Jetzt kommt der Wohlfühlfaktor

20.2.2013, 07:59 Uhr
Zwei der Macher des urbanen Gartenprojekts: Frank Braun und Manja Rupprecht vom Verein Bluepingu.

Zwei der Macher des urbanen Gartenprojekts: Frank Braun und Manja Rupprecht vom Verein Bluepingu. © Claudia Beyer

Frau Rupprecht, Herr Braun, mit welchen Neuerungen überraschen Sie die Besucher?
Manja Rupprecht: Wir werden die Idee des Handicap Gardenings weiterentwickeln. Mit der neuen Raumaufteilung des Stadtgartens können nun auch körperlich behinderte Menschen bei uns mitmachen. Denn die Wege sind breiter, die Toilette barrierefrei und wir werden beispielsweise spezielle Pflanztische für Menschen im Rollstuhl aufstellen. Auch werden wir verstärkt selber Pflanzen ziehen — darunter alte Gemüseraritäten, die man so im Supermarkt nicht mehr kaufen kann. Wir wollen zeigen, dass es etwa neben der glatt polierten Tomate auch noch ganz andere. geschmackvollere Sorten gibt. Neu sind ferner ein grünes Klassenzimmer, Bienen und ein Café.

Ein Café? Wieso denn das?
Rupprecht: Im vergangenen Jahr haben viele ältere Menschen aus Eberhardshof bei uns vorbei geschaut. Sie kamen aber nur einmal, weil sie nicht mitmachen konnten. Deswegen bieten wir künftig Bio-Kaffee, Kuchen und Selbstzubereitetes aus dem Garten auf Spendenbasis an. Sowieso richten wir viele Sitzgelegenheiten und schattige Plätze ein. Der Garten wird gemütlich und soll als Treffpunkt im Stadtteil fungieren – auch für Nichtgärtner. Zugleich dient er den Besuchern als Ort der Entschleunigung und zur Erholung vom Großstadttrubel. 2012 hat der Garten primär als Arbeitsort funktioniert, jetzt kommt der Wohlfühlfaktor dazu.

Und wie schaut es mit der Finanzierung aus?
Frank Braun: Die Stadt hat uns eine Förderung aus dem Agenda-21-Programm bewilligt. Auch unterstützen uns Privatleute sowie Firmen — und nicht zuletzt die Stiftung Interkultur. Insgesamt blicken wir auch dieses Jahr auf ein Budget von über 10000Euro.

Sind neue Kooperationen entstanden?
Braun: Das Kindermuseum in St.Leonhard ist auf uns zugekommen, es will auf seinem Vorplatz dieses Jahr ebenfalls Urban Gardening betreiben. Wir beraten und stellen unser Know-how zur Verfügung. Und in der Altstadt plant der Bund Naturschutz ein Gartenprojekt. Auch sind wir Ende Februar erstmals auf Einladung der Messegesellschaft bei der Freizeit-Messe mit einem Stand dabei. Urban Gardening wird dort dieses Jahr ein Schwerpunktthema sein.

Braucht Nürnberg weitere mobile Stadtgärten?
Rupprecht: Sie müssen nicht mobil sein, aber es wäre schön, wenn jedes Viertel seinen Garten hätte, wo die Menschen gemeinsam die Natur erleben können — mitten in der Stadt.

Was war die wichtigste Erkenntnis der ersten Saison?
Braun: Wir hatten eine Lernkurve, was den Aufwand betrifft. So sind wir im Vorjahr voller Euphorie gestartet und haben spätestens beim Thema Bewässerung in der Hitzeperiode gemerkt, wie viel Arbeit das tatsächlich bedeutet. Pflanzen auf heißem Asphalt auf 3500 Quadratmeter zweimal täglich per Hand zu gießen – das hatten wir unterschätzt! Dieses Jahr investieren wir in ein Betröpfelungssystem.

Mit Blick auf 2014: Ist ein Ortswechsel gewünscht oder ist der Parkplatz erste Wahl?
Braun: Wir hoffen darauf, noch zwei weitere Jahre in Eberhardshof bleiben zu dürfen. Hier sind viele Menschen und wenig Grün. Der ideale Ort also, um unsere ökologische Idee zu vermitteln. Die ersten Signale seitens der Quelle-Insolvenzverwaltung sind positiv. Im Frühjahr wissen wir hoffentlich mehr.

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