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Kältebus für Obdachlose: Facebook-Aufruf ist Unsinn

Nummer gehört zu Heim in Nürnberg: "Wir können niemanden abholen" - 26.02.2018 18:18 Uhr

Dieser Kettenbrief links sorgt in Nürnberg derzeit für Verwirrung.

26.02.2018 © Screenshot: facebook.com/dpa


Der Text ist eindeutig. "Wenn ihr unterwegs seid und irgendwo einen Obdachlosen seht, dann geht bitte nicht einfach weiter", heißt es in einem Aufruf, der derzeit auf Facebook kursiert. "Ruft bitte diese Nummer an: 0911-2312462 und gebt den Standort durch." Dann nämlich komme der Kältebus der Stadt Nürnberg, der Obdachlose einsammelt und damit vor den derzeit klirrend Kalten Temperaturen in Franken rettet. 

Alles erfunden, wie Peter Mertel vom Obdachlosenheim in der Großweidenmühlstraße betont - denn wer die ominöse Kältebus-Nummer anruft, landet in seiner Einrichtung. Seine Mitarbeiter haben seit dem Kettenbrief mit Anrufern zu kämpfen, die Fragen haben. Allein im Laufe des Montagmorgens seien es mindestens 40 gewesen. 

Einen Kältebus, wie es ihn etwa in München oder Berlin gibt, gibt es in Nürnberg nicht - und den braucht es nach Meinung der Verantwortlichen auch nicht. Zwar gibt es auch in Franken immer mehr Obdachlose, die Kapazitäten reichen derzeit aber noch aus. 30 zusätzliche Plätze hat etwa die Heilsarmee erst kürzlich in Gostenhof geschaffen. 

"Wir haben immer ein Bett frei" 

Die Einführung wurde auch in Nürnberg geprüft, sie mache nur einfach keinen Sinn, sagt Frank Hummert von der Heilsarmee in Nürnberg. Im München oder Berlin, in Großstädten mit einer zerstückelteren Infrastruktur, dort machen solche Busse Sinn, aber: "Bei uns sind die Weg sehr kurz, auch sind die Einrichtungen wirklich gut vernetzt."

Jetzt, da es mit bis zu -15 Grad knackig kalt ist, sei der Andrang in den Notschlafstellen schon größer, sagt Peter Mertel vom Obdachlosenheim in der Großweidenmühlstraße. "Aber wir haben immer ein Bett frei, niemand muss auf der Straße schlafen." Derzeit liege die Auslastung geschätzt bei 90 Prozent, insgesamt könne man bis zu 146 Schlafplätze anbieten. "Und wenn nichts frei wäre, dann müssten wir bei kalten Temperaturen eben für eine Nacht ein Feldbett aufstellen." Oder aber etwa in einer anderen Unterkunft anrufen.


Kälte und Mitleid: Blick in Nürnbergs Obdachlosen-Szene


Helfen, sagt Mertel, könne man Obdachlosen in einer Notsituation natürlich trotzdem - aber eben nicht unter der Nummer aus dem Aufruf. "Man kann hier bei uns anrufen um zu erfahren ob noch ein Platz frei ist. Abholen können wir aber niemanden, dazu haben wir nicht die Ressourcen." 

"Wenn jemand hilflos ist und Gefahr läuft zu erfrieren, dann sollten Helfer den Notruf wählen", sagt Mertel, also die Polizei oder den Rettungsdienst. Genauere Infos zu den Notfallnummern hat die Stadt hier zusammengefasst, Beratung zu den Notschlafstellen gibt es hier. 

Tobi Lang Online-Redakteur E-Mail

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