Kein Radentscheid in Nürnberg - Einigung auf Mobilitätspakt

26.1.2021, 21:09 Uhr
Mit einer Kundgebung warben die Initiatoren im Endspurt für den Radentscheid.

Mit einer Kundgebung warben die Initiatoren im Endspurt für den Radentscheid. © Stefan Hippel, NNZ

Für sichere Radwege und ein durchgängiges Radwegenetz hatten mehr als 26.000 Bürgerinnen und Bürger unterschrieben, die Nürnberger Verwaltung stand unter Druck - einen Entscheid wollte man vermeiden. Auch wenn man viele Forderungen unterstütze, alles wolle man doch nicht übernehmen, hieß es immer wieder.

Nun wird am Mittwoch im Nürnberger Stadtrat, genauer gesagt im Ferienausschuss, der pandiemiebedingt stattdessen tagt, der „Masterplan nachhaltige Mobilität“ verabschiedet. In ihm fließen, so freuen sich die Initiatoren des Bürgerbegehrens, wesentliche Bestandteile ihrer Initiative ein.

Allerdings gibt es eine zentrale Ergänzung: Es dreht sich nicht mehr alles nur um die Belange der Radfahrer, auch der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) und Fußgänger sollen gestärkt werden. Getragen worden war das Bündnis für den Radentscheid von etwa vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, Fridays for Future und mehreren Parteien.

Durchgängiges Radwegenetz

Im Einzelnen sieht der Masterplan die Schaffung eines durchgängigen Radwegenetzes vor, das für hohes und wachsendes Radverkehrsaufkommen ausgelegt ist. Dies soll nicht zulasten des Fußverkehrs und des ÖPNV realisiert werden. Bis zum Jahr 2030 sollen 80 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger das Radwegenetz von ihrer Haustüre in weniger als 350 Metern erreichen.

Radwege sollen mit einer Regelbreite von 2,30 Meter, mindestens aber 1,50 Meter hergestellt werden. Jährlich sollen 1000 neue Radabstellplätze realisiert werden - an Knotenpunkten sollen diese auch überdacht sein. Auf allen Straßenbahnstrecken und wichtigen Buslinien sollen bis 2030 Taktverdichtungen umgesetzt werden. Ziel sei es, auf allen Straßenbahnästen einen Fünf-Minutentakt zu realisieren. Bei den Buslinien soll in der Haupt- und Nebenverkehrszeit der Mindesttakt von 40 Minuten auf 30 Minuten, in Gebieten hoher Nutzungsdichte auf mindestens 15 Minuten verbessert werden.

Reduziert werden soll hingegen der Autoverkehr in Nürnberg bis 2030 - von aktuell 39 Prozent auf 32 Prozent. Bekräftigt wird auch der Ausbau der Straßenbahn: Bis zum Jahr 2026 sollen die Projekte „Straßenbahnlückenschluss Minervastraße“, „Reaktivierung der Stadtparkschleife“ und „Straßenbahnverlängerung Brunecker Straße / TUN“ umgesetzt werden. Die Stadtumlandbahn nach Erlangen soll sich bis dahin im Bau befinden, heißt es.


Radentscheid in Nürnberg: Stadtrat strebt Mobilitätspakt an


Haltestellen der Straßenbahn sollen bis 2025 barrierefrei umgebaut werden, die Haltestellen im Busnetz bis 2030. Gehwege sollen mindestens eine Breite von 1,50 m im Bestand und von 2,50 Meter bei der Neuplanung aufweisen, möglichst aber breiter und komfortabler sein.

Mehr Carsharing

Gleichzeitig will man mehr auf Carsharing setzen: In den innerstädtischen Quartieren innerhalb des Rings und in der Weststadt sollen Bewohner in maximal 350 Metern eine Station erreichen. Auch außerhalb dieses Gebiets soll das Netz verdichtet werden. Gegen Falschparker will man hingegen verstärkt vorgehen: Die kommunale Verkehrsüberwachung soll ausgebaut werden.
Für die Linke, eine der Initiatorinnen des Radentscheids, ist das Paket ein voller Erfolg. „Unser Druck in den letzten Monaten hat sich voll gelohnt”, sagt Stadtrat Titus Schüller. Zumal auch das 365-Euro-Ticket, das ebenfalls seine Partei forciert hatte, realisiert werde. Es sei auch wichtiger Teil des Mobilitätspaktes. Und noch etwas anderes verbucht er als Erfolg: „Wir freuen uns auch, dass der Ausbau des Frankenschnellweges zur Stadtautobahn nicht als Teil der nachhaltigen Mobilität benannt ist.“

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