Jane Goodall auf Biofach: "Leben in dunklen Zeiten"

12.2.2020, 17:52 Uhr
Sorgte für wahre Begeisterungsstürme: Jane Goodall, Primatenforscherin aus Großbritannien, sprach zur Eröffnung der Biofach 2020 in Nürnberg.

Sorgte für wahre Begeisterungsstürme: Jane Goodall, Primatenforscherin aus Großbritannien, sprach zur Eröffnung der Biofach 2020 in Nürnberg. © Daniel Karmann, dpa

"Guten Tag" ("my limit of German"), grüßt Godall - und überrascht die über 1000 Teilnehmer der Eröffnungsveranstaltung danach mit Schimpansenlauten, die übersetzt schlicht "me, Jane" also "ich, Jane", heißen. Ihre 25 Jahre im Dschungel, umgeben von Menschenaffen, seien nicht nur die besten ihres Lebens gewesen, sondern auch die lehrreichsten. Alles hänge zusammen, das Verhalten eines Jeden habe Konsequenzen.


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Was sie allerdings bis heute nicht versteht ist, "dass der Mensch als das intelligenteste Wesen, das jemals auf dieser Erde gegangen ist, sich so unintelligent verhält". "Wir schicken Roboter auf den Mars, aber wir haben vergessen, dass wir ausschließlich auf diesem blau-grünen Planeten existieren können. Offenbar haben wir die Verbindung zwischen Gehirn und Herz verloren", sagt die zierliche Frau.

Sie fordert, diese Verbindung wieder herzustellen, zu verinnerlichen, dass wir allein dafür verantwortlich sind, wie unser Leben und das unserer Nachkommen in Zukunft aussehen wird. Die Biofach, die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, sieht die 85-jährige Engländerin als wunderbare Zusammenkunft von Menschen, die ihren Teil dazu beitragen wollen, dass sich das Dunkel, auf das wir zusteuern, lichtet.

Als großes Problem benennt die dreifache Großmutter die konventionelle Landwirtschaft, die sie sich weigert, als solche zu bezeichnen: "Industrielle Landwirtschaft" beschreibe die Umstände in den Millionen von Ställen rund um den Globus viel besser. Tiere seien durch uns Menschen gezwungen, in "Konzentrationslagern" zu leben, das sei unerträglich.

"Jeder macht jeden Tag den Unterschied"

Das häufig gehörte Argument, dass nicht jeder sich ökologisch hergestellte Lebensmittel leisten könne, will sie nicht gelten lassen. Im Krieg habe sie den Mangel an Nahrung erlebt, gelernt habe sie damals vor allem, das, woran es heute so vielen mangelt: Wertschätzung. Und in unserem Leben mangle es vor allem daran. Verschwendung sei an der Tagesordnung, ein bewusster Einkauf von guten Lebensmitteln sei ein Schritt, den alle tun könnten: "Jeder macht jeden Tag den Unterschied."

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