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Karstadt-Protest: Heute Menschenkette an der Lorenzkirche

Angestellte, Angehörige und Unterstützer für Erhalt der Arbeitsplätze - 30.06.2020 07:10 Uhr

Am Montag in Nürnberg-Langwasser: Beschäftigte schützen "ihren" Karstadt mit einer Menschenkette. Am Dienstagvormittag findet eine ähnliche Aktion vor dem Kaufhaus in der City statt.

© Eduard Weigert


An der Demo in Langwasser nahmen neben der Belegschaft der Filiale auch mehrere Angehörige und Unterstützer teil, so dass insgesamt 100 Menschen gegen die von Karstadt angekündigte Schließung und den drohenden Jobverlust der 80 Mitarbeiter protestierten. Man wolle mit der Aktion ein Zeichen setzen und zeigen, "dass wir aufrecht stehen und das Haus schützen", so Jaana Hampel.

Ähnlich wie die Verdi-Gewerkschaftssekretärin, die das Kaufhaus als "Herzstück des Einkaufszentrums" in Langwasser bezeichnete, sieht es auch Landtagsvizepräsident Karl Freller: "Der Karstadt ist ein zentraler Magnetpunkt hier im Franken-Center, was wiederum der größte und wichtigste Einzelhandelsstandort im gesamten Nürnberger Süden ist." Von politischer Seite werde man daher "alle Hebel in Bewegung setzen", versprach Freller bei der Aktion, um eine Schließung und den Verlust der Arbeitsplätze abzuwenden.

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Die schwierige Situation von Karstadt gehe auch auf Management-Fehler zurück, so Freller, welche nun „das fleißige und gute Personal ausbaden soll.“ Er werde sich in München nachdrücklich an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger wenden, damit das Karstadt-Thema höchstrangig behandelt wird. „Wir wollen alles tun, dass das Kaufhaus fortbesteht! Denn Ihr Mitarbeiter seid es wirklich wert“, sagte der Landtagsvizepräsident mit Bezug auf die „Wir sind es wert!“-Transparente, die die Karstadt-Mitarbeiter bei der Aktion hochhielten.

Mut machte ihnen auch Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas, der feststellte: "Noch ist nicht aller Tage Abend. Wir kämpfen bis zum Schluss!" Was die Stadt angeht, durchaus keine leeren Worte: Auch die Kommune macht sich für den Erhalt der beiden Kaufhäuser stark und hat sich dazu -wie berichtet- an die Eigentümer der beiden Immobilien gewandt. Sie sollen Karstadt bei den aktuell hohen Mieten entgegenkommen, damit die Kaufhäuser wieder rentabel arbeiten können.

Demo in der Altstadt

Vor der geplanten Demo am Standort in der Altstadt, wo am heutigen Dienstagr ebenfalls eine Menschenkette gebildet werden soll (die Uhrzeit wird absichtlich in diesem Artikel nicht genannt, um in der aktuellen Situation zu viele Schaulustige und Ansammlungen zu vermeiden), schaltete sich auch der Bürgerverein Nürnberg Altstadt ein: "Der Wegfall des wichtigen Einkaufsmagneten an der Lorenzkirche wäre ein schwerer Rückschlag für den Einzelhandel in der Innenstadt. Ohne diesen Einkaufsmagneten an der Lorenzkirche droht diesem Bereich einschließlich des U-Bahnverteilungsgeschosses eine Verödung!", warnte die Bürgervereinsvorsitzende Elisabeth Most.

Most erinnerte daran, dass das Kaufhaus für viele Altstadtbewohner auch deswegen wichtig sei, weil es einen "Lebensmittel-Vollsortimenter in Wohnortnähe" biete und prophezeite dem Kaufhaus-Konzern im Fall einer Schließung einen "großen Imageschaden" für die Marke Galeria-Kaufhof.

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Karstadt, das vor 40 Jahren durch eine zum historischen Umfeld unpassende Fassade die attraktive Altstadt beinahe "zerstört" hätte, versuche es nun durch die geplante Schließung, kritisierte Most. Die Stadt, die ersteres damals erfolgreich verhindert habe, müsse nun alle politischen und verwaltungsrechtlichen Möglichkeiten prüfen, um die Kaufhäuser in der Altstadt und in Langwasser zu erhalten und "die drohende Vernichtung der Arbeitsplätze von rund 300 Beschäftigten" zu verhindern.

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