezialist für Firmengründungen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), hält das für eine sehr sinnvolle Idee. Die Förderbank ist für viele, die in die Selbständigkeit starten, die ersten Anlaufstelle. Sie fördert Gründer mit Krediten, bietet Beratung. "Das Gründungsinteresse bei Frauen ist geringer als bei Männern", weiß Georg Metzger.

Die Gründe seien vielfältig. "Es gibt zu wenig sichtbare weibliche Vorbilder." Für Frauen falle die Familienarbeit mehr ins Gewicht als für Männer, was im Zweifelsfall die Zeit, die für die Gründung bleibt, ziemlich einschränkt. Frauen hätten größere Angst als Männer vor dem sozialen Abstieg, falls die Gründung nicht funktioniert. Und Frauen zweifelten häufig – völlig unbegründet - an ihren kaufmännischen Fähigkeiten. Hinzu kommt, dass Banken und Investoren oft kein Interesse an weiblichen Firmengründungen haben. Nur zwei Prozent des gesamten Risikokapitals fließen in Unternehmensgründungen von Frauen. "Die Wirtschaftspolitik verfolgte immer wieder das Ziel, Frauen zum Gründen zu ermutigen", sagt Metzger.

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Die bayerische Digitalministerin Judith Gerlach hat gerade ein Mentoringprogramm für Frauen in der Digitalbranche aufgelegt, Sie findet Gründerinnenzentren für Frauen aus allen Branchen sinnvoll. "Die Politik muss sich die Frage stellen, ob sie mehr investieren muss, um Frauen mitzunehmen und zu stärken", sagt Gerlach.

Weg in die Selbständigkeit erleichtern

"In einer Umgebung, in der sich Frauen verstanden fühlen, entsteht Empowerment." Außerdem sei das Netzwerken für Frauen von enormer Bedeutung. Auch aus Metzgers Sicht gibt es ganz klar einen Bedarf an speziellen Gründerinnenzentren. "In den bestehenden Beratungszentren werden immer Männer überproportional vertreten sein, Gründerinnenzentren können Frauen ermutigen und als Multiplikatoren wirken."

Sara-Marie Wiechmann und Hannah Dahl gründeten vor einem Jahr CoWomen in Berlin. Mittlerweile beraten sie andere, die mit Gründerinnenzentren Frauen den Weg in die Selbständigkeit erleichtern möchten. Zum Beispiel in München, Rosenheim und Stuttgart. "Es gibt natürlich in den sozialen Medien Netzwerke von Gründerinnen, aber der Bedarf an physischen Orten, an denen sich die Frauen real treffen, austauschen und zusammen arbeiten könne, wird immer wichtiger", sagt Dahl.

Der Hype rund um die Gründerinnenzentren habe gerade erst begonnen. Gründerinnenzentren müssen einen offenen Co-Working-Bereich bieten, in dem Frauen an ihren Projekten arbeiten und sich bequem mit anderen austauschen können, sagt Wiechmann. Es brauche einen Community-Bereich für die Vernetzung. Seminare zu Themen wie Kundenbindung, Online-Handel oder Marketing dürften nicht nur abends stattfinden, sondern auch vormittags oder am Wochenende, um auch Mütter zu erreichen. Denn Frauen bekommen die Idee zur eigenen Firmengründung oft während der Elternzeit, wenn ihnen klar wird, dass sich Kinderbetreuung und der Job als Angestellte nur schlecht vereinbaren lassen. Die Nürnbergerin Tina Langheinrich veranstaltet jedes Jahr mit Projektin die größte Messe für Gründerinnen und Unternehmerinnen in der Metropolregion.


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Auf Facebook vernetzt sie mittlerweile über 780 Unternehmerinnen in Nürnberg und Umgebung. "Wir wollten immer einen Ort schaffen, an dem sich die Frauen treffen, wo sie Räume für Meetings mieten können, zusammen arbeiten und Seminare angeboten werden", sagt Langheinrich. Der Community fehle ein fester Ort, "der Bedarf ist eindeutig da." Sie fände eine Art Stundenplan für ein Gründerinnenzentrum gut: "Montags könnte jemand da sein, der über Kindergeld für Selbständige informiert, dienstags geht es um Finanzierung, mittwochs um Krankenkassenversicherungen."

Dass sich aktuell in Nürnberg eine Initiative für ein Gründerinnenzentrum mit dem Namen F³ stark macht, begrüßt Langheinrich sehr. Alina Becker-Schlobat musste viele Hürden meistern, bevor sie in Bayreuth ihren Stoffladen eröffnen konnte. "Ich habe keine speziellen Förderprogramme für Frauen gefunden, Informationen für Gründerinnen stehen zwar im Internet, aber sie sind sehr verstreut", sagt sie.

Sie brauchte nur ein geringes Startkapital und war für keine Bank interessant. "Ich wünsche mir eine Gruppe für den Erfahrungsaustausch, am liebsten einen Ort, an dem ich auch Informationen bekomme" Dafür würde sie jederzeit auch bis nach Nürnberg fahren.

Unter der Mail-Adresse fhoch3@pressenetz.de können Interessierte mit der Nürnberger Initiative für ein Gründerinnenzentrum Kontakt aufnehmen.  

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