Samstag, 29.02.2020

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Kinderstationen in Bayern geschlossen: So ist die Lage in Franken

Finanzierung ist schwierig - Kliniken klagen über den Mehraufwand - 04.10.2019 05:51 Uhr

Kinderkliniken oder Kinderstationen von Krankenhäusern beklagen, dass sie für ihre Behandlungen nicht mehr ausreichend vergütet werden. © Foto: Andrea Warnecke/dpa


Das Haunersche Kinderspital in München hat bereits seine Kinder- und Jugendpsychosomatik schließen müssen, das Klinikum rechts der Isar will dies und auch die Uniklinik Würzburg hat vorübergehend einzelne Stationen geschlossen, um Kosten zu sparen, berichtet der Bayerische Rundfunk.

Die Ursache dafür sehen die Kliniken in der mangelnden Vergütung. Die Versorgung von Kindern kostet im Vergleich zu Erwachsenen vor allem mehr Zeit, weil die Ärzte vor einer Behandlung oft erst einmal das Vertrauen der kleinen Patienten gewinnen müssen, für die ein Krankenhausaufenthalt sehr angsteinflößend ist.

Kein Geld für Zuwendung

Und genau Zeit für Gespräche oder Zuwendung wird im deutschen Gesundheitssystem nicht bezahlt. Auch bundesweit trennen sich deshalb Krankenhäuser von einzelnen Abteilungen wie zum Beispiel der Kindergastroenterologie oder schließen manchmal auch eine Kinderklinik komplett, weil das Draufzahlgeschäft zu groß gerät.

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In der Region ist das Angebot für kleine Patienten nicht eingeschränkt. "Wir beabsichtigen im Moment keine Schließungen von Kinderstationen an keinem unserer Standorte", sagt Michael Kilb, Vorstand Gesundheit bei Diakoneo, dem Zusammenschluss der beiden Diakoniewerke Neuendettelsau und Schwäbisch Hall.

Professor Michael Schroth, Chefarzt der Neonatologie und Pädiatrie an der Cnopfschen Kinderklinikin Nürnberg, bestätigt ebenfalls eine umfassende medizinische Versorgung: "Die Cnopfsche Kinderklinik ist rund um die Uhr ein verlässlicher Partner für Kinder und ihre Eltern in Nürnberg und in der Metropolregion. Zwar gibt es auch bei uns hochspezialisierte medizinische Bereiche in denen nicht alle Leistungen ausreichend finanziert werden – diese werden aber durch andere Abteilungen querfinanziert". Auf diese Weise sei eine optimale Versorgung zu jeder Zeit gewährleistet. "Als diakonisches Unternehmen sehen wir uns gerade bei kranken Kindern in der Pflicht eine bestmögliche Versorgung anzubieten."

"Milde Unterfinanzierung"

Auch das städtische Klinikum hält an seinem Versorgungsangebot unverändert fest. "Die Diskussion um die Unterfinanzierung der Kindermedizin im DRG-System ist altbekannt und wird seit über zehn Jahren geführt", heißt es in einer Stellungnahme auf Anfrage der Lokalredaktion. In dem Fallpauschalensystem DRG (Diagnosis Related System) werden Patienten mit ähnlichen Kosten zusammengefasst.

Wie alle Kinderkliniken in Deutschland stellt auch die Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche im Klinikum Nürnberg eine systemimmanente Unterfinanzierung in Bezug auf die Versorgung von schwerkranken Kindern fest. "Der medizinische und pflegerische Mehraufwand im Vergleich zu Erwachsenen ist nicht in ausreichendem Maße im DRG-System abgebildet", so Daniel Voigt von der Unternehmenskommunikation.

Professor Christoph Fusch, Chefarzt der Kinderklinik, spricht von einer "milden Unterfinanzierung". Das Klinikum Nürnberg steuere seine Versorgungsangebote nicht nach der Finanzierung. Deshalb wurden bislang keine Betten aus finanziellen Gründen gesperrt. Dennoch könne die chronisch niedrige Vergütung bei der Versorgung kranker Kinder kein Dauerzustand in Deutschland sein.

Mangel an Pflegekräften

Eine größere Herausforderung sieht Fusch aktuell im Mangel an erfahrenen Pflegekräften: "Wir können freie Stellen schwer nachbesetzen, weil es am Arbeitsmarkt kaum mehr Gesundheits- und Kinderkrankenschwestern gibt." Dank interner Strukturanpassungen könne auch diese Herausforderung meist kompensiert werden, dennoch müsse die Klinik in der Vergangenheit wegen Pflegemangels immer wieder mal wenige Betten kurzzeitig sperren. Als großem Notfall- und überregionalem Maximalversorger sei die Notfall-Versorgung von kranken Neugeborenen und Kindern in der Kinderklinik zu jeder Zeit und rund um die Uhr sichergestellt.

Auch Professor Joachim Wölfle, Direktor der Kinder- und Jugendklinik des Uniklinikums Erlangen, sieht das Problem in der Unterfinanzierung. "Außerdem versorgen wir als Haus der Supramaximalversorgung Kinder und Jugendliche mit besonders schweren Erkrankungen. Das ist oft nicht kostendeckend möglich. Aber bei uns musste noch kein krankes Kind abgewiesen werden", heißt es in einer Stellungnahme.

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Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Ruth Waldmann hat die bayerische Staatsregierung aufgefordert, sich für die Versorgung von Kindern in Krankenhäusern stark zu machen. "Es kann doch nicht sein, dass die Gesundheitsversorgung unserer Kinder nicht gewährleistet ist, weil das System krankt."

Pauschale einführen

Insbesondere das Fallpauschalensystem müsse angepasst werden, erklärt Waldmann. Außerdem schlägt sie vor, eine so genannte Vorhaltekostenpauschale einzuführen. Das bedeutet, dass die Krankenhäuser nicht nur Geld für die einzelnen Behandlungen bekommen würden, sondern auch eine Pauschale, um zumindest teilweise die laufenden Kosten zu decken.

Ähnlich äußert sich auch der gesundheits- und pflegepolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Dominik Spitzer: "Gerade dort, wo der Staat Träger von Kinderkliniken ist, muss die bayerische Staatsregierung für eine ausreichende Finanzierung sorgen."Wir müssen dringend nachsteuern, um die Behandlung von Kindern sicherzustellen." Hier sei auch der Bund in der Verantwortung. Spitzer: " Zuwendungsmedizin muss uns wieder mehr wert sein."

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