Keine Trendwende: Mieten in Nürnberg sind gestiegen

13.1.2021, 05:56 Uhr
Das Objekt der Begierde: Wer aktuell eine Mietwohnung in Nürnberg sucht, der muss dafür tief in die Tasche greifen.

Das Objekt der Begierde: Wer aktuell eine Mietwohnung in Nürnberg sucht, der muss dafür tief in die Tasche greifen. © Erwin Wodicka, NN

Während Arbeitnehmer in Kurzarbeit sind oder ihre Jobs gar ganz verloren haben, sind die Mieten, die sie für Wohnungen berappen müssen, weiter gestiegen. Das Immobilienportal Immowelt hat die Angebotsmieten im vergangenen Jahr in 80 deutschen Großstädten ausgewertet. In Nürnberg wurden im vergangenen Jahr demnach im Schnitt 10,10 Euro für den Quadratmeter fällig – eine Steigerung von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr (9,90 Euro).

Nürnberg steht mit der Entwicklung nicht alleine da: In 67 von 80 Städten stiegen die Mieten auch im Pandemiejahr 2020 weiter an. Wenig überraschend: Am tiefsten mussten Neumieter in München in die Tasche greifen. Hier wurden 18,60 Euro für den Quadratmeter aufgerufen – 2019 waren es noch 18,20 Euro. In Nürnbergs Nachbarstadt Fürth zogen die Preise ebenfalls an. Hier lag die Quadratmetermiete bei 9,90 Euro und war damit um 30 Cent teurer als im Jahr 2019. Wie in vielen anderen Universitätsstädten, brachen dagegen die Preise für Wohnraum in Erlangen leicht ein. Musste man in der Hugenottenstadt 2019 noch 10,90 für den Quadratmeter bezahlen, waren es im vergangenen Jahr noch 10,60 Euro.

Umland wird attraktiver

Weiterhin gilt: Kostspielig ist und bleibt es vor allem dort, wo große Zentren von überregionaler Bedeutung in unmittelbarer Nähe sind. In Augsburg etwa kostet der Quadratmeter mittlerweile 10,70 Euro (plus sieben Prozent) – hier macht sich die geringe Entfernung zu München bemerkbar. Die Studie prophezeit schon jetzt, dass der Einzugsbereich großer Ballungsräume künftig noch größer wird. Angesichts der Möglichkeit, wegen Heimarbeit nicht mehr täglich pendeln zu müssen, ziehen Wohnungssuchende demnach schließlich gerne auch ins etwas weiter entfernte Umland großer Metropolen.

Wie aber kommt es, dass die Preise in Nürnberg immer weiter steigen? „Nürnberg ist eine attraktive Stadt“, sagt Wirtschaftsreferent Michael Frass. Davon zeugt etwa, dass die Bevölkerung bis zum Ende vergangenen Jahres immer weiter gewachsen ist. Und Menschen brauchen eben Wohnraum – und der ist Mangelware. „Wir haben immer noch zu wenig Wohnungen“, sagt Fraas. Besserung ist aber in Sicht. So entstehen etwa durch das Sonderprogramm Wohnen rund 1660 Wohnungen. Ebenfalls in Sicht: 4270 Wohneinheiten, die im Wege städtebaulicher Verträge entstehen – etwa an der Brunecker Straße, auf dem ehemaligen Auto-Krauss- und dem Coca-Cola-Gelände. Weitere 3200 Einheiten sind in Entwicklungsgebieten im Bebauungsplanverfahren vorgesehen (etwa im Tiefen Feld oder in Wetzendorf). Darüber hinaus entstehen laut Fraas viele Wohneinheiten auf Einzelflächen im Wege von Einzelbaugenehmigungen.

Droht graue Wohnungsnot?

Ebenfalls Mangelware in Nürnberg: altersgerechter Wohnraum für Senioren. Darauf weist die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hin. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine Demografie-Studie. Demnach könnte die Zahl der Menschen, die älter als 65 Jahre sind, in den kommenden 15 Jahren in Nürnberg auf rund 118.000 Menschen anwachsen. Zum Vergleich: Das sind 14 Prozent mehr als im Jahr 2017. Der Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 plus läge im Jahr 2035 dann bei 22 Prozent.


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Das Problem: „Nur ein kleiner Teil der Wohnungen in der Stadt ist für die rasant wachsende Generation Ü65 geeignet“, sagt Iris Santoro, die Bezirksvorsitzende der IG Bau Mittelfranken. Aufzüge statt Treppen, breitere Türen, durch die man auch mit einem Rollator oder einem Rollstuhl bequem kommt, barrierefreie Duschen – das ist in Nürnbergs Wohnungen bislang nicht oft genug zu finden. Das müsse sich ändern, so Santoro. Und zwar nicht nur dadurch, dass zusätzliche Seniorenwohnungen gebaut werden, sondern auch durch die altersgerechte Sanierung von Bestandswohnungen. „Wenn die Rentner-Generation nicht stärker berücksichtigt wird, droht vielerorts schon in einigen Jahren eine graue Wohnungsnot“, betont Santoro und fordert eine stärkere staatliche Förderung.

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