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Ist Nürnberg bereit für den Boom der Elektro-Tretroller?

Auf Straßen und Gehwegen wird es noch enger – Begeisterung in Grenzen - 10.04.2019 05:59 Uhr

Für den Nutzer bequem, für die Umwelt besser als das Auto: Elektro-Tretroller haben ihre guten Seiten. Allerdings fehlt es in den Großstadtstraßen fast überall an ausreichend Platz. © Nicolas Armer, dpa


"Ich bin nicht grundsätzlich negativ gestimmt", sagt Baureferent Daniel Ulrich, zu dessen Bereich das Verkehrsplanungsamt gehört. "E-Tretroller sind ein cooler und eleganter Beitrag zur Mobilität. Aber auch ein schwieriger." Ulrich sieht durchaus Probleme auf die Stadt zukommen. Auf den Gehsteig, findet er mit Blick auf die Geschwindigkeit, gehören sie gar nicht. "Dort gibt es schon genug Konflikte mit den Radfahrern."

"Wer soll das kontrollieren?"

Das Bundeskabinett hat in der vergangenen Woche eine Verordnung zur Zulassung von E-Tretrollern beschlossen. Vorgesehen ist, dass Tretroller mit einer Höchstgeschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde auf dem Gehweg benutzt werden dürfen. Wer mit einem schnelleren Gefährt, das bis zu 20 Kilometer pro Stunde schafft, unterwegs ist, soll den Radweg nehmen. Gibt es weder Rad- noch Fußweg an bestimmten Stellen in der Stadt, sollen die E-Scooter-Fahrer auf die Straße ausweichen.

Baureferent Ulrich findet diese Unterscheidung nach Geschwindigkeit wenig hilfreich. "Wer soll das kontrollieren? Der Polizei ist das nicht auch noch zuzumuten." Seiner Ansicht gehören die E-Tretroller auf die Straße. Gegen E-Scooter auf dem Bürgersteig spricht sich auch die bayerische Landes-Senioren-Vertretung aus. Sie hält Verkehrsminister Andreas Scheuer vor, "ohne Gespür für alte Menschen" zu sein.

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"Wir sind am Anfang eines Prozesses", sagt Baureferent Ulrich. Bei der Stadt hätten sich drei Anbieter von Leih-E-Scootern gemeldet. "Wir sind im Gespräch." Was er nicht will: Dass die Gefährte am Ende des Tages wild im Straßenraum herumliegen. "Das haben wir in Atlanta so erlebt, wo es diverse Verleihsysteme gibt." Es müsse jemanden geben, der die Fahrzeuge wieder einsammelt und aufräumt. Abgesehen davon müssten die Roller gut gewartet sein, damit die Nutzer sicher durch die Straßen kommen. "Wir müssen das gemeinsam in die richtigen Bahnen lenken. Verbieten können wir die E-Scooter nicht."

Warnung vor unseriösen Anbietern

Auch die Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion hat bereits auf die Ankündigung des Bundeskabinetts reagiert und einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die Sozialdemokraten sehen durchaus Chancen in dem Vorhaben, "weil die E-Scooter als Ergänzung zum ÖPNV für mehr umweltfreundliche Mobilität sorgen". Andererseits, so der Verkehrsexperte Thorsten Brehm, müssten die Städte darauf vorbereitet sein – weil die Gefahr bestehe, dass mehr Unfälle passieren. Außerdem hat auch er die Sharing-Dienste im Blick: nämlich die "unseriösen Anbieter, die sich nicht ausreichend um die Leihroller kümmern".

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Jens Ott, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Nürnberg, hat absolut nichts gegen E-Scooter, wie er betont. "Ganz im Gegenteil." Allerdings räumt auch er ein, dass es Probleme geben kann. Seiner Ansicht nach müsse die Stadt am Kfz-Verkehr ansetzen, den Autofahrern sozusagen Platz abknapsen. "Wir brauchen mehr Raum für Radler und Fußgänger", sagt Ott. Auf dem Radweg seien E-Scooterfahrer prinzipiell richtig aufgehoben. "Wenn genug Platz da ist, kommen Rollerfahrer und Radler schon miteinander aus", findet er. Den Fußgängern hingegen sei es nicht zuzumuten, dass sie ihren wenigen Platz auch noch mit Elektro-Tretrollerfahrern teilen müssen. Theoretisch sei es möglich, Radwege zu verbreitern, sagt Daniel Ulrich. In der Praxis sei das nicht umsetzbar.

DVR fordert ein Tempolimit

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordert für E-Roller auf Gehwegen eine Tempobeschränkung von sechs Kilometern pro Stunde – was Schrittgeschwindigkeit entspricht. Der DVR kritisiert, dass der Kabinettsentwurf Kindern schon ab zwölf Jahren erlaubt, einen E-Scooter mit einer Höchstgeschwindigkeit von zwölf Stundenkilometern und ab 14 Jahren mit 20 Stundenkilometern zu fahren. "Kinder in diesem Alter können das komplexe Verkehrsgeschehen nur bedingt einschätzen", so Walter Eichendorf, der Präsident des Vereins. "Das bedeutet ein Unfallrisiko für sie selbst, aber auch für andere Verkehrsteilnehmer." Der Verein hofft, dass der Verkehrsminister diese Fragen noch einmal überdenkt. Der Bundesrat muss den Plänen noch zustimmen. Er wird das Thema am 17. Mai behandeln.

 

Gabi Eisenack E-Mail

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